Riesenkahlschlag am Ruckwiesberg

„Der Neue im Grafenauer Amt zeigt dem Nationalpark-Wald, was eine deutsche Harke ist. Kaum war der Alte weg, da folgten Kahlschlagschneisen, Holzauktion.“
Gerhard Trommer, Leserbrief an die Zeitschrift GEO im März 1999

 

GEO-Leserbriefe – Teil 2

 

Prof. Dr. Gerhard Trommer, Institut für Didaktik der Biologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität, 60487 Frankfurt

Neue Besen kehren gut. Der Neue im Grafenauer Amt zeigt dem Nationalpark-Wald, was eine deutsche Harke ist. Kaum war der Alte weg, da folgten Kahlschlagschneisen, Holzauktion. Das wohl einzigartige größere Waldexperiment in Mitteleuropa, seit 25 Jahren weltweit beachtet und bewundert, ein Stückchen Yellowstone Park in Deutschland – ist das vorbei? Man kann doch nicht im Ernst die Öffentlichkeit glauben machen, es gehe um den Schutz der paar Privatbäume vor „Ips“, dem Borkenkäfer. Nach diesem nassen Sommer?
Der junge, schon sichtbare Wald wurde mit niedergewalzt. Fehlt also eine Nachpflanzung. Vielleicht ein Forstgarten-Nationalpark, der die Ordnung im Wald wiederherstellt? „German firewoods, like bataillons drilled…“, hieß es einst in einem amerikanischen Song speziell über Deutschland. Nun Welt, schau her und erkenne uns wieder!

 

Dr. Hans Dieter Knapp, 18581 Kasnevitz

Der Beitrag hat mich sehr betroffen gemacht; denn die „Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung“ im Nationalpark Bayerischer Wald sind so unglaublich wie ungeheuerlich. Ich kenne den Nationalpark Bayerischer Wald und dessen vormaligen Leiter Hans Bibelriether seit 1990 und bin als Ökologe immer wieder tief beeindruckt von der Regenerationskraft sich selbst überlassener Natur.
Vor diesem Hintergrund ist es völlig unbegreiflich, wie der Nationalpark misshandelt und in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen wird. Dies ist nicht nur verhängnisvoll für den Bayerischen Wald. Es schadet auch den übrigen Nationalparks in Deutschland und dem internationalen Ansehen der Bundesrepublik.
Denn der Bayerische Wald galt als Vorreiter der Nationalparkidee in Deutschland. Dies alles wird jetzt durch Motorsägen, Häckselmaschinen und Rückefahrzeuge in Frage gestellt. Kahlschläge und Raupenschlepper haben im Nationalpark nichts zu suchen. Holzeinschlag, Wegeausbau und auch Aufforstung im Nationalpark sind ein Sakrileg.
Wenn das in GEO dargestellte Vorgehen den Tatsachen entspricht, dann hätte die Forstverwaltung sich als zuständige Behörde für den Nationalpark selber den Streckschuss verpasst und sich für die Betreuung des Nationalparks disqualifiziert.

 

Dr. Angelika Zahrnt, Vorsitzende des BUND, 53225 Bonn

Die brutale Bekämpfung des Borkenkäfers im Bayerischen Wald untergräbt die Schutzziele des Parks und dessen internationalen Status, der auf mindestens 75 Prozent der Parkfläche Eingriffe und Nutzungen ausschließt. Weder hätte die Bekämpfungszone mit Kahlschlägen von 500 auf durchschnittlich 1.000 Meter ausgedehnt werden dürfen, noch ist hinnehmbar, dass der neue Nationalpark-Direktor Karl Friedrich Sinner allein 1998 weit über 30.000 Kubikmeter Holz mit schweren Folgeschäden meist als Langholz aus dem Wald hat herausholen und (Originalton) „durchaus lohnend“ verkaufen lassen.
Berechtigten Privatinteressen hätten anders als durch derart rabiate Holzereien Genüge getan werden können. Dass um kleine Orte im Park einiger Dutzend Fichten wegen im Privatbesitz Tausende von Nationalparkfichten vorsorglich gefällt worden sind, entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit.

 

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