Über die Verachtung des Massentourismus

Die Belanglosigkeit der Kritik am Tourismus

Am Ende stellt sich die Frage: Was tun? D’Eramo wählt eine sehr überraschende Antwort:

„Sobald man jedoch festgestellt hat, dass der Tourismus nicht die beste der möglichen Reisen ist, bekommt man Lust, diesen so harsch kritisierten Begriff ein bisschen zu verteidigen.“1

Zur Verteidigung benutzt d’Eramo zwei beinahe rhetorische Fragen:

  1. „Wie soll man es in einer von kommerziellen Tauschbeziehungen beherrschten Gesellschaft anstellen, eine nicht kommerzialisierte Freizeit zu haben? Oder vielmehr: Kann man in einer kapitalistischen Gesellschaft realistischerweise einen nichtkapitalistischen Gebrauch von der Zeit machen?“2
  2. „Wenn die terrestrischen Zweibeiner ihre Freizeit nicht in den Tourismus investieren würden, in welch andere Beschäftigung, die ihnen einen höheren Ertrag brächte (sie entsprechend glücklicher machte) sollen sie sie dann investieren?“3

zu 1.

Die Antwort lautet natürlich: Nein! Schon zuvor hatte d’Eramo aufgezeigt, wie absurd es ist, dem Tourismus eine „Kommerzialisierung des Schönen“ vorzuwerfen. Denn es ist eine „Binsenwahrheit“, dass alles in unserer Gesellschaft dem Kommerz dient:

„Ohne den Schatten eines Zweifels sind die kapitalistischen Produktionsbedingungen integraler Bestandteil unserer ‚Freizeit‘, genauso wie sie integraler Bestandteil des Tourismus sind.“4

Um die Kommerzialisierung zu beenden, müsste man also den Kapitalismus abschaffen. Dazu d’Eramo:

„Wenn wir jedoch all das, was seine Kritiker dem Tourismus vorgeworfen haben, erst korrigieren können, wenn der Weltkapitalismus abgeschafft worden ist, dann gute Nacht.“5

zu 2:

Die zweite Frage beantwortet d’Eramo mit einer Gegenfrage:

„Zu Hause Puzzles legen oder auf dem Ergometer Fahrrad fahren?“6

Und er fährt fort:

„Sobald man nach den Alternativen fragt, zeigt sich die Belanglosigkeit und Oberflächlichkeit der Kritik am Tourismus mit unwiderleglicher Evidenz. Wer wäre jemals in der Lage, Milliarden von Menschen eine alternative Verwendung ihrer Freizeit anzubieten?“7

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  1. d’Eramo, S. 232, Hervorhebungen von F.-J. A. []
  2. d’Eramo, S. 233 []
  3. d’Eramo, S. 234 []
  4. Britton, Tourism, capital and place, zit. n. d’Eramo, S. 193, Hervorhebungen von F.-J. A. []
  5. d’Eramo, S. 233 []
  6. d’Eramo, S. 234 []
  7. ebd., Hervorhebungen von F.-J. A. []