Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach

„Naturschutz und Holzproduktion [sind] kein Widerspruch.“
Helmut Brunner in der Sitzung des Bayerischen Landtags vom 10.7.1997

Fotos vom Großkahlschlag

Das folgende Überfliegungsbild wurde am 5. August 2013 aufgenommen. Es zeigt die Lage des Kahlschlags 1 km nordöstlich von Spiegelhütte:

SpiegelhuetteQuelle: Bayernatlas

Mit „Standort“ ist der Ort markiert, von dem aus das folgende Panoramafoto aufgenommen wurde. Ich stehe vor der großen Linkskurve der Hechtleinfahrbahn und fotografiere in nordwestlicher Richtung. Im Vordergrund zeigen Binsen den verdichteten Boden des ehemaligen Holzlagerplatzes an. Mir stockte beim Anblick dieser Verwüstung der Atem:

Spiegelhuette_Kahlschlag_800

Das Panoramafoto oben ist 1,2 MB groß und die Auflösung beträgt nur 1.994 x 800 Pixel. Sie können sich das Elend auch in zwei höheren Auflösungen anschauen:

Schaut man vom selben Standort nach rechts, bietet sich das folgende Bild:

Zur Begründung für den Kahlschlag muss Sturm Meikel vom 13. Juli 2011 herhalten, der im Erweiterungsgebiet 231 ha Wald mit 106.000 Fm Holz umwarf.1 Der Jahresbericht 2011 spricht verharmlosend im besten Försterdeutsch von „Aufarbeitung“:

„Die geworfenen und gebrochenen Fichten wurden […] aufgearbeitet. Geworfene und gebrochene Buchen wurden grundsätzlich liegengelassen.“2

Man tut so, als ob das Liegenlassen der Buchen das Abholzen der Fichten irgendwie besser machen würde. Ganz davon ab, dass man aus einen Verhau von kreuz und quer liegenden Buchen und Fichten die Fichten nur dann herausreißen kann, wenn man die Buchen gleich mit zerstückelt und den Verhau zerstört. Nur an ganz wenigen Stellen ahnt man, wie der Windwurf ursprünglich einmal ausgesehen haben könnte:

Mit den Werkzeugen vom Bayernatlas lässt sich die Fläche des Kahlschlags ausmessen:

Kahlschlag_5_ha

Mit über 5 ha zählt er zu den Großkahlschlägen.3 Das Fiasko gerade in diesem Bereich des NLPs ist aber viel größer, wie ein Luftbild der Umgebung zeigt:

Spiegelhuette_UebersichtQuelle: Bayernatlas

Kreisförmig um diesen Großkahlschlag breiten sich die entwaldeten Zonen immer mehr aus und im Osten gehen sie nahtlos über in die Riesenkahlschläge am Fahnenbruch, Kiesruck, Hahnenbogen und Enzianfilz. Letztere sind die Folge des Abholzens der Kyrill-Windwürfe.4

Mit Hilfe alter Überfliegungsbilder von Google-Earth läßt sich die fortschreitende Waldzerstörung veranschaulichen. Das erste Überfliegungsbild stammt vom 1. Januar 2010, das zweite vom 22. Mai 2014:

Spiegelhuette_1_1_2010

Spiegelhuette_22_5_2014

Der Erweiterungsteil des NLPs schützt den Wald nicht, er vernichtet ihn.

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  1. zu den genauen Zahlen siehe Gfällei – vorprogrammierter Kahlschlag []
  2. S. 4 []
  3. siehe die Definition bei Waldbau und Forst []
  4. siehe meine Artikelserie Ultraviolence []