Faktencheck: Buchensterben und Klimawandel

NLP-Leiter Manfred Großmann und das Buchensterben

Hinweis: Die Transkripte der Reden von Großmann und Müller basieren auf Aufnahmen mit einem Diktaphon. Sprachliche Holprigkeiten wurden an einigen wenigen Stellen zum besseren Verständnis geglättet.

Manfred Großmann

In seinem Eröffnungsvortrag für die Buchenwaldtagung kommt NLP-Leiter Großmann nach einer halben Stunde auch auf den Klimawandel zu sprechen:

„Ganz zum Schluss auch noch das Thema, was uns alle sehr beschäftigt: Wie sieht es mit dem Klimawandel aus? Was macht der im Hainich mit den Beständen? Und Sie sehen hier einen Waldbestand auf der Westseite des NLP am Burgberg. Das Bild ist vom Ende Mai diesen Jahres, wo wir doch alle sehr überrascht waren zu sehen, dass nicht nur die paar Fichten – das war zu erwarten -, die so im Mittelgrund zu sehen sind, abgestorben sind, sondern eben auch viele alte Buchen in den oberen Bereichen.

Das ist jetzt ein Bild – man könnte meinen, es wäre Anfang Mai, aber es ist ein Sommerbild dieser Bestände, oftmals sehr flachgründig und an den steileren Bereichen jetzt hier Bäume, die jetzt z. T. hier gar nicht ausgetrieben haben, Bäume, die ganz kleine Blätter hatten, 2-3 cm, die dann im Juni völlig vertrocknet sind, wo dann schon total noch die Bäume grün sind und dann die Rinde schon großflächig abplatzt.

Und wenn man sich dann so anschaut, was hat das alles für Ursachen, dann ist der Niederschlag ein Faktor. Sie sehen, das ist von einer Wetterstation im NLP, da haben wir den Niederschlag von März bis Oktober genommen, und das war im letzten Jahr schon in der Vegetationszeit unter 300 mm, das ist schon relativ wenig. Es gab in der Vergangenheit an anderen Wetterstationen auch noch trockenere Jahre und in der Gesamtschau war es letztes Jahr gar nicht so trocken. An einer Station waren es nur 5 % weniger. Es war bei uns v. a. die Temperatur. Ich habe Ihnen mal die Juli-Temperaturen aufgetragen in den letzten 6 Jahren: 2014 – 2019. Das langjährige Mittel ist 14,6°, d. h., die letzten 6 Jahre waren alle über dem langjährigen Mittel und in diesem Jahr war die Abweichung sage-und-schreibe 4,8° im Monatsmittel. Das ist also ein wichtiger Punkt.

Dann natürlich die Extremtemperaturen – die Meteorologen sprechen von den heißen Tagen, wenn es mindestens mal 30° hat. Und das ist jetzt hier die Verteilung in den letzten 10 Jahren seit 2010. Und da ist nochmal wichtig zu wissen: In den letzten 30 Jahren waren im Schnitt nur 6-8 dieser heißen Tage im Jahr. Wenn ich nochmal den 30-Jahre-Zeitraum vorher nehme – 1950-1980 – da waren es nur 3 Tage. In den folgenden 30 Jahren waren es schon 7 und in den letzten 10 Jahren 14. Und in diesem Jahr waren es 19 und im letzten Jahr 29 heiße Tage über 30° – davon allein 18 Tage am Stück. Da kann man sich vorstellen, was das bei einer Buche verursacht, die auf einem flachgründigen Standort am Hang steht, die schon im letzten Jahr kaum Wasser abbekommen hat, wo die Sonne dann permanent auf sie herunterkommt. Hier: 300 Sonnenstunden haben wir im Juli – das sind 170 % vom langjährigen Schnitt.

Zu Beginn der Exkursion am 12.10.2019 zeigt Großmann eine Karte mit den Vitalitätsänderungen der Waldflächen im NLP im letzten Jahr.

Und das ist jetzt so ein Bild von der Westseite des NLP, von diesen Hangbereichen, wo dann flächig die Bestände doch sehr stark beeinträchtigt sind, und wir jetzt davon ausgehen, dass in diesen Beständen die Altbäume komplett absterben oder schon abgestorben sind und dann die Bestände zusammenbrechen. Das ist ein Teilbereich des NLP – das ist auch nochmal wichtig. Der Standort spielt eine ganz wichtige Rolle.

Hier sehen Sie eine Auswertung von Satellitenbildern: ein Vergleich von 2018 zu 2019. Man könnte sagen: Vieles ist im grünen Bereich – da hat sich nicht soviel verändert. Sie sehen aber diese flächigen roten Bestände; die sind im Südwesten des NLP an diesen Hängen. Die umfasst knapp 6 % der Waldfläche des NLP, wo wir schon massive Beeinträchtigungen haben, die im Laufe des Jahres eigentlich von Woche zu Woche noch gravierender geworden sind.

Ja, das heißt für uns – ich habe es eben vorhin schon einmal kurz angedeutet natürlich – Forschung und Monitoring sich zu überlegen, was muss alles gemacht werden, was kann gemacht werden mit Fernerkundung, mit Strukturerhebungen, mit faunistischen, floristischen und mykologischen Kartierungen. Wir haben uns auch bemüht, es der Öffentlichkeit auch vorzustellen. In der Umweltbildung wird das eine große Rolle spielen. Da gibt es auch ganz praktische Probleme, die alle Gebiete betreffen im Hinblick auf die Verkehrssicherung.“

Mich lässt die Schlusspassage Großmanns zum Klimawandel ratlos zurück: warum z. B. dieses Bombardement mit Zahlen, die sich ohnehin niemand merken kann – noch dazu am Ende eines halbstündigen Vortrags, der sowieso schon mit Zahlen gespickt war? Warum fasst Großmann die Ergebnisse nicht einfach kurz und bündig in 2 Sätzen zusammen: 6 % des Waldes im NLP sind abgestorben. Es handelt sich um alte Buchen an flachgründigen Hängen im Westen des NLP. Darf er das so nicht sagen? Traut er sich das so nicht zu sagen? Klingt das vielleicht zu beschwichtigend? Warum darf ein NLP-Chef nicht sagen: 94 % des Waldes sind nicht betroffen. Fürchtet er Vorwürfe, er verharmlose die Situation? Ist er dann nicht politisch korrekt? Fürchtet er, als Klimawandel-Leugner denunziert zu werden? „Man könnte sagen: Vieles ist im grünen Bereich – da hat sich nicht soviel verändert.“ Warum sagt Großmann es dann nicht?

Allein die Frage „Was muss alles gemacht werden?“ ist grotesk. Im NLP müsste gar nichts gemacht werden. Fast sieht es so aus, als wolle Großmann den Aktionismus der Politiker nachahmen und ein Klima-Paket für den NLP schnüren. Und so zählt er akribisch auf, was „gemacht“ werden muss: Verkehrssicherung, Umweltbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Fernerkundung, Satelliten, faunistisch, floristisch, mykologisch. Und da war niemand im Publikum, der laut gelacht hat! Was will man in der Umweltbildung den Leuten eigentlich beibringen? Dass Bäume sterben, wenn es heiß ist? Ja, aber nicht alle und die nicht und die nicht und die auch nicht. Und die Pilze spielen auch eine Rolle!

Viel interessanter ist, worüber nicht geredet wird und was nicht erforscht ist und auch in Zukunft nicht erforscht wird: das Ausmaß des Wildverbisses.1siehe Warum kritisiert nur einer die völlig ungenügende Jagd im NLP?

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