Massentourismus am Brocken

Einleitung

Ich zähle angeblich zu einer winzigen Minderheit. Denn: Ich fühle mich auf dem Goethe- und Heine-Weg zum Brocken von anderen Besuchern erheblich gestört. Beide Wege sind zu voll. Es gibt dort keine Ruhe und auch keine Einsamkeit. Ich kann die Landschaft nicht genießen. Ich erlebe dort nicht die Natur und erholen kann ich mich auch nicht. Ich bin mit beiden Wegen nicht zufrieden.

Brockenstraße im Januar 2015

Dass ich zu einer Minderheit zähle, das ist wissenschaftlich erwiesen. J. Ahrend hat dazu 2013 am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg eine Diplomarbeit geschrieben: Sie tragt den Titel „Touristisch bedingte Störungen im Nationalpark Harz – Crowding-Wahrnehmung1 auf dem Goetheweg und Heinrich-Heine-Weg – Ein Vergleich“. Ich halte die Ergebnisse der Studie für absurd und kontrastiere sie mit meinen eigenen deprimierenden Erfahrungen am Brocken. Zum Schluss plädiere für ein Verbot der Brockenbahn.2

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Ausgangsproblem der Diplomarbeit

Die Fragestellung, die Ahrend mit seiner Diplomarbeit beantwortet, lautet: Kann der Nationalpark auf dem Goethe- und dem Heine-Weg sein „zentrales Qualitätsversprechen …, nämlich ein ungestörtes Naturerlebnis“ erfüllen oder leidet dieses „unter dem hohen Besucheraufkommen“.3

Denkbar wäre, dass die zigtausend Besucher, die beide Wege täglich begehen, die „soziale Tragfähigkeit des Raumes“4 überschreiten. Das ungestörte Naturerlebnis könnte „durch den erzwungenen Kontakt mit anderen Besuchern und Nutzergruppen … negativ beeinflusst“5 werden.

Die Nationalparkverwaltung unter Leitung von Andreas Pusch kann sich zufrieden auf die Schultern klopfen: Ergebnis der Diplomarbeit ist, dass „der Nationalpark seine gesetzlich verankerte Erholungsfunktion auf .. beiden Wegen erfüllen (kann) und gleichzeitig eine hohe Konsumentenzufriedenheit gewährleistet.“6 Man achte auf die Sprache: Natur wird konsumiert.

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  1. = Besucherdichtewahrnehmung []
  2. Getreu dem 68er-Spruch: „Seid realistisch, verlangt das Unmögliche!“ []
  3. Die Diplomarbeit selbst ist unveröffentlicht. Ihre Ergebnisse werden aber im Projektbericht „Regionalökonomische Effekte des Nationalpark Harz“ von Prof. Dr. H. Job vom Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg aus dem Jahr 2014 ausführlich dargestellt. Die Zitate stammen von S. 75. []
  4. ebd., Hervorhebung von mir []
  5. S. 76 []
  6. S. 77, Hervorhebung von mir []