Riesenkahlschlag am Rindelloch

„Kein Management – und tue es mit dem geringsten Aufwand nur das Allernötigste – kann funktionieren, ohne den Aspekt der Wildnis in Mitleidenschaft zu ziehen. Schon das Schlagen von Bäumen würde unvermeidlich die unvergleichliche Stimmung stören.“
Ansel Adams 1

 

Die leergeräumte Anhöhe am Bampferfleck

Auf einer der zahlreichen Rückegassen bin ich dann zum rund 1.200 m hohen Bampferfleck aufgestiegen. Der eigentliche Bampferfleck ist ein nur 0,5 ha kleiner Schachten. Um den Fleck herum steht keine einzige Altfichte mehr. So weit das Auge reicht ein ausgeräumter Holzacker. Und Rückegassen überall, überall Rückegassen. Kreuz und quer. Abstand 25 m. Je schlimmer die Bodenverwundung und -verdichtung, desto mehr quatscht man in Hochglanzbroschüren dummes Zeug von „bodenschonender Holzbringung“ mit Seilkränen, Rückepferden und Hubschraubern2.

 BampferfleckQuelle: Bayernatlas des bayerischen Geoportals

 

Die Gassen sind bedeckt mit dicken Reisigmatten. Reisigmattenfreund und Chef des Nationalparks Eifel, Henning Walter, hätte seine helle Freude daran. Denn Förster glauben, dass Reisigmatten das Gewicht der tonnenschweren Harvester und Rückeschlepper einfach wegzaubern.3

 

Das wenige Reisig, was nicht geräumt wurde und im Hackschnitzler gelandet ist, verrottet idiotischerweise da und setzt seine Nährstoffe dort frei, wo der Boden völlig zerstört ist.

 

Würde die Nationalparkverwaltung ihre eigenen Hochglanzbroschüren ernst nehmen, dürfte sie am Bampferfleck überhaupt nicht herumfahren: Der Boden dort ist sumpfig und morastig. Bei meiner Wanderung musste ich einige Male über kleine Bäche springen und versank mehrfach bis zu den Knöcheln im Matsch.

„Auf Sonderstandorten (Felspartien, Nassstandorte) ist Handentrindung und Liegenlassen des Holzes das Regelverfahren, um Schäden an Boden und Vegetation durch den Abtransport des Holzes zu vermeiden.“4

Der Bampferfleck ist eben eine Ausnahme vom „Regelverfahren“. Und überhaupt: Papier ist geduldig. Und um wohlfeile Worte ist man bei den Bayerischen Staatsforsten nie verlegen: „Durch das Räumen der Fläche erfolgt ein massiver Eingriff in die natürlichen Abläufe,“ gibt Forstoberrat Franz Baierl offen zu. Als Leiter des Sachgebiets „Wald- und Flächenmanagement“ ist er der oberste Borkenkäferbekämpfer. „Maßnahmen der Holzernte“ haben „negative Auswirkungen“.5 Nicht nur auf den empfindlichen Waldboden. Auch ein „bedeutender Teil der vorhandenen Naturverjüngung“ wird zerstört.6 Kahlgeschlagen wird trotzdem.

 

Die wenigen jungen Buchen sind total verbissen. „Der geräumte Windwurf bildet einen hervorragenden Einstand für Reh und Hirsch.“7 Egal! Schließlich müssen es ja keine Furnierbuchen werden, erklärte mir einmal freudestrahlend ein Holzfäller im Nationalpark Harz.

 

Umweltministerin Scharf wird sich trotzdem über die phantastische Naturverjüngung freuen: Die Verjüngung habe auch große positive Effekte für heimische Tierarten wie das Auerhuhn.“8 Und die Ödlandschrecke.

 

Selbst wenn am Bampferfleck 2.400 Jungfichten pro ha wachsen würden, macht dies den Kahlschlag keinen Deut besser. Das Ziel eines Nationalparks ist es, „Natur Natur sein zu lassen“, und nicht, für natürliche Verjüngung zu sorgen. Auf jedem Kartoffelacker wachsen tausende Jungfichten, wenn nebenan Altfichten stehen. Aber so ticken Förster: Erst prügeln sie den Wald grün und blau und dann erklären sie aufgebrachten Naturschützern, man solle sich doch gefälligst nicht so aufregen, in ein paar Jahren sehe das alles schon wieder prima aus: „Schauen Sie mal hier! Hier wachsen viele kleine junge Bäumchen! Schön, nicht wahr?“9

 

Originalton Frau Scharf: „Der Nationalpark ist ein Flaggschiff des Naturschutzes und hat große Bedeutung für den Artenschutz und die Wertschöpfung in der Region.“10 Vor allem für die Wertschöpfung der Holzindustrie.

 

Ein paar dünne Stangen dürfen als Karikatur von Totholz liegenbleiben. Den dicken Stamm der umgeworfenen Fichte haben die Förster abgesägt und verkauft.

 

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Drei Panoramafotos der Kahlhiebe

  1. Brief an Dr. Henry J. Vaux, 7. Oktober 1960, zit. n. Nationalpark 1/2001, S. 12 []
  2. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Waldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in den Jahren 2006 – 2011 – von Marco Heurich, Franz Baierl und Thorsten Zeppenfeld, Grafenau 2012, S. 17 []
  3. vergleiche Das Forstmärchen von den 1 Meter dicken Reisigmatten []
  4. Nationalparkplan Anlageband – Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, S. 15 []
  5. Waldentwicklung, Untertitel der Bilder 9 und 10, S. 14 f. []
  6. Hans Jehl, Die Waldentwicklung auf Windwurfflächen im Nationalpark Bayerischer Wald , in: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), 25 Jahre auf dem Weg zum Naturwald, Grafenau 1995, S. 141 []
  7. ebd. []
  8. Umweltministerin im Dauereinsatz []
  9. vergleiche Reinhart Hassel verspricht blühende Landschaften []
  10. Umweltministerin im Dauereinsatz []