12 Strategien der PR-Arbeit im Nationalpark

Einleitung

In der Nummer 4 der Zeitschrift “Unser Wilder Wald” vom Dezember 1998 erscheint ein zwei DIN-A4-Seiten langes Interview mit dem neuen Forstminister Josef Miller. Das Interview ist nicht nur deswegen bemerkenswert, weil gute Gründe dafür sprechen, dass die Antworten dem Minister buchstäblich von der Nationalparkverwaltung vorgeschrieben wurden.1

Es gibt einen zweiten Grund, warum die genaue Analyse dieses Interviews sich lohnt: Es zeigt nämlich die Richtung an, wie zukünftig mit der Kritik von Umweltschützern am Nationalpark umgegangen werden soll. Alle Kniffe, Finten und Tricks, mit denen man in Zukunft auf Kritik von Umweltschützern reagieren wird, finden sich bereits in diesem Interview.

2014 werden die Kahlschläge von 116 ha auf 2.000 ha angestiegen sein.2 2007 wird man nicht 35.000 Fm, sondern 230.700 Fm Holz einschlagen.3 Wie rechtfertigt man das? Die Antwort darauf gibt dieses Interview.

Mein Aufsatz ist gegliedert in 12 Abschnitte:

Zum Schluss zeige ich Ihnen, welche der zwölf Strategien Umweltminister Marcel Huber 14 Jahre später nutzt, um die Kritik zahlreicher prominenter Umweltschützer an den Kahlschlägen im Nationalpark abzuwehren: Nachspiel – Die Antwort von Umweltminister Huber auf Kritik von Umweltschützern im Jahr 2012.

Strategie 1: Leugnen

Am Anfang jeder erfolgreichen PR-Strategie steht immer: Leugnen!

„Von einer Zeitschrift wurde kürzlich der Vorwurf erhoben, daß4 in den Randbereichen das anfallende Käferholz genutzt wurde und dadurch große Kahlschläge entstanden seien. Was ist da dran? – Nichts, weil dieser Vorwurf nicht haltbar ist.“ 5

„Wurde bei der Bekämpfung vielleicht mit massiven Methoden vorgegangen, die soviel Kritik erklären können? – Nein.“ 6

 

Strategie 2: Verwirren

„Wurde bei der Bekämpfung vielleicht mit massiven Methoden vorgegangen, die soviel Kritik erklären können? – Nein. Wo immer es möglich war, wurde versucht, eingeschlagene Bäume von Hand zu entrinden und das Holz im Wald zu belassen. Allerdings waren im alten Teil des Nationalparks die Möglichkeiten stark begrenzt: einmal aufgrund des hohen und konzentrierten Holzeinschlags und der fortschreitenden Aufarbeitung, zum anderen, weil die Zugänglichkeit der Flächen erhalten und auch Unfällen bei den Waldarbeitern vorgebeugt werden musste.“ 7

Wenn Sie den Sinn dieses Abschnitts auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstehen, liegt das nicht an Ihrer Begriffsstutzigkeit. Die Verwirrung ist gewollt. Im ersten Satz behauptet Miller, dass die Methoden nicht massiv waren, weil die Bäume entrindet wurden und im Wald blieben. Ist das Fällen von Bäumen etwa keine „massive Methode“ mehr, nur weil man die Bäume anschließend entrindet? Im zweiten Satz schränkt Miller den ersten sofort wieder ein, weil das Entrinden im Altpark nur „stark begrenzt“ möglich war. Was heißt das? Wurde also doch mit massiven Methoden vorgegangen? Und warum kann man gefällte Bäume nicht entrinden, wenn der Holzeinschlag „hoch und konzentriert“ ist? Unter hohem Holzeinschlag kann ich mir als Leser noch etwas vorstellen, aber was bedeutet „konzentrierter“ Einschlag? Verstehen Förster unter einem „hohen und konzentrierten Holzeinschlag“ etwa einen Kahlschlag? Und wie übersetzt man „fortschreitende Aufarbeitung“ in verständliches Deutsch? Was hat die „Zugänglichkeit der Flächen“ mit der Handentrindung zu tun? Liegen die entrindeten Bäume etwa im Weg? Warum sind entrindete Bäume eine Gefahr für Waldarbeiter? Hat man am Ende doch massive Methoden angewandt? Fragen über Fragen!

 

Strategie 3: Lügen

„Schon im August und September 1997 … wurde … unter Mitwirkung des früheren Nationalparkleiters die Abgrenzung der Randbereiche des Nationalpark vorgenommen.“ 8

Bibelriether bestreitet dies mit guten Argumenten: siehe Chronologie der Ereignisse August 1997 – Dezember 1998.

 

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  1. siehe Das sonderbare Interview mit Forstminister Josef Miller []
  2. siehe Ultraviolence []
  3. Jahresbericht 2007, S. 7 []
  4. alte Rechtschreibung im Original []
  5. S. 3 []
  6. S. 4 []
  7. S. 4 []
  8. S. 3 []