Das sonderbare Interview mit Forstminister Josef Miller

Indizien für von der Verwaltung vorbereitete Fragen

Hans Bibelriether äußert den Verdacht, dass die Fragen für das Ministerinterview von der Nationalparkverwaltung vorbereitet wurden. Es wäre naiv, im offiziellen Informationsblatt des Nationalparks, das vom Forstministerium verlegt wird, etwas anderes zu erwarten. Die Zeitung ist so etwas wie das Zentralorgan der Verwaltung. Ein richtiges Interview eines unabhängigen Journalisten, der es wagt, eigene und mutige Fragen zu stellen, die vorab nicht mit dem Minister abgesprochen wurden, ist von vornherein nicht zu erwarten.

Belegen lässt sich dies z. B. an fünf Fragen, die aufeinander folgen:1

  1. „Es gibt offenbar Intriganten, die aus persönlichen Gründen hetzen und versuchen, die internationale Anerkennung in Frage stellen zu lassen.“
  2. „Von einer Zeitschrift wurde kürzlich der Vorwurf erhoben, dass in den Randbereichen das anfallende Käferholz genutzt wurde und dadurch große Kahlschläge entstanden seien. Was ist da dran?“
  3. „Wurde bei der Bekämpfung vielleicht mit massiven Methoden vorgegangen, die soviel Kritik erklären können?“
  4. „Ein weiterer Vorwurf lautet: Im Nationalpark werden Forstwege gebaut und gefällte Bäume mit dem Hubschrauber ausgeflogen, aber auch durch das Rücken des Käferholzes entstünden Schäden am Boden und in den Waldbeständen.“
  5. „Damals gab es aber bereits den Verdacht, daß dieses Holzrücken absichtlich so brutal ausgeführt wurde, um dem aus Irland eingereisten Horst Stern die Möglichkeit zu geben, die auch im Randbereich des Nationalparks nicht erwünschte Bekämpfung des Borkenkäfers anzuprangern.“

Die Fragen verfolgen erkennbar ein gemeinsames Ziel: Es geht darum, die Nationalparkverwaltung von den Vorwürfen ihrer Kritiker zu entlasten. Zu diesem Zweck sollen deren Argumente Punkt für Punkt entkräftet werden. Es soll der Anschein erweckt werden, dass die Kritiker Unrecht haben und die Verwaltung alles richtig gemacht hat. Das gesamte Interview ist eine zwei DIN-A4-Seiten lange Rechtfertigung der Nationalparkverwaltung. Es ist eine offizielle Gegendarstellung der Verwaltung in der Form eines Interviews. Die Zeitschrift GEO hatte sich geweigert, eine Gegendarstellung von Sinner abzudrucken.

Es ist nur folgerichtig, dass von den drei Fotos, die das Interview illustrieren, nur eines den Minister zeigt. Die zwei anderen zeigen Sinner „im Gespräch mit Bürgern“ und eine „freundliche Begegnung … mit Nationalpark-Kritikern“. Nicht Miller steht im Mittelpunkt des Interviews; der heimliche Mittelpunkt ist Sinner.

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  1. Unser Wilder Wald Nr. 4, S. 3 f. []