Tricksen, Tarnen, Täuschen

„Wer aber ungenutzte Natur sucht und dann Motorsägen hört …, wird je nach Engagement und Temperament mit stiller Enttäuschung oder lautstarkem Protest reagieren.“
Richard Plochmann1

 

Tricksen: Fehlende Vergleichsmöglichkeiten – das Beispiel der Entwicklungszone des Falkenstein-Rachel-Gebiets

Im 10.685 ha großen Falkenstein-Rachel-Gebiet betrug die eingeschlagene Holzmenge vor der Erweiterung des Nationalparks 35.000 – 45.000 Fm.2 Der Hiebsatz in diesem Wirtschaftswald betrug also 3,3 – 4,2 Fm/ha.

Seit der Erweiterung des Nationalparks 1997 darf Holz nur noch in den Zone 2 (Entwicklungszone) und der Zone 3 (Randbereich) eingeschlagen werden.3 Zone 1 (Naturzone) ist tabu. Die Entwicklung der Zonen 2 und 3 im Verhältnis zur Zone 1 von 1997 – 2013 veranschaulicht folgendes Säulendiagramm. Die Zonen 2 und 3 nenne ich Kampfzone: in ihr wird der Borkenkäfer mit allen notwendigen Mitteln bekämpft.4

KampfzoneQuelle: Jahresberichte

Fast 20 Jahre nach der Nationalparkgründung darf auf 6.258 ha des Falkenstein-Rachel-Gebiets Holz eingeschlagen werden. Zur Erinnerung: 1976 schrieb Richard Plochmann, Professor für Forstpolitik und Forstgeschichte und Konrektor der Universität München:

„Es müsste heute und definitiv gesagt werden, wie lange diese Nutzung (von Holz, F.-J. A) noch andauern soll. 20, im allerhöchsten Fall, 25 Jahre wären die oberste Grenze. Was bis dahin nicht geschafft ist, mag man getrost Mutter Natur überlassen.“5

Dividiert man die eingeschlagenen Holzmengen durch die Größe der Kampfzone erhält man den Hiebsatz in Fm/ha:6

Hiebsatz Falkenstein-Rachel

 

1995 und 96 handelte es sich noch um einen ganz normalen Wirtschaftswald. Die empörend hohen Hiebsätze von 2007 – 2011 führen zu den von mir dokumentierten Riesenkahlschlägen. Der Spitzenwert von 23,1 Fm/ha des Jahres 2011 wurde erreicht, indem man neben 77.181 Fm Borkenkäferholz zusätzlich noch 86.000 Fm Holz abräumte, das ein Gewittersturm am 13. Juli 2011 im Schachtengebiet geworfen hatte.7 Nationalparkchef Dr. Franz Leibl, gerade zwei Monate im Amt, und sein oberster Waldmanager Franz Baierl räumten bis Ende November das „Schadholz“ in nur vier Monaten. Dies ist das Ergebnis:

 

 


In der Waldabteilung Gfällei – in der Karte oben östlich vom Schachtenhaus – ließ Leibl 20.000 Fm Sturmholz liegen und richtete eine 100 ha große neue Naturzone ein. Selbstverständlich verzichtete er dafür auf die Ausweisung einer Naturzone in der Nähe von Zwieselerwaldhaus.8

 Windwurfholz

 

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Der Bericht des bayerischen obersten Rechnungshofs

  1. Nationalpark Bayerischer Wald am Scheideweg, Nationalpark 2/76, S. 8 []
  2. siehe Offener Brief des Forum Umwelt und Entwicklung an den bayerischen Umweltminister Huber vom 27. Februar 2012 []
  3. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen –  Anlageband zum Nationalparkplan, Grafenau 2010, S. 5 []
  4. Hier können Sie die Daten als Excel-Tabelle herunterladen: Natur- und Kampfzone im Falkenstein-Rachel-Gebiet (Rechte Maustaste – Ziel speichern unter) []
  5. Nationalpark Bayerischer Wald am Scheideweg, Nationalpark 2/76, S. 10 []
  6. Hier können Sie die Daten als Excel-Tabelle herunterladen: Hiebsatz im Falkenstein-Rachel-Gebiet (Rechte Maustaste – Ziel speichern unter) []
  7. Hier hat der Sturm gewütet, Grafenauer Anzeiger vom 20. Juli 2011 []
  8. Unser Wilder Wald Nr. 30, S. 4 []