Tricksen, Tarnen, Täuschen

„Naturereignisse wie Windwurf und Schneebruch sind zusammen mit Insekten- und Pilzbefall wesentliche Faktoren einer natürlichen Waldentwicklung.“
Nationalparkplan – Leitbild und Ziele1

 

Täuschen: Unterschlagung des Windwurf- und Schneebruchholzes

Ein dritter Trick ist es, das Windwurf- und Schneebruchholz zu unterschlagen. Die veröffentlichten Zahlen zum Borkenkäferholzeinschlag verschleiern das wahre Ausmaß des Holzeinschlags:

BorkenkaeferholzeinschlagQuelle: Diagramm zum Borkenkäferholzeinschlag

 

In Wirklichkeit sind die Zahlen viel höher. Denn zu diesen Einschlägen kommen die wegen Schneebruch und Windwurf hinzu. Karl Friedrich Sinner spricht von „zwangsbedingten Einschlägen2, so als ob er von Käfer, Schnee und Sturm gezwungen würde. Der Täter stilisiert sich zum Opfer. Im folgenden Diagramm geben die blauen Säulen den Borkenkäferholzeinschlag wieder, die roten Säulen den Gesamt-Holzeinschlag. Die Zahlen beziehen sich auf das Falkenstein-Rachel-Gebiet:3

Borkenkaefer_GesamtZahlen aus den Jahresberichten 2011 und 2012, jeweils S. 4 und 54

Die fast 120.000 Festmeter Sturmholz des Jahres 2007 tauchen in der Borkenkäferstatistik nicht auf. Genauso wenig wie die über 80.000 Festmeter Sturmholz 2011. Das ist eine bewusste Irreführung. Denn das Windwurfholz wird nur wegen des Borkenkäfers aufgearbeitet. Im Bayerwald-Boten vom 16.12.2011 verdreht der oberste Schädlingsbekämpfer Franz Baierl die Wahrheit:

„Im Erweiterungsgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald war der Holzeinschlag aus der Borkenkäferbekämpfung noch nie so hoch wie 2010; insgesamt wurden im Vorjahr 140.115 Festmeter Käferholz eingeschlagen. 2011 ist diese Zahl deutlich auf 76.897 Festmeter gesunken.“

In Wahrheit bricht der Holzeinschlag 2011 alle Rekorde: 160.573 Festmeter. Das Sturmholz zählt eben nicht als Käferholz und fällt unter den Tisch.

Im Rachel-Lusen-Gebiet klafft in vielen Jahren ebenfalls ein garstig breiter Graben zwischen den offiziellen Zahlen zum Holzeinschlag wegen des Borkenkäfers und dem gesamten Holzeinschlag:5

Holzeinschlag im Rachel-Lusen-GebietZahlen aus den Jahresberichten 2011 und 2012, jeweils S. 4 und 5

Die riesige Differenz des Jahres 2006 erklärt sich durch Schneebrüche: Im gesamten Park wurde die gigantische Menge von 81.435 Fm Schneebruchholz aufgearbeitet6. Auch diese Holzhackerei dient ausschließlich der Borkenkäferbekämpfung. An dem Unterschied des Jahres 2007 sind die fast 36.855 Fm Windwurfholz schuld, die wegen Kyrill verhackstückt wurden.

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  1. S. 8 []
  2. Jahresbericht 2000, S. 6 []
  3. Hier können Sie die Daten als Excel-Tabelle herunterladen: Holzeinschlag im Falkenstein-Rachel-Gebiet. (Rechte Maustaste – Ziel speichern unter) []
  4. siehe auch: Der Nationalpark als Holzfabrik []
  5. Hier können Sie die Daten als Excel-Tabelle herunterladen: Holzeinschlag im Rachel-Lusen-Gebiet. (Rechte Maustaste – Ziel speichern unter) []
  6. Jahresbericht 2006, S. 8 []