Kahlschläge am Wüstebach

4,2 Millionen € Subventionen

Das LIFE-Projekt „Wald-Wasser-Wildnis“ wird mit 4,2 Millionen € subventioniert: je zur Hälfte von der EU und vom nordrhein-westfälischen Umwelt-Ministerium. Diese Subventionierung von Kahlschlägen mit Steuermitteln ist bizarr. Denn allein durch den Verkauf der beim Projekt anfallenden 7.382 m3 Fichtenholz im Jahr 2012 entstehen dem Nationalparkforstamt Einnahmen von rund  370.000 € – wenn man konservativ 50 € Reinerlös pro m3 Fichtenholz rechnet.

 

Geldsegen für Planungsbüros und Bauunternehmen

Profiteure des Geldsegens aus Brüssel und Düsseldorf sind vor allem lokale Planungsbüros wie die Ingenieursgesellschaft Gotthard & Knipper sowie Bauunternehmen wie die Firma Balter (siehe „Arbeiten legten Schlackestücke frei„, KStA vom 5.9.2012). Auf der Dreiborner Hochfläche wurden Rohre und „gewaltige Dämme“ entfernt, Brücken gebaut und „mit schwerem Gerät“  30.000 m3 Erdreich – entsprechend „2.000 LKW-Ladungen“ – bewegt (siehe „30-Meter-Brücke über den Helingsbach„, KR vom 12.6.2013 und „Neue Brücke über den Helingsbach„, KStA vom 12.6.2013). Dabei werden dann auch schon mal kontaminierte Altlasten aus der Metallindustrie großflächig verteilt.

Wiederum läßt das Nationalparkforstamt die Natur nicht in Ruhe. Offensichtlich muss der Mensch gezwungen werden, sich von der Natur fernzuhalten: In der 3.000 km2 großen Sperrzone von Tschernobyl haben Biber innerhalb weniger Jahre die Entwässerungen durch Zehntausende Kilometer Entwässerungskanäle rückgängig gemacht und die ehemalige Getreidekammer der Sowjetunion wieder in eine Sumpflandschaft verwandelt (siehe die phantastische Dokumentation „Radioaktive Wölfe“ von Klaus Feichtenberger ab Minute 12:30). Warum soll das im Nationalpark Eifel nicht möglich sein?

Auf der Homepage des Nationalparks können Sie sich Fotos ansehen, wie dieser industriefreundliche Naturschutz mit schwerem Gerät aussieht. So zeigt z. B. Bild 4 der Pressemitteilung „Panzerüberfahrt im Nationalpark Eifel renaturiert“ vom 12. Juni 2013, wie sich 4 Hauptverantwortliche des LIFE+-Projekts „über den Abschluss der Bauarbeiten am Helingsbach freuen“:

  • Bettina Krebs (Projektleiterin),
  • Henning Walter (Leiter des Nationalparkforstamts),
  • Markus Vollmer (Leiter des Forstreviers Vogelsang) und
  • Marietta Schmitz, verantwortlich für die Gewässermaßnahmen und „ökologische Bauleitung“ (sic!).

 

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Biologen

LIFE-Projekte sind aber auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Biologische Stationen in der Region: So sind bei der Biologischen Station Aachen, neben dem Nationalparkforstamt einem der Projektträger, 3 Mitarbeiterinnen ausschließlich mit dem Projekt im Nationalpark beschäftigt: Bettina Krebs, Marietta Schmitz und Anika Poetschke. Die Aachener haben Erfahrungen mit LIFE-Projekten: Neben der Biologischen Station Euskirchen waren sie Träger des mittlerweile beendeten Projekts „Lebendige Bäche in der Eifel„. Das von 2003 – 2009 laufende Projekt war eine gigantische Fichtenwaldvernichtungsmaschine: sage-und-schreibe 90 ha Fichtenwälder – entsprechend 150 Fußballfeldern – wurden „abgeholzt“ (Projektbericht, S. 7, siehe auch meine ausführliche Kritik dieses Projekts unter „Perlenbach- und Fuhrtsbachtal„).

Zwei weitere Mitarbeiter der Aachener Station arbeiten bei einem weiteren LIFE-Projekt, dem Rur-und-Kall-Projekt mit: Cornelia Zimmermann und Dr. Bernhard Theißen. Auch dabei werden wie selbstverständlich 8 ha standortfremde Fichtenwälder kahlgeschlagen. Zum Rur-und-Kall-Projektteam gehören auch 4 Mitarbeiterinnen des Biologischen Station Düren: Astrid Uhlisch, Alexandra Schieweling, Marita Hartmann und Ilse Stollenwerk. Diese 9 Mitarbeiter – zumal wenn sie Biologie studiert haben  – könnten natürlich wissen, dass Kahlschläge für den Wald der „ökologische GAU“ (Wilhelm Bode) sind, aber: „Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er dafür bezahlt wird, es nicht zu verstehen.“ (Upton Sinclair)

Auch beim LIFE-Projekt „Bachtäler im Arnsberger Wald“ spielt eine Biologische Station mit 13 Mitarbeitern, nämlich die der Lohner Mühle, eine tragende Rolle.

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