Riesenkahlschlag am Rindelloch

„Ich zögere, eine Definition dessen zu geben, was das wahre Erlebnis der unberührten Natur ist – wie Musik und Kunst kann man die unberührte Natur nur aus sich selbst definieren; je weniger man darüber ‚redet‘ desto besser …“
Ansel Adams 1

 

Der nicht geräumte Windwurf am Lackenberg

Nach dem Orkan Kyrill wurde beschlossen, fünf große Windwurfflächen nicht aufzuarbeiten.2 Eine davon ist die ca. 40 ha große Fläche „F1: Lackenberg“. Sie liegt am Rindelsteig. Der Orkan verursachte „ein außerordentlich vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Kleinstandorte“.3

Das erste Foto zeigt zahlreiche aufgeklappte Wurzelteller, die Kyrill aus dem Boden gehebelt hat. Der Mineralboden auf den Wurzeltellern ist freigelegt:

 

Der „Verhau aus aufgeklappten Wurzeltellern, umgeknickten oder umgeworfenen Stämmen und ineinander verkeilten Kronen“4 schützt die jungen Bäumchen wirksam vor Wildverbiss durch Rehe und Hirsche. Während auf den geräumten Flächen nicht eine einzige Birke wächst, sind sie auf der nicht geräumten Fläche bereits mannshoch:

 

Der Wurzelteller bietet Schutz vor Wind und Sonne. Zwischen zwei Stämmen wächst direkt daneben eine junge Fichte:

 

Oben auf dem Wurzelteller wachsen vier junge Fichten:

 

Die neuen Bäume sind unterschiedlich alt und ungleichmäßig verteilt. Unterschiedliche Laub- und Nadelbäume sind gemischt: Neben Fichten wächst vorne links eine Kiefer. Hinten links wachsen Birken:

 

Jehl misst bei nicht geräumten Windwürfen auf 10 x 10 m großen Probequadraten bis zu 14 m3 stehendes Totholz. „Das Holz ist jedoch nicht gleichmäßig über die Fläche verteilt, auf einigen Probequadraten liegen lediglich 2 bis 3 m35 Dies trägt zur „Vielfalt der Kleinstandorte“6 bei: Es gibt lichte und schattige, nasse und trockene, windige und windstille Stellen. Solche mit Humus und solche, wo der mineralische Rohboden freigelegt wurde:

 

Junge Fichten keimen bevorzugt in dem chaotischen Wirrwarr aus umgeworfenen oder abgebrochenen Altfichten. Der dichte Grasfilz im Vordergrund behindert dagegen die Naturverjüngung:

 

Die geschützte Fläche des nicht geräumten Windwurfes reicht idiotischerweise nicht bis an den Forstweg des Rindelsteigs. So wurde selbst der schmale Zwischenraum zwischen Steig und Windwurf kahlgeschlagen:

 

Das letzte Foto zeigt eine mit Reisig bedeckte Rückegasse, die vom Rindelsteig bis zum Rand des Windwurfs führt. Links und rechts der Rückegasse breitet sich eine baumlose Steppe aus. Junge Fichten wachsen erst im Hintergrund, wo der nicht geräumte Windwurf beginnt.

 

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  1. Brief an Dr. Henry J. Vaux, 7. Oktober 1960, zit. n. Nationalpark 1/2001, S. 12 []
  2. siehe Die Entscheidung von Umweltminister Schnappauf vom 10. Mai 2007 []
  3. Hans Jehl, Die Waldentwicklung auf Windwurfflächen im Nationalpark Bayerischer Wald , in: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), 25 Jahre auf dem Weg zum Naturwald, Grafenau 1995, S. 124 []
  4. ebd. []
  5. a. a. O., S. 125 []
  6. ebd. []