Riesenkahlschlag am Ruckwiesberg

„Ich habe Ähnliches in Deutschland noch nicht gesehen.“
Lothar Hopfner, Leserbrief an die Zeitschrift GEO im März 1999

 

GEO-Leserbriefe – Teil 3

 

Lothar Hopfner, Oberamtsrat a. D. 94518 Spiegelau

Von 1962 an war ich in den Wäldern am Rachel als Revierleiter forstlich tätig. Im Nationalpark mit Sonderaufgaben betraut, übernahm ich 1983, bis zu meiner Pensionierung 1996, die Leitung der Nationalpark-Wacht. Ich kenne also den Alt-Nationalpark Bayerischer Wald sehr gut – er ist ein Teil meines Lebens.
Nun muss ich zusehen, wie der erste deutsche Nationalpark Kahlfläche um Kahlfläche einem populistischen Schmusekurs zum Opfer fällt. Ich bin erschüttert, wie herz- und gefühllos so mancher meiner Forstkollegen mit über hundert Jahre alten Bäumen umspringt – viele davon habe ich lange gegen die Motorsäge verteidigt. Ich habe Ähnliches in Deutschland noch nicht gesehen.
Die in GEO erhobenen Vorwürfe und Kritiken entsprechen den Tatsachen. Sehr viel davon habe ich auf meinen häufigen Wanderungen im Nationalpark gesehen. Es stimmt, dass vierachsige schwere Hackmaschinen auf vielen größeren Bekämpfungsflächen, auch im sumpfigen Gelände, herumfuhren; dass Stammholz in Längen bis zu 20 Meter ausgerückt wurde mit schweren Verletzungen an gesunden Bäumen; dass Buchen, an die ohnehin kein Borkenkäfer geht, zu Brennholz zerschnitten und verräumt wurden; dass der seitliche Bewuchs an Straßen stellenweise zerhäckselt wurde; dass bei Neuhütte rund 21 Fichten gefällt und beim Ausrücken 17 Fichten verletzt wurden; dass zwar am Rande, aber im Kerngebiet rund 15 Fichten gefällt und verkauft wurden; dass unbefestigte Rückegassen zuerst in Grund und Boden gefahren und dann aufgeschottert wurden – zum Beispiel Klosterfilz (Kerngebiet); dass … hier breche ich die Aufzählung ab. Jedermann kann dies alles vor Ort und auf meinen Fotos begutachten. Fotos, die haargenau das zeigen, was Herr Sinner, der neue Nationalpark-Leiter tut und für richtig hält. Sind das alles Falschmeldungen?
Warum wurde die Öffentlichkeit nicht über das wahre Ausmaß der Käferbekämpfung informiert? Warum nicht die verantwortlichen Politiker in München?
Aus den letzten Monaten: Novemberstürme haben im Kerngebiet Klosterfilz vier oder fünf Fichten umgeworfen. Sie wurden am 4. Dezember 1998 aufgearbeitet und mit schwersten Schäden an Wurzeln und Boden unsachgemäß und brutal ausgerückt. Und das im Jahre 28 nach der Nationalparkgründung!
Das nationale und internationale Ansehen des Nationalparks ist gefährdet. Laut Grafenauer Anzeiger vom April 1998 meint zwar der neue Nationalpark-Leiter, allein vom Europa-Diplom und von internationalen Auszeichnungen könne die Nationalpark-Akzeptanz nicht leben. Also will er eine „Mogelpackung“ verwalten? Genau das will aber der bayerische Ministerpräsident erklärtermaßen unter keinen Umständen. Und alle, die um den Fortbestand eines echten Nationalparks Angst haben, wollen das auch nicht!

 

Georg Himmer, Forstoberamtsrat i. R., 67663 Kaiserslautern

Endlich ist er da, der starke Mann mit dem Namen Sinner, der wieder Ordnung schafft im Nationalpark-Chaos. Es scheint ihm nicht nur darum zu gehen, den Borkenkäfer in den Griff zu bekommen, er will im Nationalpark ganz einfach wieder Holz einschlagen, was das unsinnige Fällen von starken Buchen eindeutig beweist. Er hat sich und sein Tun unglaubwürdig gemacht und ist im Nationalpark fehl am Platze.

 

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