Kahlschläge am Bergerbach

7. Kahlschläge in der Nähe des Bergerbachs

Der östliche Kermeter rund um den Mittelberg ist ein Epizentrum von Kahlschlägen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass Wanderer an jeder Ecke auf einen stoßen. Vielleicht ist das ja auch ein Grund, warum es im Nationalpark „viel zu wenige Übernachtungen gibt„, wie die Aachener Zeitung vom 20. Juni 2008 berichtet. Die folgende Karte zeigt die Waldverluste der Jahre 2000-2012 in roter Farbe.

Kermeter_KahlschlaegeWaldverluste von 2000-2012 im östlichen Kermeter (Quelle: Global Forest Change)

Die Ursache der meisten Waldverluste sind keine Windwürfe, sondern sogenannte „Waldentwicklungsmaßnahmen“ des Nationalparkforstamts. 3 davon stelle ich Ihnen im Folgenden vor.

 

Kahlschlag um Tümpel

Gleich zu Beginn der Wanderung stoßen Sie rechterhand auf einen Kahlschlag, der vermutlich dazu dient, den „Bruchwald“ um einen kleinen Tümpel zu renaturieren. Wie zum Hohn auf die Nationalparkförster kehren auf dem Schlag nicht „Erle, Birke & Co“ zurück, sondern die Fichte:

 

Kahlschlag von Douglasien

Wenn man auf der Wanderung nicht links zum Bergerbach abbiegt, sondern geradeaus weiter wandert, stößt man auf einen gut 1,5 ha großen Douglasienkahlschlag, auf dem sich mittlerweile ein Vorwald aus Birken und Kiefern etabliert hat (siehe Lageskizze). Nach dem Krieg hat das Forstamt Schleiden die Douglasie als Wunderbaum mit magischen Eigenschaften angepflanzt (siehe Douglasie – Neuer Star im Ruhrgebiet). Zwei Förstergenerationen später entdeckt dasselbe Forstamt, dass die Douglasie – Ooops! – ein „invasiver Neophyt“ ist und fällt sie wieder (vergleiche Die Douglasie aus naturschutzfachlicher Sicht). Dabei ersetzt man einen arten-, struktur- und totholzarmen und einschichtigen Altersklassenwald durch einen anderen arten-, struktur- und totholzarmen und einschichtigen Altersklassenwald. Und die Kiefer ist ebenso standortfremd und nicht-heimisch wie die Douglasie. Im Workshopbericht „Wald in Entwicklung“ wird sie 2006 von den versammelten Experten als „sehr konkurrenzschwach“ mit „geringem Ausbreitungspotential“ (Bericht, S. 12) eingestuft. Aha!

 

Kahlschlag im Fichten- und Kiefernwald

Am östlichen Ende der Rückegasse B befindet sich ein knapp 1 ha großer Kahlschlag in einem Fichten- und Kiefernwald (siehe Lageskizze). Warum das Nationalparkforstamt das gemacht hat, ist mir schleierhaft: kein Bach, kein Tümpel, nicht einmal eine Pfütze weit und breit. Vielleicht hatte ein Eifeler Sägewerk gerade einen Notstand bei Fichtenlangholz:

 

Um die am Rand verschonten Kiefern und Fichten, die einsam und verloren herumstehen, muss man sich nicht nur wegen Sonnenbrand ernsthaft Sorgen machen: Der nächste Orkan wird sie umwerfen. Als so genannter „Waldumbau“ macht diese Maßnahme keinen Sinn: Die nächste Generation kleiner junger Fichten steht am Waldboden schon in den Startlöchern. Und: Die Rehe äsen gern auf dem Kahlschlag, wie ihre Spuren im Waldboden beweisen.

 

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