Förstermärchen zum Waldumbau

Expertenworkshop zum Waldumbau

Über das Problem des Waldumbaus haben Experten vom 4.-5. Mai 2006 in Monschau (Eifel) diskutiert. Im Tagungsbericht heißt es zum Buchenvoranbau klipp und klar: „Von den TeilnehmerInnen der Fachtagung wurde überwiegend die Auffassung vertreten, in einem Nationalpark auf … aktive Einbringung (Unterpflanzung, Saat) nach Möglichkeit zu verzichten. … Auch vom Menschen durchgeführte Pflanzungen führen zu Strukturen, die die Natur selbst in dieser Form nicht realisieren würde. Zudem wurde von einigen TeilnehmerInnen die Notwendigkeit der aktiven Einbringung von Rotbuchen überhaupt … angezweifelt. Da die Rotbuche in der Eifel standörtlich günstige Verhältnisse vorfindet, gingen die meisten TeilnehmerInnen der Fachtagung davon aus, dass sich die instabilen Fichtenwälder langfristig auch ohne menschliches Zutun in stabilere Wälder mit wesentlichen Rotbuchenanteilen entwickeln werden.“ (Workshopbericht, S. 8 f., Hervorhebungen von mir)

 

Eine Seite später stellt der Bericht dann fest, dass für alle Teilnehmer „außer Frage“ steht, dass in den 500 m breiten Borkenkäferpufferzonen „die Anreicherung mit Laubbäumen durch Rotbuchenpflanzung … fortgesetzt werden“ soll (Workshopbericht, S. 9 f.). Über die Gründe, warum die Teilnehmer den eben noch abgelehnten Buchenvoranbau in den Pufferzonen akzeptieren, kann man nur mutmaßen: Vermutlich geht ihnen die Entwicklung ohne Voranbau nicht schnell genug.

 

Totholzmangel

Auch ein weiterer Widerspruch im Workshopbericht bleibt ungelöst. Auf S. 8 steht der schöne Satz: „Der Erhalt von Strukturen (z. B. Kronendach- und Borkenrauigkeit, Höhlen,Totholz) und damit die kontinuierliche Sicherung eines vielfältigen Habitatangebotes ist ein wesentliches Teilelement der Entwicklung naturnäherer Wälder“ (Hervorhebungen von mir). Und weiter auf S. 9: „Im Zeitrahmen der Entwicklung vom gleichaltrigen reinen Fichtenwald zu naturnäheren Wäldern wird zwischenzeitlich eine große Menge an Totholz entstehen. … Absterbende und abgestorbene Fichten und Bäume insgesamt sind dem Besucher als ein natürliches Entwicklungselement auf dem Weg zu naturnäheren Wäldern im Rahmen der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Umweltbildung zu vermitteln“ (Hervorhebungen von mir).

Leider klafft zwischen den schönen Worten und der Praxis von Förstern meist ein garstig breiter Graben. In den Pufferzonen ist die Totholzmenge sehr sehr niedrig. Das auf den Fotos oben zu sehende Totholz lag dort bereits vor Einrichtung des Nationalparks. Denn die Fichten werden jetzt bei Lichtungshieben und Borkenkäferbefall nicht etwa nur gefällt und entrindet – was für die Borkenkäferbekämpfung ausreichen würde -, sondern komplett aus der Zone entfernt und das Holz verkauft.*

Ich fasse zusammen: In den Pufferzonen entsteht ein strukturarmer Wald, den „die Natur selbst in dieser Form nicht realisieren würde“.

 

* Dasselbe gilt im übrigen für die Kahlschläge in Bachtälern: Die Fichten wurden komplett mit Kronenreisig und Nadeln geerntet. Viele Kahlschläge lagen nicht innerhalb der Pufferzone. Trotzdem musste der Borkenkäfer als Begründung für die Vollbaumernte herhalten.

 

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