Riesenkahlschlag am Rindelloch

„Entweder bekennen wir uns zu einer fast religiösen Verehrung der unverfälschten Natur, des urwüchsigen Landes, oder wir akzeptieren eine solche nicht. “
Ansel Adams 1

 

Satellitenbilder von der Verwüstung

Das Rindelloch ist ein großes Tal südwestlich des Lackenbergs. Der Rindelbach fließt hindurch. Im Süden bildet der Goldsteig, im Norden der Rindelsteig die Grenze. Das Gebiet gehört zur Entwicklungszone 2 b. Auf der aktuellen Karte der Zonierung ist das Rindelloch gut zu finden: Es ist der hellbraune Fleck über den Buchstaben „Falk“ des Wortes „Großer Falkenstein“. Der Rindelsteig in Norden markiert die Grenze zum Hochlagenwald der Zone 2 a. Diese ist gelb eingefärbt mit grauen Streifen.

Die Entwicklungszone 2 b soll eine „Schutzzone für den Hochlagenwald im Falkenstein-Rachel-Gebiet“2 bilden:

„In der Zone 2 b sind zum Schutz der Hochlagenwälder des Falkenstein-Rachel-Gebiets wirksame Borkenkäferbekämpfungsmaßnahmen zu ergreifen.“3

Der Borkenkäfer steht in der Zone nicht unter Schutz. Auch nicht der „möglichst ungestörte Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik“ (Bayerisches Naturschutzgesetz § 8, Absatz 1, Satz 3). Geschützt wird eine spießbürgerliche Vorstellung von einem schönen aufgeräumten Fichtenwald mit röhrendem Hirsch. Der Wald „als Gemütstempel und Liederhalle“.4

Das Rindelloch liegt in unmittelbarer Nähe von zwei nicht aufgearbeiteten Windwürfen: die ca. 40 ha große Fläche „F1: Lackenberg“ im Norden und die ca. 30 ha große Fläche „F2: Sandl“ im  Nordosten.5

Rindelloch KarteQuelle: Bayernatlas des bayerischen Geoportals mit eigenen Beschriftungen

 

Nach den Windwürfen durch den Orkan Kyrill am 19. Januar 2007 vermehrte sich der Borkenkäfer in den liegengelassenen Windwürfen massenhaft. 2007 waren 40 % des Sturmholzes befallen, 2008 bereits 100 %.6 2009 und 2010 befiel der Borkenkäfer die benachbarten Fichtenwälder in der 500 m breiten Bekämpfungszone.7 Die Hänge beiderseits des Rindelbachs wurden aus- und abgeräumt. Die kahlgeschlagene Fläche südlich des Rindelsteigs beträgt ungefähr 75 ha. Eine hochauflösende Satellitenaufnahme zeigt die Verheerung des zerfurchten Bodens im Rindelloch durch die unzähligen Rückegassen:

Rindelloch NahaufnahmeQuelle: Bayernatlas des bayerischen Geoportals, Überfliegungsdatum: 5.8.20138

 

Das Rindelloch ist Quellgebiet für zahlreiche kleinere und größere Bäche, die meisten davon ohne Namen. Fünf haben einen Namen: der Rindelbach mit seinen Zuflüssen Klingseisseige im Westen und Rindelseige im Osten, die Rindelfilzseige und die Klingseisfilzseige. Weite Teile des Gebiets sind sumpfig und morastig:

Rindelbach_KarteQuelle: Outdooractive

 

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  1. Brief an Dr. Henry J. Vaux, 7. Oktober 1960, zit. n. Nationalpark 1/2001, S. 12 []
  2. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Nationalparkplan Anlageband –  Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, Grafenau 2010, S. 9 []
  3. ebd. []
  4. Horst Stern, Der Bürger als Waldbesitzer – Ansichten eines inkompetenten Waldgängers, Rede vom 29.1.1976 während eines Kolloquiums über das Thema „Wald und Wild“ an der Universität Freiburg, Sonderbeilage zur Zeitschrift Nationalpark 2/1976 []
  5. Nationalparkverwaltung (Hg.), Waldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in den Jahren 2006 bis 2011 – Von Marco Heurich, Franz Baierl und Thorsten Zeppenfeld, Grafenau 2012, S. 15, Abb. 5 []
  6. Karl Friedrich Sinner in einer Pressemitteilung vom 18.12.2008 []
  7. siehe Waldentwicklung, Abb. 2, S. 10 f. []
  8. Daten des deutschen Geodatenzentrums []