Tricksen, Tarnen, Täuschen

„Bisher erhält der Park einen Teil seiner Finanzmittel aus den Erträgen des Holzverkaufs. In Zeiten hoher Borkenkäferschäden hat man von dieser Praxis durchaus profitiert.“
Grafenauer Anzeiger vom 7. Mai 2013

 

Einleitung

Wenn es um Zahlen über den Holzeinschlag im Nationalpark geht, dann wird getrickst, getarnt und getäuscht.1 Nicht austricksen ließ sich der bayerische oberste Rechnungshof, dessen Bericht über Missstände in der Nationalparkverwaltung zu einschneidenden Veränderungen führte. Meine Recherche ist gegliedert in folgende Abschnitte:

 

Tarnen: Schweigen

Am einfachsten ist es, die Zahlen ganz zu verschweigen. So taucht die Zahl für den gesamten Holzeinschlag für das Jahr 2013 im Jahresbericht überhaupt nicht auf. Nur Zahlen zum Käferholz werden genannt. Windwurf- und Schneebruchholz fehlen. Auch im Jahresbericht 2012 fehlt die Zahl zum gesamten Holzeinschlag. In der Abbildung auf Seite 4 sind die Zahlen nicht lesbar. Außerdem ist die Beschriftung der Abbildung falsch: Das meiste Holz wird nicht „zum Schutz benachbarter Wälder“, sondern zum Schutz des Hochlagenwalds eingeschlagen. Niemandem fällt das auf, weil die Jahresberichte ohnehin kein Mensch liest. Es gibt auch keine Pressemeldung zum Holzeinschlag.

Es gibt im Service-Bereich der Homepage des Nationalparks keine Veröffentlichung, die den Holzeinschlag differenziert seit Gründung des Parks im Jahr 1970 darstellen würde. Es fehlen chronologische geordnete Reihen zur Holzeinschlag wegen Borkenkäfer, Wind- und Schneebruch. Die ältesten, öffentlich zugänglichen Zahlen reichen nur bis 19952. Für die Jahre 1970-1999 gibt es keine im Internet zugänglichen Jahresberichte.

Während es zum Holzeinschlag immerhin fragmentarische Informationen gibt, wird der Holzverkauf auf der Homepage des Nationalparks vollständig totgeschwiegen. In einem einzigen Dokument gibt es eine konkrete Zahl zu den Einnahmen aus dem Holzverkauf: Im Jahr 2010 waren es 9 Millionen €, verkündet Forstdirektor Karl Barthmann, stellvertretender Nationalparkleiter, stolz auf der Herbstpersonalversammlung.3

Auch auf Nachfrage rückt Frau Dr. Kristin Beck, die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Zahlen nicht heraus. Sie habe sehr viel zu tun, erklärt sie mir am Donnerstag, den 23. Oktober 2014 am Telefon. Das könne Wochen dauern. Und überhaupt solle ich doch erst einmal schriftlich begründen, wofür ich die Zahlen brauche.  Ich habe zwei Briefe4 geschrieben und warte seit dem 22. Oktober 2014 auf eine Antwort. Eine gesetzte Frist bis Mitte November 2014 wurde nicht eingehalten.

 

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  1. Tricksen, Tarnen, Täuschen war der Titel eines Aufsatzes von Christian Sebald in der Süddeutschen Zeitung vom 16.7.2014 []
  2. Jahresbericht 2000, S. 7, Abb. 1 []
  3. Herbstpersonalversammlung am 10. Dezember 2012 []
  4. siehe meine Briefe vom 22. Oktober 2014 und vom 24. Oktober 2014 []