Zum Tode von Horst Stern

„Es ist seltsam, heute über Horst Stern zu schreiben, weil sein Name weitgehend vergessen ist.“
Cornelia Geißler, Berliner Zeitung1

Einleitung

Am 17. Januar 2019 starb Horst Stern. Die Nachrufe waren voll mit verlogenen Lobeshymnen. So behauptete Spiegel Online fälschlicherweise, die Sendung „Sterns Stunde“ sei „vielen Fernsehzuschauern auch heute noch ein Begriff“.2 Der „Mann aus Apulien“ sei „von der Literaturkritik gefeiert“ worden, meinte die Tagesschau3 und vergaß zu erwähnen, dass der „Bestseller“ heute für 40 Cent auf der Resterampe verramscht wird. SWR-Intendant Peter Boudgoust war voll des Lobes über „Sterns Stunde“: es seien „Meilensteine des dokumentarischen Tierfilms“. Im Interview mit Zeit Online vergoss er Krokodilstränen über „einen der bedeutendsten Dokumentarfilmer des Landes“.4 Auch der Bayrische Rundfunk phantasierte davon, dass Stern „Fernsehgeschichte“ geschrieben habe.5 Dabei wiederholte dasselbe Fernsehen, in dem Stern angeblich Geschichte geschrieben hat, aus Anlass seines Todes nicht eine einzige Folge der vielgepriesenen „Meilensteine“.6 Und die vom BR erwähnte „Verteidigung des Nationalparks Bayerischer Wald“ wurde 1997 nicht vom BR ausgestrahlt, sondern von SAT.1. Im Fernsehen wiederholt wurden seine „Bemerkungen über einen sterbenden Wald“ nicht ein einziges Mal.

Ich verfolge mit diesem Artikel drei Ziele:

  1. Am Beispiel des Vorworts von Ulli Pfau zum „Horst Stern Lesebuch“, das 1992 zu seinem 70. Geburtstag erschien, möchte ich zeigen, dass schon damals das Lob für Stern verlogen und heuchlerisch war.
  2. Ich möchte verdeutlichen, dass Horst Stern gewusst hat, dass er gescheitert ist und fast nichts erreicht hat. Stern hat schon früh und nicht erst am Ende seines Lebens resigniert.
  3. Ich will betonen, dass die politische Erfolglosigkeit von Stern eine eindringliche Mahnung an Bürgerinitiativen sein muss. Diese neigen häufig dazu, Berichte über sie im Fernsehen oder in Zeitungen viel zu hoch einzuschätzen und Medienpräsenz mit politischem Erfolg zu verwechseln. Stern hatte eine eigene Fernsehserie, die zur besten Sendezeit in der ARD ausgestrahlt wurde. Er war Chef-Redakteur der Zeitschrift „natur“. Und er war Gründungsmitglied des BUND. Erreicht hat er trotzdem nichts.

Der Artikel ist also gegliedert in drei Kapitel:

  1. Das verlogene Lob von Ulli Pfau für „Sterns Stunde“
  2. Die politische Erfolglosigkeit von Horst Stern
  3. Hohe Medienpräsenz verbürgt keinen politischen Erfolg

Nach oben
Nächste Seite: Das verlogene Lob von Ulli Pfau für „Sterns Stunde“

  1. Zum Tod von Horst Stern – „Mit der Kamera in diese Massentierhaltung reingegangen“, Berliner Zeitung vom 21.1.2019 []
  2. TV-Journalist und Umweltschützer Horst Stern ist tot, Spiegel Online vom 21.1.2019 []
  3. Trauer um Horst Stern, tagesschau.de vom 21.1.2019 []
  4. TV-Journalist Horst Stern gestorben, Zeit Online vom 21.1.2019 []
  5. „Sterns Stunde“-Schöpfer Horst Stern ist tot, BR vom 21.12019 []
  6. siehe auch Sterns Stunde im Fernsehen []