Urwaldrest Mittelsteighütte

Geschichte des Urwaldreservats

1914 erklärte die bayerische Staatsforstverwaltung die 38 ha Bergmischwald an der Mittelsteighütte zum „Schonbezirk“: Holzeinschlag und Jagd wurden verboten.

 

Schon seit 1761 wurde er als „Bannwald“ kaum genutzt.1 Ausgerechnet unter den Nazis wurde der Urwaldrest der Mittelsteighütte am 28. März 1939 zum Naturschutzgebiet erklärt.2

 

Seit dem 10. Juli 1997 gehört der Urwald zur Naturzone im Erweiterungsgebiets des NLP Bayerischer Wald.

Informationtafel zum Urwaldreservat Mittelsteighütte

 

Drollig ist der Hinweis unten rechts auf der Infotafel auf die 1.500 Käferarten, die auf Moder-Holz angewiesen sind: Von 1995 – 2013 hat die Nationalparkverwaltung 1.574.458 Festmeter Holz abgeräumt, das durch Borkenkäfer, Windwürfe und Schneebrüche entstanden war.3 Um diese Holzmenge zu transportieren, braucht man rund 31.500 40-Tonnen-Lastzüge. Aneinandergereiht haben diese eine Gesamtlänge von 590 km.4 Das Holz wurde nicht zum Vermodern im Wald belassen sondern verkauft. Dies hat Folgen:

„Die Menge an Totholz in den Teilen des Nationalparks, die von Sanitärhieben betroffen sind, ist um eine Größenordnung kleiner als in den nicht gemanagten Zonen und ähnelte den Mengen benachbarter Wirtschaftswälder (14 m3/ha […]).“5

Im Urwaldrelikt Mittelsteighütte werden dagegen Totholzmengen von im Durchschnitt über 200 m3/ha gemessen6

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  1. Hartwig Löfflmann, Urwaldbestand Mittelsteighütte im Forstamt Zwiesel, Diplomarbeit an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München 1988 []
  2. siehe den Wikipedia-Artikel zum Urwaldgebiet Mittelsteighütte []
  3. siehe Ultraviolence und Offizielle Zahlen zum Holzeinschlag []
  4. Grundannahmen für die Rechnung: 50 Fm = 40 t. Länge des Lastzugs = 18,75 m []
  5. Jörg Müller, Reed F. Noss, Heinz Bussler, Roland Brandl, Learning from a „benign neglect strategy“ in a national park: Response fo saproxylic beetles to dead wood accumulation, Biological Conservation 143 (2010), S. 2561 f.; zit. n. Heinz Bußler, Bark beetles – between pest species and ecosystem engineers, Marburg/Lahn 2011, S. 71; Hervorhebung und Übersetzung von F.-J. A. []
  6. ebd. []