Faktencheck: Buchensterben und Klimawandel

„Das Publikum wird eher die einfache Lüge als die komplizierte Wahrheit glauben.“
Alexis de Tocqueville

Der MDR und das Buchensterben im NLP Hainich

Der Beitrag des MDR reiht nahtlos ein in ganze Serie von Fernsehproduktionen, die seit einem Jahr in rascher Folge immer wieder ausgestrahlt werden:

Alle diese Beiträge zeichnen ein apokalyptisches Bild vom deutschen Wald. Insofern macht der Beitrag des MDR über das Buchensterben im Hainich keine Ausnahme; auch hier ist die Wortwahl dramatisierend. Zwar wird einschränkend zugegeben, dass man „genauer hinblicken“ muss, aber im Zentrum der Überfliegungsbilder stehen die abgestorbenen oder kranken Bäume; die überwiegende Mehrzahl der gesunden Buchen spielt keine Rolle. Denn fest steht:

„Auch hier leiden die Bäume unter massivem Trockenstress.“

Und beim Zuschauer entsteht der Eindruck: Alle Buchen leiden. Überall. Auch der Ranger wandert zielstrebig auf die eine sterbende Buche inmitten ihrer grünen Nachbarn hin und erklärt als Fachmann ausführlich die vielen ekligen Krankheitssymptome:

„… Schleimausfluss … geschwächt … krank … zu wenig Blätter … zu viel Sonneneinstrahlung … Sonnenbrand … Pilze dringen ein … die Buche stirbt schnell ab …“

Nur noch „1-2 Jahre liegen vor ihr“, ergänzt der MDR und zeigt weiter Bilder absterbender Buchen.. Dass nur 6% der Bäume beschädigt sind, widerspricht eigentlich dem alarmistischen Ton des Beitrags. Aber den MDR ficht das nicht an, denn:

„Erst der nächste Frühling wird zeigen, welche Bäume wieder austreiben und welche nicht.“

Würden viele wieder austreiben, würde auch das den MDR nicht zum Nachdenken veranlassen. Dann waren es bis jetzt eben zu wenig heiße und trockene Sommer und in Zukunft wird sicherlich alles noch viel viel schlimmer.

Die Stellungnahme von NLP-Chef Großmann fängt eigentlich gut an:

„Wir können dieses Absterben zum Glück mit einer gewissen Gelassenheit betrachten, weil wir nicht ökonomischen Zwängen unterliegen. Wir machen keine Forstwirtschaft. Das Motto der deutschen Nationalparke lautet ‚Natur Natur sein lassen‘. Das ist sozusagen die rationale Seite.“

Und bei der hätte es Großmann belassen sollen – bei der rationalen Seite. Aber dann fährt er fort und meint, emotional werden zu müssen:

„Man darf die emotionale Seite nicht vergessen. Man bekommt schon ein gewisses Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit.“

Ohnmacht, wenn Buchen absterben? Hilflosigkeit? Ja, möchte er denn die Buchen heilen? Oder sie vielleicht in ein Hospiz bringen? Um Himmels willen! Damit spielt er dem MDR voll in die Karten, dessen Ziel es ist, Angst zu verbreiten. Zwar gilt:

„Eine Prognose für die Rotbuche ist schwer zu treffen.“

Aber das lässt der MDR natürlich nicht so stehen:

„Wenn Extremsommer zu Normalsommern werden, werden sie ihr immer mehr zusetzen.“

Und dass Extremsommer zu Normalsommern werden, das steht ja für die Medien von vornherein fest. Also wird die Buche sterben. Das ist der bleibende Eindruck dieses Films und daran ändern auch die gut gemeinten Schlussworte des Rangers nichts:

„Der Wald wird sich in Zukunft verändern. Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Die Natur hilft sich auch selber. Alte Bäume werden absterben, junge wachsen nach. Aber der NLP kann dort nicht eingreifen.“

Er bemüht sich … Aber das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Daran „gewöhnen müssen“? So wie an den Pflegenotstand in den Krankenhäusern etwa? Wie an die langen Wartezeiten beim Hausarzt? Und „müssen“? Der normale Besucher antwortet sofort: Ich muss gar nichts! Wieso „hilft“ sich die Natur? Seit wann muss sich Natur helfen? Seit wann ist Klimawandel für die Natur ein Notfall? Und der NLP „kann dort nicht eingreifen“? Würde er denn gerne? Um Gottes willen! Alles, was der Ranger sagt, ist falsch. Leider. Aber so darf man im Fernsehen nicht auftreten. Und schon gar nicht, wenn man merkt, wo der MDR hin will. Das ist furchtbar naiv.1Ach ja und noch eine Perfidie des MDR: Achten sie einmal auf die Bilder, die von den Teilnehmern der Tagung gezeigt werden! Schon diese Bilder sind tendenziös und im Grunde genommen unverschämt: Es wird so getan, als sei das eine Veranstaltung für Rentner gewesen.

Ich möchte das an einem naheliegenden Beispiel verdeutlichen: Der MDR könnte einen ganz bedrückenden Film über Bad Langensalza machen. Bilder dafür gäbe es: es gibt einen völlig heruntergekommenen Bahnhof, es gibt verfallene alte Häuser und leerstehende Geschäfte. Man kann das machen. Man kann aber auch einen wunderschönen Film über dieses Städtchen machen: mit seiner pittoresken Altstadt, seiner sensationellen Kirche, seinen zahllosen Parks und seinen urtümlichen Bäckereien mit dem phantastischen Kuchenangebot. Wenn ich als Bürgermeister merke, dass der MDR einen Film über das hässliche Langensalza drehen will, gebe ich kein Interview. Punkt. Gute Öffentlichkeitsarbeit geht anders.

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