Horst Stern: Bemerkungen über einen sterbenden Wald

Einleitung

„Ich habe 26 Filme gedreht damals in etwas unter zwölf Jahren und habe in den 26 Filmen alles gesagt, was ich meinte sagen zu sollen, und alles gezeigt, was ich meinte zeigen zu sollen. Ich hätte dann danach anfangen müssen, meinen Namen zu kapitalisieren und zoologische Unterhaltung zu machen, weil das Fernsehen fing schon damals an, mehr und mehr sich der Unterhaltung auszuliefern. Und wenn ich meinen Sendeplatz um 20 Uhr 15 hätte behalten wollen mitten in der Woche, hätte ich Kompromisse machen müssen. Ich hätte Filme drehen müssen mit Pointen wie etwa ‚Wie treiben es die Igel, obwohl sie so stachelig sind?‘. Und das sind alles Dinge, die wollte ich nicht. Das waren meine Themen nicht.“

Seit 18 Jahren hatte Horst Stern keine Filme mehr gemacht. Ende der 70er Jahre zog er sich „enttäuscht von der mangelnden Wirkung seiner Berichterstattung“ und „über die fehlende Lernfähigkeit der Menschen“ vom Fernsehen zurück. Erst als 1997 der Borkenkäfer im Nationalpark Bayerischer Wald 1.500 Hektar Bergfichtenwald zum Absterben brachte1, der Boulevardjournalismus2 sich darüber „das Maul zerriss“ und „Krokodilstränen vergoss“ (Horst Stern) und die „Wut der Waldler“3 überkochte, drehte Horst Stern für SPIEGEL-TV seine 30minütige Reportage „Bemerkungen über den sterbenden Wald“. Ausgestrahlt wurde die Reportage leider nicht wie früher mitten in der Woche um 20 Uhr 15 in der ARD, sondern am Sonntag, den 23. November 1997 um 23 Uhr auf SAT 1.

Die Reportage ist großartig – buchstäblich eine „Stern-Stunde“ des Fernsehens: sowohl wegen der Bilder als auch wegen des Textes. Auch fast 20 Jahre nach ihrer Ausstrahlung hat sie nichts von ihrer Aktualität verloren.

 

 

 

 

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  1. siehe Das Fichtensterben am Lusen []
  2. Berühmt wurde der Hetzartikel „Kaputtgeschützt“ von Wolfgang Metzner im Stern 42/1997. []
  3. Spiegel 47/1997, S. 220 []