Da Woid is‘ unser Hoamatland – Zur Kritik am Heimatgefühl des Waldlers

„Zu tief sitzen die Abneigung gegen den Nationalpark und die Enttäuschung der einheimischen Bevölkerung über die verantwortlichen Öko- und Polit-Enthusiasten, von denen sie sich verraten, belogen und betrogen fühlen.“
(Leserbrief im Grafenauer Anzeiger vom 2. Dezember 2014)

Heimatgefühl und Meinungsmache

Das Heimatgefühl des Waldlers ist weder angeboren noch fällt es vom Himmel. Das Bild des Waldes im Kopf des Waldlers wird von der Gesellschaft produziert. Müller selbst zitiert aus einem Aufsatz von Greider und Garkovich mit dem bezeichnenden Titel „Landschaften: die soziale Konstruktion von Natur und Umwelt“:

„[Landschaften] sind symbolische Umgebungen, die von menschlichen Akten erschaffen werden, die der Natur und der Umwelt Bedeutung verleihen und die der Umwelt eine Definition und eine Form aus einem bestimmten Blickwinkel geben und durch einen bestimmten Filter von Werten und Überzeugungen.“1

Leider geht Müller nicht auf die Rolle der Bayerischen Staatsforsten ein, die ihren Blickwinkel und ihren Filter von Werten und Überzeugungen in der Bevölkerung verbreitet haben. Auch die Rolle der Zeitungen Bayerwaldbote und Grafenauer Anzeiger analysiert Müller nicht. Mit Meinungsmache rechnet er nicht. Er würde das vermutlich als Verschwörungstheorie abtun. Bei ihm scheint der Waldler ein unabhängiges und eigenständiges Subjekt zu sein, das nicht von außen manipuliert wird. Das Idealbild von einem aufgeräumten grünen Wald ohne Totholz und Borkenkäfer hat sich der Waldler quasi selbst ausgedacht. Ich halte das für grundfalsch und habe das hier begründet.

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  1. Greider und Garkovich, Landscapes: the social construction of nature and the environment, Rural Sociol. 59, S. 1; zit. n. Martin Müller, a. a. O., S. 937, Hervorhebungen von mir []