Waldentwicklung als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung

Entwicklungszone

Der Nationalpark Harz zerfällt in zwei Zonen: die Naturdynamikzone und die Naturentwicklungszone. In der Naturdynamikzone darf die Natur Natur sein. Dort greift der Mensch nicht mehr ein. Die Motorsäge schweigt. Die Naturentwicklungszone dagegen ist die Spielwiese für Waldarbeiter und Förster. Hier wird der Borkenkäfer bekämpft und der Fichten- in einen Buchenforst umgebaut (siehe Der Nationalpark Harz als Opfer der Förster).

„Naturentwicklungszone“ Kleines Sandtal

Den niedersächsischen Teil des Parks gibt es seit 1994, den sachsen-anhaltinischen bereits seit 1990. Trotzdem krebst die Naturdynamikzone auch 20 Jahre nach Nationalparkgründung bei nur 50 % der Fläche herum. Uwe Wegener, der ehemalige stellvertretende Leiter des sachsen-anhaltinischen Teils, gibt selbst zu: „Die Vergrößerung ging nur in kleinen Schritten vor sich.“ [Uwe Wegener: Landschaftsgliederung und Waldtypen im NP Harz (Sachsen-Anhalt), in: Nationalpark Harz (Hg.), Walddynamik und Waldumbau in den Entwicklungszonen von Nationalparks, Wernigerode 2007, S. 13]

 

1990199620012006
NP-Fläche (ha)5.8465.8468.8688.868
Naturdynamikzone (ha)1.2892.2112.9072.911
%22383333

Tabelle 1: Entwicklung der Naturdynamikzone im sachsen-anhaltinischen Nationalpark Hochharz (Quelle: a. a. O. und Nationalparkplan S. 50)

 

19942006
Naturdynamikzone (%)3246
Naturentwicklungszone (%)6653

Tabelle 2: Entwicklung der Dynamik- und Entwicklungszone im niedersächsischen Nationalpark Harz, Angaben in % (Quelle: Nationalparkplan, S. 50)

 

20062007200820092010201120122013
Naturdynamikzone (%)4141414141525252
Naturentwicklungszone (%)5858585858474747

Tabelle 3: Entwicklung der Dynamik- und Entwicklungszone im vereinigten Nationalpark ab 2006 (Quelle: Tätigkeitsberichte)

Ursprünglich wollte man 2014 bereits 62 statt 52 % der Fläche seiner natürlichen Dynamik überlassen [Meike Hullen: Landschaftsgliederung und Waldtypen im NP Harz (Niedersachsen), in: Walddynamik …, S. 18]. Aber: „Selbst wenn die Zielmarke von 30 Jahren bis zur Stilllegung von 75% der Fläche so nicht erreicht wird, das sollte kein Dogma sein“ (Uwe Wegener, a.a.O., S. 13).

„Naturentwicklungszone“ Kleines Sandtal

Gerne wirbt die Nationalparkverwaltung damit, man habe mit fast 13.000 ha die größte Naturdynamikzone Deutschlands. Die Verwaltung erwartet dafür Anerkennung und Respekt. Für Förster scheint es eine Art Selbstüberwindung zu sein, einfach nichts zu tun und die Natur laufen zu lassen. Für diese in ihren Augen besondere Leistung möchten sie gelobt werden.

Man kann es auch anders sehen: 11.500 ha gehören immer noch zur Entwicklungszone. Diese Fläche ist größer als der Nationalpark Eifel oder Schwarzwald oder Sächsische Schweiz. Sie ist doppelt so groß wie der Nationalpark Kellerwald-Edersee und dreimal so groß wie der Nationalpark Jasmund (vergleiche die Tabelle Nationalparke in Deutschland). Diese Entwicklungszone geben die Förster bis zum Jahr 2022 nicht her. Und selbst nach 2022 werden sie auf 25 % der Fläche – das entspricht 6.200 ha oder 62 km2keine natürliche Dynamik zulassen. Das ist mehr als die gesamte Fläche des Nationalparks Kellerwald.

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