Der Nationalpark Harz als Opfer der Förster

„Waldumbau stellt eine massive Störung des möglichst ungestörten Ablaufs der Naturvorgänge dar.“
Hans D. Knapp1

Einleitung

Wer meine bisherigen Webseiten zum Nationalpark Eifel kennt, weiß, dass ich ein konsequenter Anhänger der Prozessschutz-Idee bin: In einem Nationalpark soll man „Natur Natur sein lassen!“ (siehe Das Förstermärchen vom Waldumbau). Von einem Nationalpark Harz, der von Förstern „entwickelt“ und „umgebaut“ werden muss, einem sogenannten „Entwicklungs-Nationalpark„, halte ich überhaupt nichts. Auf den nächsten Seiten erkläre ich Ihnen, warum.

„Waldentwicklung“ nahe der Rockensteinklippe

 

Die Seite ist gegliedert in folgende Kapitel:

  1. Försterfreundliche Nationalparkgesetzgebung
  2. Der Nationalpark als Erziehungsanstalt
  3. Der Nationalpark als Garten
  4. Schluss: Prozessschutz auch für Fichtenforste

 

Försterfreundliche Nationalparkgesetzgebung

§ 24 des Bundesnaturschutzgesetzes liefert die gesetzliche Grundlage für Nationalparke. Am wichtigsten ist Abs. 1, Punkt 3. Demnach sind Nationalparke Schutzgebiete,

„die sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet.“ (Hervorhebungen von mir).

Es gibt also 2 Sorten von Nationalparks:

  1. Die einen sind von vornherein in einem nicht oder nur wenig beeinflussten Zustand.
  2. Die anderen eignen sich für eine Entwicklung dorthin.

Der Nationalpark Harz gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Er befindet sich in einem von Menschen stark beeinflussten Zustand, denn auch 20 Jahre nach seiner Gründung besteht er immer noch zu 78 % aus Fichtenforsten. Diese aber sind vom Menschen künstlich angepflanzt. Der Harz ist ein sogenannter „Entwicklungs-Nationalpark„.

Großkahlschlag nahe Ernstburg

 

Es darf vermutet werden, dass die Forstlobby einen maßgeblichen Anteil an der Formulierung des Paragraphen 24, Abs. 1, Punkt 3 hatte. Für die Förster war ein kleiner Einschub von nur 7 Worten von entscheidender Bedeutung: „… oder in einen Zustand entwickelt zu werden …“. Ohne diesen Zusatz wären Förster arbeitslos. Denn dann würde sich der Nationalpark ganz von selbst entwickeln. Aber der Nationalpark Harz entwickelt sich nicht selbst: Er wird entwickelt. Er zerfällt in 2 Zonen:

  1. die Naturdynamikzone, in der die Natur ungestört ihre Dynamik entfalten darf, und
  2. die Naturentwicklungszone, in der die Natur entwickelt wird (vergleiche Gebietsgliederung).

Schon der Name „Naturentwicklungszone“ ist eine Lüge: Vom Namen her möchte man annehmen, dass die Natur sich hier ohne menschlichen Eingriff entwickeln darf. Aber genau das ist nicht der Fall: Sie darf sich nur innerhalb der eng umrissenen Grenzen bewegen, die ihr vom Nationalparkforstamt gesetzt werden.

 

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Der Nationalpark als Erziehungsanstalt

  1. Hans D. Knapp: Waldnationalparke in Deutschland – Ziele und Visionen, in: Nationalpark Harz (Hg.), Walddynamik und Waldumbau in den Entwicklungszonen des Nationalparks, Wernigerode 2007, S. 10 []