Riesenkahlschlag am Hirschgespreng

„Wir haben eine zwingende Rechtsvorschrift, im Falkensteingebiet den Borkenkäfer bis zum Jahr 2027 zu bekämpfen.“
Nationalparkchef Sinner im Magazin quer im November 2009

 

Rechtliche Grundlagen für den Kahlhieb des Hirschgesprengs

Selbstverständlich wurde das Hirschgespreng nicht aus Jux und Tollerei entfichtet. In den Jahren 2009 und 2010 kam es dort zu einer explosionsartigen Massenvermehrung des Borkenkäfers1. Weil das Hirschgespreng in der sogenannten Entwicklungszone 2 a liegt, war die Nationalparkverwaltung laut Nationalparkverordnung § 14 (3) verpflichtet, „die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern“. Zur Zone 2 a schreibt der Anlageband zum Nationalparkplan „Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen“ aus dem Jahr 2010 auf Seite 8:

„In der Zone 2 a sind bis zum Jahr 2027 wirksame Borkenkä­ferbekämpfungsmaßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers auf die Wälder der Hochlagen zwischen Falkenstein und Rachel zu verhindern.“

Die Förster der Nationalparkverwaltung sind alles gesetzestreue Männer. Ihre Dienstpflicht als Beamte des Bayerischen Staates haben treu erfüllt:

Die Arbeit macht ihnen viel Spaß. Die Fotos auf der Homepage des Nationalparks zeigen sie alle vor Freude strahlend. Erfolgreich haben sie die Ausbreitung des Borkenkäfers verhindert, indem sie die von ihm befallenen Bäume gefällt haben.

Wie dienstbeflissen deutsche Förster arbeiten, lässt sich am Hirschgespreng beobachten: Genau dort verläuft nämlich die deutsch-tschechische Grenze. Und auf tschechischer Seite wurde die Ausbreitung des Borkenkäfers nicht verhindert. Tschechien beginnt dort, wo die abgestorbenen Fichten stehen:

 

Ein solcher Anblick ist den Besuchern des Nationalparks Bayerischer Wald nicht zumutbar. Deshalb heißt es in § 14 (2) der Nationalparkverordnung:

„Durch geeignete naturnahe Maßnahmen der Walderhaltung und Walderneuerung ist der Hochlagenwald in seiner Substanz zu erhalten und in seiner Funktion zu sichern.“

Natürlich ist die Borkenkäferbekämpfung auf deutscher Seite völlig sinnlos, wenn aus dem direkt benachbarten Tschechien Milliarden und Abermilliarden Borkenkäfer nach Deutschland einfliegen.

 

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  1. siehe Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Waldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in den Jahren 2006 bis 2011 – Von Marco Heurich, Franz Baierl und Thorsten Zeppenfeld, Grafenau 2012, Abbildung 2, S. 10 f. []