Fällen von Douglasien in Pafferscheid

Zone 1c: Künstlich mehr Natur schaffen

Der Holzeinschlag liegt mitten in der Zone 1c. Laut Nationalparkverordnung § 2 (3) ist die Zone 1 die sogenannte Prozessschutzzone, also die Zone, in der gilt „Natur Natur sein lassen“. Eingriffe sind nicht erlaubt. Das gilt aber nur für die Zone 1a. In Zone 1b wird der Wald von Förstern „umgebaut“ und erst dann in den Prozessschutz „entlassen“. Das Wort „entlassen“ erinnert nicht von ungefähr an Gefängnis. Der „Umbau“ kann bis zu 30 Jahre dauern und ist eine ideale Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Förster. Ebenso wie die Zone 1c. Denn dort wird es noch viel länger dauern: „Ein Umbau innerhalb der nächsten 30 Jahre wird voraussichtlich nicht möglich sein; die Entlassung in den Prozessschutz bleibt erklärtes Ziel.“

ZoneFläche in ha
1a4.122
1b4.030
1c1.310

Zahlen aus: Komitee-Bericht zur Evaluierung des Nationalparks Eifel, Berlin 2010, S. 23

Hinzu kommt noch die Zone 2, die „Managementzone“, mit 1.418 ha. Es handelt sich um „Offenlandflächen, die der regelmäßigen Pflege bedürfen“. Zone 1c liegt im Süden des Nationalparks und umfasst die Gebiete Hollerscheid, Pafferscheid und Wahlerscheid. In dem Kartenausschnitt ist die Zone hellgrün. Zone 1 b ist mittelgrün und Zone 1a ist dunkelgrün. Man beachte die Größe der Gebiete, die die Förster „umbauen“ wollen:

Zone_1cQuelle: Anlagen zum Nationalparkplan, S. 3

In Zone 1c wachsen hauptsächlich Fichtenwälder – in dem Kartenausschnitt unten blau eingefärbt:

FichteQuelle: Anlagen zum Nationalparkplan, S. 2

Diese sind für einen Nationalpark überhaupt nicht geeignet. Nach der Einteilung von Wolfgang Scherzinger handelt es sich um Forste, die durch standortfremde (Fichte) und  fremdländische Baumarten (Douglasie) geprägt sind „ohne Bestands-Persistenz“, die durch „Aufforstung nutzungsbedingt entwaldeter Flächen hervorgegangen“ sind (Wolfgang Scherzinger, Schutz der Wildnis – ein gewichtiger Beitrag zur Landeskultur, S. 19). Die Artenausstattung ist „verzerrt durch die … Einbringung von Neophyten (… Douglasie …)“. Es gibt weder „mächtiges Tot- und Lagerholz“, noch „massige Uraltbäume“, noch „artenreiche Naturverjüngung in gestaffelten Altersklassen“. Der Gesamteindruck der Fichtenwälder ist alles andere als „urig“ und „wild“. Außerdem sind sie durch „anthropogene Strukturen“ belastet: Es gibt „Straßen mit massiven Fundamenten“, Forstwege, Rückegassen, Holzlagerplätze, Jagdsteige und Stromleitungen.

Wer zum Teufel, möchte man ausrufen, ist auf die Idee gekommen, diese Wälder in einen Nationalpark aufzunehmen? Es gibt 3 Antworten:

  1. Die Zone war notwendig, weil man sonst die Mindestgröße für einen Nationalpark von 10.000 ha nicht erreicht hätte.
  2. Förster können ohne Spielwiese für ihre Harvester nicht leben.
  3. Mit dem Holz aus dieser Zone hat die nordrhein-westfälische Landesregierung die Eifeler Holz- und Sägeindustrie ruhig gestellt, die sonst Front gegen den Nationalpark gemacht hätte.

Die Ideologie, die hinter der fixen Idee des „Umbaus“ von Fichtenwäldern in Zone 1c steckt, beschreibt Hans Bibelriether, erster Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald:

„Es ist zwingend notwendig, vom Menschen veränderte Wälder durch aktive forstliche Pflegeeingriffe mit der Zeit wieder in naturnähere Waldbestände oder Naturwälder zurückzuführen. Geschieht dies nicht, wächst die Gefahr, dass die Waldbestände im Nationalpark eines Tages großflächig zusammenbrechen. Zum Schlagwort verdichtet lautet das Konzept: ‚Künstlich mehr Natur schaffen!‚“ 1

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  1. Hans Bibelriether, Wald und Naturschutz, in: Horst Stern (Hg.), Rettet den Wald, München 1979, S. 337 []