Schneelochweg zum Brocken

Zusammenbrechende Fichtenforste

Die erste Brücke über den Kellbeckbach ganz zum Beginn des Schneelochwegs liegt auf 670 m Höhe (Mothes, S. 114). Dort befindet man sich in der montanen Höhenstufe, die von 525 -750 m reicht. Am Bach würde hier von Natur aus ein Auwald mit Erlen, Eschen und Weiden wachsen. Moorige Standorte würden Moor-Birken besiedeln. Auf trockeneren Standorten würde typischerweise ein Hainsimsen-Buchenwald stehen (Georg Sperber und Stephan Thierfelder: Urwälder Deutschlands, München 2. Auflage 2008, S. 136).

Die Corneliaklippen liegt auf 732 m Höhe, also ungefähr an der oberen Grenze der montanen Stufe. Dort würde der Buchenwald langsam in einen Bergmischwald aus Buchen und Fichten übergehen. Auf „besser mit Nährstoffen versorgten Standorten“ käme noch der Bergahorn hinzu (Sperber, S. 137). Die Höhenstufe wird obermontane Stufe genannt; sie reicht von 750 – 850 m Höhe.

Bei der Granitplatte über den Kellbeckbach ist man auf 860 m Höhe und damit in der hochmontanen Stufe von 850 – 1.000 Höhenmetern. Dort halten es nur noch die Fichte und die Vogelbeere aus, sofern letztere nicht von den Hirschen verbissen wird. Oberhalb von 900 m beginnt der Brockenurwald. Hier hat man nie „Reste historischer Meilerplätze, die sonst im Harz auf die einst übliche Köhlerei hinweisen,“ gefunden. „Dessen abgeschiedene Lage und eine Vielzahl von Hangmooren und Granitblockfeldern hat diesen … uralten natürlichen Bergfichtenwald von der Holznutzung verschont“ (Sperber, S. 137).

 

Natürlich sehen Sie auf der ganzen Wanderung weder Au-, noch Buchen- noch Bergmischwälder, sondern ausschließlich Fichtenforste. Die Gründe dafür nennt Georg Sperber:

„Jahrhundertelange Waldexploitation zu Gunsten des Silberbergbaus, einseitige Fichtenreinbestands-Wirtschaft nach Kahlschlag und die Hege unvorstellbarer Rotwildherden im 19. und 20. Jahrhundert hatten zur Folge, dass die Buche immer weiter von der Fichte verdrängt wurde.“ (Sperber, ebd.)

Da es für die Fichte aber unterhalb von 750 m im Sommer zu warm und zu trocken ist, wird sie krank und anfällig. Am Schneelochweg setzt ihr der nasse, schlecht durchlüftete Boden zu. Der Borkenkäfer befällt die geschwächten Fichten. Stürme werfen sie um oder brechen ihre Kronen ab. In diesen natürlichen Prozess greift die Nationalparkverwaltung hier nicht ein: Das Schneeloch liegt in der Naturdynamikzone des Nationalparks (siehe die Karte Gebietsgliederung, auf der der Schneelochweg sogar noch eingezeichnet ist).

 

Würden die Rothirsche Vogelbeeren und andere Pioniergehölze wie z. B. Birken nicht verbeissen, könnte zwischen den vielen abgestorbenen Fichtenstämmen ein junger Mischwald heranwachsen. So aber entdeckt man nur vereinzelt einige junge Fichten, die dem Äsungsdruck widerstehen. Von dem todkranken Wald geht ein unheimliche, morbide Faszination aus.

 

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