Da Woid is‘ unser Hoamatland – Zur Kritik am Heimatgefühl des Waldlers

„Wir wollen keinen grenzenlosen Urwald!“
(Leserbrief im Bayerwald-Boten vom 6. November 2014)

Schluss – Kleine Kinder

Es gibt in Bayern 1.017.672 ha Fichtenwälder.1 Im NLP Bayerischer Wald sind 6.000 ha Fichtenwälder vom Borkenkäfer gefressen worden.2 Das sind nicht einmal 0,6 % der Fichtenwälder Bayerns.

Die Waldler haben sich stets so angestellt, als ob die Wälder am Falkenstein, Rachel und Lusen die einzigen in ihrer unmittelbaren Umgebung wären. Aber wenn ein Zwieseler beim Anblick von toten Fichten am Lusen die Krätze kriegt, hat er jede Menge Alternativen: Er kann zum Hausberg von Zwiesel wandern, dem Hennenkobel. Apropos Hausberg! Er könnte auch zum Silberberg aufsteigen, dem Hausberg von Bodenmais. Wenn er ganz hoch hinaus will, kann er auf den König des Bayerischen Waldes kraxeln, den Großen Arber, den Hausberg von Bayerisch Eisenstein. Von dort könnte er auch die 1.000er Gipfel des Goldsteigs abwandern: den Kleinen Arber, den Ödriegel, den Großen Riedelstein usw. usw. Überall saubere, ordentlich aufgeräumte, von Förstern sorgfältig gepflegte und supergrüne Holzäcker – so weit das Auge reicht. Adalbert Stifter würde ausrasten vor Freude: „Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet.“!

Von Zwiesel aus sind es mit dem Auto 15 Minuten bis Bayerisch Eisenstein und 20 Minuten nach Bodenmais. Selbst nach Arrach, von wo aus man eine weitere Sensation des grünen Bayerischen Waldes, den Osser, erklimmen kann, sind es nur 45 Minuten. Aber die Waldler führen sich auf wie kleine Kinder: „Nein, ich will keine grünen Wälder am Osser! Ich will auch nicht zum Arber! Ich will grüne Wälder am Rachel!“ Und dann fangen sie an zu schreien.

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  1. siehe Dritte Bundeswaldinventur []
  2. siehe Waldentwicklung im NLP Bayerischer Wald 2006 – 2011, S. 4 []