Von Wüsten und Waldsteppen am Rachel

„Die Vielzahl der Arten, die gerade in den Flächen noch ohne Naturverjüngung leben, lehren uns aber, dass es wichtig ist, dass Baumreproduktion nach einem Fraßereignis nicht flächig, sondern teilweise über Jahrzehnte verzögert abläuft.“
Müller und Simonis1Wenn der Borkenkäfer geht, kommt der Gartenrotschwanz, Hervorhebungen von F.-J. A.

Einleitung

Dies ist ein weiterer Artikel, der aus meiner Beschäftigung mit dem Aufsatz „Gestörte Heimat“2Gestörte Heimat – Nationalparks zwischen Naturschutz, Tourismus und lokaler Akzeptanz, in: Naturschutz und Landschaftsplanung, 51 (04), 2019. Eine längere Fassung des Aufsatzes findet sich im Buch Berr K., Jenal C. (Hgg.), Landschaftskonflikte. RaumFragen: Stadt – Region – Landschaft. Springer VS, Wiesbaden 2019 und trägt den Titel: Gestört, aber grün: 30 Jahre Forschung zu Landschaftskonflikten im Nationalpark Bayerischer Wald. An diesem Aufsatz war auch der NLP-Chef Franz Leibl beteiligt. von Erik Aschenbrand und Thomas Michler (im Folgenden abgekürzt AuM) hervorgeht. Nach Sommerwanderung zum Rachel und Der Aufsatz „Gestörte Heimat“ und die Windkraft jetzt noch ein dritter Artikel. Zählt man auch Windpark im NLP Bayerischer Wald hinzu, ist es sogar der vierte, der ausgelöst wurde durch den oben genannten Aufsatz. Nun – es gibt solche Texte, die einen nicht loslassen und zu immer neuen Gedanken anregen. Jetzt also: Von Wüsten und Waldsteppen am Rachel.

Zugegeben: ein reißerischer Titel! Aber die starken Worte stammen nicht von mir, sondern von Jörg Müller, immerhin Vize-Chef des NLPs. Zusammen mit Rainer Simonis hat er 2011 den Aufsatz Wenn der Borkenkäfer geht, kommt der Gartenrotschwanz geschrieben. Bei AuM spielt dieser eine große Rolle. Schon in meinem ersten Artikel hatte ich mich durch Müllers Aussagen provoziert gefühlt und ich will im ersten Kapitel dieses Artikels mit neuen Ideen darauf zurückkommen.

Im zweiten und dritten Kapitel geht es noch einmal um die Touristen und wie diese den Rachel bewerten. Zum einen gebe ich AuM Recht: Ja, Touristen suchen den „grünen Märchenwald mit uralten Baumriesen“!3Gestörte Heimat, S. 163 Ich stimme AuM zu und im zweiten Kapitel mache ich diese Zustimmung fest am prominenten Beispiel eines bekannten professionellen Fotografen und den Motiven, die er für Waldfotografen empfiehlt.

Zum anderen gebe ich AuM Unrecht: Denn es gibt Touristen, die aus anderen Motiven in den NLP kommen. Wirklich aus ganz anderen Motiven, die beide Autoren überhaupt nicht auf dem Schirm haben! Touristen, die nicht den Märchenwald suchen, sondern das Außergewöhnliche, das Sensationelle, die Katastrophe. Also gerade die abgestorbenen Fichten, die Wüsten und die Waldsteppen. Und ich war bei meinem allerersten Besuch im NLP vor 10 Jahren einer dieser Katastrophentouristen.

Die Fotos in diesem Artikel entstanden alle im Juli 2019 beim Abstieg vom Rachel zum Rachelsee. Die Wüsten und Waldsteppen sind auf der östlichen Seite des Gipfels besonders deutlich. Am Schluss des Artikels können Sie sich ein Video dazu anschauen und sich selbst eine Meinung bilden.

Der Artikel ist also gegliedert in die folgenden Kapitel:

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