Vom Versagen der Jagd im Nationalpark Harz

Das Rothirsch-Problem im Harz

Eine einfach Recherche mit Google und den Stichwörtern „Harz“, „Rothirsch“ und „Jagd“ enthüllt, dass die Rotwildbestände im Harz völlig außer Kontrolle sind.

 

5.000 Hirsche im Harz 2011

Am 4. April 2011 titelt die Süddeutsche Zeitung Rotwild wird stärker bejagt“. Der Rotwild-Ring Harz will 1.750 Hirsche schießen. Vor 10 Jahren habe es 3.500 Hirsche gegeben, nun 5.000. Die milden Winter seien schuld. In den 70er Jahre bevölkerten doppelt so viele Hirsche den Harz, also 10.000. Förster würden extra Birken, Ebereschen und Weiden als Futterpflanzen für die Hirsche anpflanzen.

Das erklärt, warum auf den Kahlschlägen im Nationalpark Harz wo wenig Ebereschen und Weiden überleben.

 

6.000 Hirsche im Harz 2012

Irgendetwas muss schief gelaufen sein bei der „Bestandsreduktion“ 2011. Denn im Jahr 2012 macht das Hamburger Abendblatt am 12.3. mit der Schlagzeile auf: Mehr Hirsche im Harz als je zuvor. Jetzt sind es schon 6.000. Dabei hat man letztes Jahr statt der geplanten 1.750 sogar 1.859 Hirsche abgeschossen. An dieser Entwicklung ist man selbstverständlich völlig unschuldig: Schuld sind Hirsche, die aus Thüringen eingewandert sind.

Mit einer Bemerkung hat Holodynski allerdings Recht: Die Hirsche fühlen sich im Nationalpark „sehr wohl“. Vor allem, seit das Nationalparkforstamt nach Kyrill glaubte, mit riesigen Kahlschlägen die Borkenkäferausbreitung stoppen zu können. Rothirsche lieben Kahlschläge.

 

6.500 Hirsche im Harz 2013

Ooops! Jetzt sind es 6.500. Am 9.2.2013 meldet die Hannoversche Allgemeine: Im Harz drängeln sich die Hirsche. Dabei hat man doch 2.000 Hirsche abgeschossen. Es ist ganz sonderbar: „Der Bestand vermehre sich seit einigen Jahren immer weiter, obwohl Jäger und Förster immer mehr Tiere schießen.“ Jetzt fühlen sich die Hirsche im Nationalpark nicht nur „sehr wohl“, jetzt heißt es: „Dort können sie sich prächtig entwickeln“. In diesem Jahr erfahren wir auch, warum die Hirsche aus Thüringen alle in den Harz kommen: In Bad Lauterberg werden sie im Winter gefüttert. Wie so eine „traditionelle Geweihschau“ in Bad Lauterberg aussieht, können Sie sich auf Youtube anschauen: Geweihschau des Rotwild-Ring Harz.

 

 

8.000 Hirsche im Harz 2014

Es ist ein bisschen so wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Denn am 25.4.2014 überrascht Waidmann Holodynski in der Nordwest-Zeitung mit der Meldung: Rotwildbestand wächst – Förster bangen um Bäume. 8.000 sind es inzwischen – und damit 3.000 mehr als in 2011, wo der Rotwild-Ring so konsequent mit der „Bestandsreduktion“ begonnen hat. Dabei habe man im vergangenen Jahr 2.400 Hirsche abgeschossen. Natürlich sind wieder die milden Winter schuld.

Ich weiß nicht, auf welchem Planeten Holodynski, Rudolph und Knolle leben, aber in Deutschland war 2013 ein sehr strenger Winter mit jeder Menge Kälte und Eis. Interessant ist die zutreffende Bemerkung, der Luchs könne die Hirschpopulation „nicht nennenswert dezimieren“. Ich bin sicher, dies war der Grund, warum die Jägerschaft die Auswilderung des Luchses im Nationalpark Harz geduldet hat. Hätte man versucht, Wölfe auszusetzen, die Jäger hätten sie abgeknallt.

Über die Trophäenjagd des Rotwild-Rings als „Nebenform menschlicher Geisteskrankheit“ (Heuss) informiert ein Bericht der Welt vom 29.4.2012: „Besessen von der Jagd nach dem Monster-Hirsch„.

 Panorama Taubenklippe

2008 zusammengebrochener Fichtenforst ohne Naturverjüngung südlich der Taubenklippe (hochauflösendes Panoramabild, 6.578 x 2.400 Pixel, 8,6 MB)

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