Das Fichtensterben am Lusen

Therese Schreiner und Ilse Dankesreither über das Fichtensterben

Im Hans-Eisenmann-Haus kann man sich ein zweites großartiges Video zum Fichtensterben anschauen: Therese Schreiner, Wirtin vom Gasthof Klosterbräu in St.-Oswald-Riedlhütte, und Ilse Dankesreither, bis 2013 Wirtin vom Lusen Schutzhaus, haben sich ihren klaren Verstand bewahrt und erzählen, wie sie die Dinge damals erlebt haben.

Ilse:
Wir hatten früher einen Wald: das war ein Nutzwald, der war schön, der war aufgeräumt. Und natürlich, seit das ein Nationalpark ist, hat sich die Philosophie verändert. Es ist nicht mehr Nutzwald, sondern jetzt ist das Motto: „Natur Natur sein lassen.“ Das ist natürlich was anderes als früher. Die schimpfen, die Leute: „Der schöne Wald, so kaputt gemacht! Der schöne Wald, der schöne Wald!“ Viele waren schon oben und haben geweint. Weil’s einfach nicht mehr das ist, was es früher war. Die meisten sind das gewohnt gewesen, einen schönen gepflegten Wald zu sehen, nicht so wie jetzt mit den abgestorbenen Bäumen. Aber es kommen wieder Leute zurück, die sagen: „Ich wollte eigentlich nicht mehr auf den Lusen hoch, aber jetzt sehe ich, dass es Jungwald gibt.“ Dass da viel nachkommt, und vor allem so schön – nicht nur Fichten, sondern alles wächst jetzt natürlich nach.

Therese:
Es wird halt nicht mehr gepflanzt. Früher ist gepflanzt worden, und jetzt wächst das, was wachsen will. Jetzt sieht man auch mal einen Vogelbeerbaum oder dies Laub oder jenen Baum, das ist schön! Jetzt sieht man erst, wie schön es ist. Was ist da früher geschimpft worden! Aber das hat sich schön verjüngt und sieht gut aus.

Ilse:
Wenn ich ehrlich bin: Damals hieß es, der Borkenkäfer geht nicht höher als 500 Meter. Das wurde gesagt. Und was ist passiert: Der Käfer ging weiter nach oben. Der kam bis auf 1300 Meter hoch! Und als die Leute das kapiert hatten, haben sie sich ein wenig verarscht gefühlt. Das ist das Ganze! Wenn man die Leute gleich von vornherein richtig aufgeklärt hätte, wie das laufen würde, und wie das geht und was dann dabei herauskommen könnte, dann wäre das ganz anders geworden. Dann hätte es nicht so viel böses Blut gegeben gegenüber dem Park. Das hat sich jetzt gelegt, Gott sei Dank, weil wir jetzt eine gute Aufklärung haben.

Therese:
Ein alter Mensch stirbt und auch ein alter Baum stirbt. So ist das. Als ich nach oben gefahren bin und gesehen habe, wie schön grün alles wird, dass das Laub kommt, Buchen wachsen – das hat es früher nicht gegeben, das kommt jetzt alles! Das ist eine ganz andere Verjüngung. Schön! Ich habe mich gefreut, als ich das frische Laub heute gesehen habe!

Ilse:
Früher war es auch grün, aber dadurch, dass der Borkenkäfer das seinige getan hat – sonst hätten wir das jetzt nicht so gesehen.

Therese:
Der Nationalpark verjüngt den ganzen Wald.

Ilse:
Der Nationalpark nicht, der Wald verjüngt sich selbst. Weil, wenn die Natur sich selbst gehört – das macht alles die Natur selbst!

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