Riesenkahlschlag am Ruckwiesberg

„Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“
Matthäus 7,15-16

 

GEO-Leserbriefe – Teil 5

Vier Leserbriefe verteidigen Karl-Friedrich Sinner und reden sich dabei um Kopf um Kragen:

 

Wolfgang Bäuml, 94568 St. Oswald:

Seit GEO existiert, habe ich GEO abonniert, „denn GEO ist Klasse!“
Ich bin seit über 15 Jahren Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung und deshalb besonders erschüttert, wie vordergründig, falsch, ja böswillig dieses Mal über den Nationalpark und den neuen Leiter der Nationalparkverwaltung berichtet wird.
Es ist aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich, alles Holz auf einer Käferfläche zu belassen. Die Arbeitssicherheit wäre nicht mehr gewährleistet. Wenn schon im Zuge der Käferbekämpfung Holz anfällt, warum soll es nicht verkauft werden?
Es wird nur dann Buchenholz aufgearbeitet, wenn Buchen bei der Fällung von Käfer-Fichten mit umgerissen werden und bei der Aufarbeitung über Gebühr behindern.
Der Nationalparkbewegung erweisen Sie mit solcher Presse einen „Bärendienst!“

Wolfgang Bäuml ist heute Leiter des Waldgeschichtlichen Museums in St. Oswald. Er redet in Rätseln: Warum soll es ausgerechnet aus „arbeitstechnischen Gründen“ nicht möglich sein soll, das Sturmholz einfach liegen zu lassen? Welche „Arbeitssicherheit“ wäre gefährdet, wenn man dem kleinen Käfer statt ihn zu bekämpfen beim Fressen zusähe? Die Frage nach dem Holzverkauf ist falsch gestellt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Das Holz fällt nur deswegen an, weil es verkauft werden soll.

 

Ulrich Wotschikowsky, 82487 Oberammergau:

Natürlich wird bei GEO gründlich recherchiert, und man kennt die Fakten. Deshalb wundere ich mich sehr darüber, wie schräg man das Geschehen im Nationalpark Bayerischer Wald von Hamburg aus interpretieren kann. Aber das liegt nicht an der Entfernung, sondern an der Absicht. GEO verschweigt dem Leser die wichtigsten Informationen: nämlich, dass die Kernzonen des Parks nach wie vor nicht angerührt werden! GEO will den Leser glauben machen, der neue Nationalpark-Chef Karl Friedrich Sinner fuhrwerke wie ein Berserker durch die internationalen Empfehlungen. Das ist nachweisbar falsch.

So weit ist es gekommen, dass Wotschikowsky meint lobend erwähnen zu müssen, dass Sinner nicht in den Kernzonen holzt.

 

Klaus Steffan, 90473 Nürnberg

Mich schmerzt die Entwicklung im Bayerischen Wald sehr. Ich kenne Herrn Sinner aus seiner Tätigkeit im Nürnberger Reichswald. Hier hat er in vorbildlicher Weise den Weg zur naturverträglichen Waldbewirtschaftung geöffnet und mit persönlichem Einsatz gegen die Flächenansprüche der Politiker verteidigt – im Gegensatz zu vielen im vorauseilenden Gehorsam befangenen Kollegen.
Dass ein Mann mit derart ausgeprägtem Sinn für Natur und Umweltschutz sich zu den dramatischen Eingriffen in den Nationalpark gezwungen sieht, zeigt die Schwere der Problematik, die nicht mit dem Einschlagen auf eine Person gelöst werden kann.

Genau deswegen wurde Sinner von den Bayerischen Staatsforsten im Nationalpark als Leiter implementiert: Sein Ruf war gut. Noch 2014 wurde ihm vom Chef des Bundes für Naturschutz Hubert Weiger die Reichswaldmedaille für „seine Verdienste beim Umbau des Reichswaldes“ verliehen. Ein so untadeliger Forstmann kann zu „dramatischen Eingriffen“ nur „von der Schwere der Problematik“ gegen seinen Willen „gezwungen“ worden sein. Dabei hat der Beamte Sinner einfach nur gehorcht – und zwar vorauseilend.
Eine ähnliche Strategie verfolgen die Bayerischen Staatsforsten derzeit im Steigerwald: Der Leiter des Forstamts Ebrach Ulrich Mergner ist einer der Hauptgegner des Nationalparks Steigerwald. Gleichzeitig ist er Sprecher des Arbeitskreises Wald beim BUND. Auch Mergner arbeitet ähnlich wie Singer bei der Arbeitsgemeinschaft für naturgemäße Waldwirtschaft mit und schreibt in deren Vereinszeitung wunderbare Aufsätze über den Waldartenschutz.1 Das führt unweigerlich zu Beißhemmungen bei Naturschützern.

 

Der Personalrat, Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, 94481 Grafenau

Die Rechtsverordnung für den Nationalpark aus dem Jahr 1992 legte zum Schutz der angrenzenden Wälder eine 500 Meter breite Randzone fest, in der Forstschutzmaßnahmen durchzuführen sind. Wenn hier in den Folgejahren kaum Holz angefallen war, so lag das daran, dass die Borkenkäfer zunächst kein Problem darstellten. Die massenhafte Vermehrung dieser Insekten seit 1996 hat den Holzanfall in jener Eingriffszone stark erhöht.
Wirksame Bekämpfung des Borkenkäfers in der Randzone ist unser fachlicher und politischer Auftrag. Sie ist derzeit nur möglich, wenn das befallene Holz unverzüglich abtransportiert wird. Das gesamte Personal der Nationalparkverwaltung wird sich auch weiterhin an die rechtlichen Vorgaben und an die einvernehmlich festgelegten Grundsätze, Regeln und Pläne halten. Wir halten es nicht für zielführend, wenn unsere gemeinsame schwierige Aufgabe der Schadensabwehr gegenüber angrenzenden Privatwäldern in persönliche Angriffe auf den Leiter der Nationalparkverwaltung umgemünzt wird.

In diesem Text werden bereits alle sprachlichen Leerformeln benutzt, die in den nächsten Jahren bis zum Erbrechen wiederholt werden sollten: „Rechtsverordnung“, „rechtliche Vorgaben“, „politischer Auftrag“, „einvernehmlich festgelegte Grundsätze, Regeln und Pläne“, „gemeinsame schwierige Aufgabe“, „Schadensabwehr“. Nichts davon hat mit den natürlichen Prozessen eines Bergfichtenwaldes zu tun.

 

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Zwei Panoramafotos der Kahlschläge

  1. Ulrich Mergner, ANW sollte beim Waldartenschutz Vorreiter sein, Der Dauerwald – Zeitschrift für naturgemäße Waldwirtschaft, Heft 8, August 2013, S. 16-23 []