Banfebachtal

Wildverbiss im Banfetal

Am Fischhaus Banfe zweigt der Rundwanderweg ab nach Süden in das Banfebachtal. Das Tal gehört zur Zone II, der Pflege- und Managmentzone des Nationalparks (vergleiche Zonierungsplanung für den Nationalpark). Dort finden „dauerhafte Pflege- und Steuerungsmaßnahmen für Kulturbiotope“ statt. Man achte auf die Wortwahl: Hier wird nicht Natur, sondern Kultur geschützt. Gemähte Wiesen sind eben nicht natürlich. Und ohne regelmäßige Mahd würden die Wiesen zuwachsen – vorausgesetzt, die Rotwildbestände wären nicht unnatürlich hoch.

Ein Hauptgrund, weswegen Kulturbiotope normalerweise geschützt werden, sind Touristen, die ihre Freude an „malerischen Tälern“ und „romantischen Blumenwiesen“ haben (vergleiche Alles so schön bunt hier). Besonders bizarr ist deswegen, dass durch das Kulturbiotop Banfebachtal überhaupt keine ausgeschilderten Wanderwege führen. Das Tal bekommt überhaupt niemand zu Gesicht.

 

Die abwechslungsreiche Landschaft mit den bewaldeten Hängen und den Wiesen ist ein idealer Lebensraum für Rehe und Rothirsche. Fürchterlich darunter zu leiden haben die jungen Bäume. Die Verbissschäden sind ganz schlimm.

Bei allen Jungbuchen, die am Wegesrand oder am Rand von Lichtungen stehen, ist der Leittrieb mehrfach verbissen worden. Am dicken Stämmchen ist zu erkennen, dass die Buchen schon viele Jahre alt sind, aber dem Äsungsdruck nicht durch Höhenwachstum entkommen können:

Wird der Leittrieb ganz früh kaputt gebissen, entstehen niedrige Buchenbüsche:

Nicht nur Buchen, auch andere Laubbäume wie z. B. Erlen werden verbissen:

Auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, dass es in den Buchenwäldern in direkter Nachbarschaft Naturverjüngung gibt, die überhaupt nicht verbissen wird:

Die Lösung des Widerspruchs verdanke ich Förster Peter Wohlleben: Es liegt am unterschiedlichen C/N-Verhältnis von Pflanzen, die auf Lichtungen wachsen und Pflanzen, die im geschlossenen Buchenwald wachsen. Mit C/N-Verhältnis ist das Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff gemeint. Da der Boden von Grünland wesentlich mehr Stickstoff enthält als Waldboden, hat dieser ein viel niedrigeres C/N-Verhältnis (siehe die Größenangaben im Wikipedia-Artikel):

  • Grünland 11
  • Buchenwald 51

Dies führt dazu, dass die Triebe von jungen Buchen, die auf Grünland wachsen, ebenfalls einen viel niedrigeres C/N-Verhältnis haben als die von Buchen, die im Wald wachsen. Anders ausgedrückt: Buchen auf Grünland enthalten mehr Eiweiß als Buchen im Wald. Da Rehe „Pralinenfresser“ sind und ihnen Triebe mit hohem Eiweißgehalt besser schmecken, lassen sie die Jungbuchen im Wald in Ruhe und halten sich an die Jungbuchen auf Lichtungen und am Waldrand.

 

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