Förstermärchen zum Waldumbau

„Ein gepflanzter Wald ist eine grüne Kolonne von Rollstuhlfahrern.“ (Peter Wohlleben)

 

Unnatürlicher Buchenvoranbau

Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

 

Methoden der Umbaus von Fichtenwäldern

Der Nationalpark Eifel hat ein Akzeptanzproblem: Deshalb werden seit 2011 „Was ist denn hier los?“-Schilder aufgestellt, deren Aufgabe es ist, über die „Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen aufzuklären“ und „Akzeptanz zu bilden“ (2011, S. 3). Eines dieser unsäglichen Schilder sieht so aus:

 

Buchenvoranbau ist die zweitschlechteste Methode, um den Umbau von Fichten- in Mischwälder zu beschleunigen. Die schlechteste Methode ist zweifelsohne der Kahlschlag mit anschließender Pflanzung von Buchensetzlingen. Diese Methode hat z. B. das LIFE+-Projekt bei der „Renaturierung“ des Perlenbachtals angewendet (siehe Verbissene Buchensetzlinge am kahlgeschlagenen Perlenbach).

Die beste Methode wäre die Naturverjüngung durch Samenbäume. Im Süden des Nationalparks gibt es zu wenige davon. Die zweitbeste Methode, die der Naturverjüngung aber sehr sehr nahe kommt, sind Saatkisten auf 2 m hohen Baumstümpfen, die mit Bucheckern gefüllt sind. Eichhörnchen und Eichelhäher verbuddeln die Samen im Boden als Wintervorrat. Ein einziger Eichelhäher vergräbt bis zu 10.000 Samen (siehe Peter Wohlleben, Mein Wald, S. 61). Dies scheidet auch aus, weil die Wildbestände in der Eifel zu hoch sind: „Lugen die Keimlinge dann aus dem Boden, machen sich Rehe und Hirsche darüber her“ (ebd., S. 60).

 

Deswegen pflanzen Elmar Falkenberg und Bernhard Dickmann, die Forstamtsleiter von Wahlerscheid und Dedenborn, bereits 50 cm hohe Setzlinge mit einem Wuchsvorsprung von 2-3 Jahren (2010, S.16). Peter Wohlleben listet 3 Probleme des Pflanzens auf:

  1. Die Wurzeln der Setzlinge sind in 20 cm Tiefe abgeschnitten (Fachbegriff „unterschnitten“) worden. „Der Wurzelschnitt hat in etwa dieselbe Auswirkung, als würde man Ihnen die Beine amputieren“ (ebd., S. 66).
  2. Bei der Pflanzung werden die Wurzeln gequetscht. Verbogene, verkrüppelte Wurzeln sind die Folge (ebd., S. 62). Förster sprechen von „Pflanzschock„. Die Bäume werden später von Stürmen leichter umgeworfen und vertrocknen in warmen Sommern.
  3. Die Beete der Baumschulen sind gedüngt. Die Bäume wachsen viel zu schnell. Im Schatten von Mutterbäumen dauert es manchmal 20 Jahre und läger, bis die Bäumchen 50 cm hoch sind. Das Holz der Setzlinge ist nicht widerstandsfähig: So ist es z. B. anfällig für Pilzbefall (ebd).

Wohlleben steht mit seiner Skepsis gegenüber Pflanzungen nicht allein: Auf der Webseite waldwissen.net finden Sie eine Fülle von Artikeln über damit verbundene Probleme, z. B.:

 

Wildverbiss an Setzlingen

Ein großes Problem der Pflanzungen ist, dass der Leittrieb von ungefähr 40 Prozent der Setzlinge von Rothirsch und Reh verbissen werden: Bei fast jedem zweiten Setzling ist also die für das Wachstum entscheidende Gipfelknospe abgebissen (2010, Grafik 3, S. 9). Die Folge ist ein deutlich vermindertes Höhenwachstum der verkrüppelten Bäumchen (ebd., Grafik 2).

Außerdem verhindert der Wildverbiss, dass sich Pionierbäume im Süden des Nationalparks ausbreiten. Obwohl „Bergahorn, Birke oder Eberesche … genug Raum“ (2004, S. 7) in den aufgelichteten Fichtenforsten haben, siedeln sie sich nicht an. Folge ist eine Monokultur – diesmal nicht aus Fichten, sondern aus Buchen.

 

Zeitbedarf für den Umbau

Das Schild weckt völlig unrealistische Hoffnungen, wie schnell der Wald umgebaut werden kann. Dass Jungbuchen bereits nach „ein bis zwei Jahrzehnten“ in Kronendachlücken hineinwachsen, ist ausgeschlossen. So schnell wachsen Buchen noch nicht einmal beim Schirmschlagverfahren.

Das Schild legt das Missverständnis nahe, dass bereits in 50 Jahren hier der „Urwald von morgen“ wächst.

 

Hinzu kommt, dass in jedem Leistungsbericht zwar lange Jubelberichte über die „Waldentwicklung“ stehen, diese aber nur sehr sehr langsam vorankommt: Die Gesamtfläche der Fichtenwälder im Nationalpark beträgt 3.300 ha. Unterpflanzt wurden davon von 2004 – 2013 nur 550 ha (Informationen, S. 2). Es wird also noch über 50 Jahre dauern, bis alle Fichtenwälder unterpflanzt sind (vergleiche die Karte Buchenpflanzung – Waldentwicklung Zone 1c).

 

Peter Wohlleben betont, dass man für die Umwandlung von Fichtenwäldern vor allem eines braucht: Geduld. In Urwäldern wachsen die Jungbuchen im Schatten der Mutterbäume ganz ganz langsam und bilden dabei „dichtes, zähes und biegsames Holz in ihren Stämmchen“ (Peter Wohlleben, Wald ohne Hüter, S. 12). In Wohllebens Wald in Hümmel steht im Schatten ihrer 200 Jahre alten und 40 m hohen Mutter eine 150 Jahre alte Buche, die erst 4 m hoch ist (ebd., S. 15)! Frühzeitige Lichtungshiebe in den Fichtenwäldern nehmen den jungen Buchen die „Stiefeltern“ und damit den Schatten weg. Die Buchen wachsen los wie „gedopte Mastschweine“ und bilden weite Jahresringe und bruch- und pilzanfälliges Holz aus. „Hast vertragen weder die Bäume noch der Boden. …Optimal wäre es, wenn die Stiefeltern noch 100 Jahre stehen bleiben würden“ (Peter Wohlleben, Mein Wald, S. 130). Es steht zu befürchten, dass sie bereits sehr viel früher dem Harvester zum Opfer fallen (siehe Fällen von Fichten im Dedenborner Wald).

 

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