Die unbekannten Kollateralschäden der Borkenkäferbekämpfung

Namen der Totholzkäfer, die vom Verzicht auf Kahlschlag profitieren

Schon im Aufsatz selbst nennen die Autoren konkrete Namen von Totholzkäfern, die von den Windwürfen profitieren: Die drei häufigsten Arten auf den nicht geräumten Windwürfen waren Ips typographus (Buchdrucker), Pityogenes chalcographus (Kupferstecher) und
Xyloterus lineatus (= Trypodendron lineatum, Gestreifter Nutzholzborkenkäfer). Vom Buchdrucker wurden insgesamt 7.785 Individuen gefangen, vom Kupferstecher 6.697 und vom Nutzholzborkenkäfer 1.579. Dass diese drei Borkenkäfer (Scotylinae = Unterfamilie der Rüsselkäfer) auf nicht abgeholzten Windwürfen am häufigsten gefunden wurden, macht Sinn: Es sind genau die vermeintlichen „Forstschädlinge“, die durch die Sanitärhiebe beseitigt werden sollen.

0 Trypodendron lineatum Weibchen 20fach von rechts und oben
Gestreifter Nutzholzborkenkäfer

Auf den geräumten Windwürfen waren die drei folgenden Käfer am häufigsten: trotz Räumung wieder der bereits bekannte Pitogenes chalcographus (Kupferstecher) mit 3.147 Individuen, dann Hylastes cunicularius (Schwarzer Fichtenbastkäfer) mit 1.101 Individuen und auch wieder Ips typographus (Buchdrucker) mit 796 Individuen.

Noch viel ausführlicher ist der Anhang: die Tabelle S 1 führt sämtliche 179 Arten auf, die gefangen wurden, und wie viele Individuen es jeweils waren. Mit Hilfe dieser Tabelle lassen sich die Rote-Liste-Arten identifizieren, die von nicht geräumten Windwürfen besonders profitieren und folglich vom Abräumen des Windwurfholzes besonders geschädigt werden. Die folgende Tabelle wurde von mir selbst erstellt und zeigt zwölf Rote-Liste-Arten in alphabetischer Reihenfolge. Die zweite Spalte gibt ihre Rote-Liste-Gefährdungskategorie an:

  • G – Gefährdung angenommen
  • R – möglicherweise gefährdet
  • D – Daten unzureichend
  • 3 – gefährdet
  • 2 – stark gefährdet

Die dritte Spalte nennt die Gesamtzahl der gefangenen Individuen auf abgeholzten, die vierte auf den nicht abgeholzten Flächen. Besonders eindrucksvoll sind die Unterschiede bei Xyloterus laevae und Epuraea thoracica: Sie kommen auf den nicht abgeholzten Flächen fünfmal häufiger vor als auf den abgeholzten.

ArtRote ListeGesamtzahlder Individuen
  abgeholzte Flächennicht abgeholzte Flächen
Ampedus auripesG1155252
Anobium emarginatum324
Aplocnemus tarsalis31535
Corticaria abietorum34674
Curtimorda maculosa32133
Diacanthous undulatusR724
Epuraea angustella325
Epuraea boreella3935
Epuraea thoracica31996
Thanasimus pectoralisD1938
Xestobium austriacum2112
Xyloterus laevae21366

Tab. 1: Rote-Liste-Arten, die von Sanitärhieben auf Windwurfflächen besonders betroffen sind

1 Ampedus auripes und Xestobium austriacum sind Urwaldreliktarten.

Außerdem lassen sich mit der Tabelle S1 diejenigen Arten bestimmen, die ausschließlich auf nicht abgeholzten Windwürfen vorkommen. Tabelle 2 wurde wiederum von mir angefertigt und zeigt die 5 häufigsten Käfer:

ArtRote ListeGesamtzahlder Individuen
  abgeholzte Flächennicht abgeholzte Flächen
Quedius plagiatus3025
Rhizophagus depressus
 014
Agathidium nigripenne
 07
Polygraphus grandiclava
 07
Abdera flexuosa
305

Tab. 2: Käferarten, die ausschließlich auf nicht geräumten Windwurfflächen vorkommen

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