Ernst-Detlef Schulze: Ebracher Wald ist wie ein Weizen- oder Maisacker

Das Interview der UNKRAUT-Moderatorin Janina Nottensteiner mit Ernst-Detlef Schulze beginnt nach 11 Minuten.

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Wenn ich das richtig sehe, sitzen die beiden am Rand des Naturwaldreservats Brunnstube im Steigerwald. Und dann redet „Väterchen Forst“ Sätze, bei denen ich denke, ich muss mich verhört haben. Aber beim nochmaligen Abspielen in der BR-Mediathek wird klar, Schulze hat diesen Unfug tatsächlich gesagt:

„Die Anpassungsfähigkeit des Waldes ist gegeben durch den Artenreichtum der Bäume. Und das sehe ich in diesem Wald hier nicht. Das ist eine ziemliche Monokultur wie ein Weizenacker oder ein Maisacker. Wenn ich hier herumgucke, sehe ich nur Buchen und keinen Ahorn, keine Esche und keine Elsbeere und keine Linde. Also insofern ist die Multifunktionalität des Waldes nicht erfüllt. Wir haben deutliche Änderungen augenblicklich im Klima. Also die Niederschläge und auch die Wintertemperaturen haben sich geändert.“1

Erst erklärte der stellvertretende Leiter des Forstamts Ebrach, Daniel Steuer, dass die Buche im Steigerwald so schutzbedürftig sei wie ein Reisfeld in China.2 Und nun der Vergleich mit einem Weizen- oder Maisacker. Selbst die Moderatorin scheint irritiert und fragt nach:

„Das heißt, dieser Buchenwald würde sozusagen in Zukunft nicht überleben?“ – „Er wird anders überleben. Er wird nicht so aussehen wie dieser Wald jetzt hier.“ – „Das heißt, der Kampf um die Buche hier, den die Naturschützer ja kämpfen, ist der vergebens? Ist der umsonst?“ – „Absolut! [Lange bedeutungsschwangere Pause] Bin ich überzeugt. Die nächsten 20 Jahre … [Der Satz wird nicht zu Ende geführt, statt dessen folgt eine Buchempfehlung.] … Ich würde sagen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird sie in dieser Form hier nicht mehr stehen.“

Während Schulze spricht, schwenkt die Kamera auf eine Methusalembuche, die seit über zwei Jahrhunderten dort steht. Den Kameramann hat sie offensichtlich genauso tief beeindruckt wie mich bei meinem Besuch im Naturwaldreservat.3

Weder die Moderatorin noch Schulze haben begriffen, worum es in einem Nationalpark geht. Die Moderatorin stellt die falschen Fragen und der emeritierte Professor gibt die falschen Antworten. Die Naturschützer wollen nicht „die Buche“ schützen, sondern die Entwicklung, die der Buchenwald im Steigerwald in Zukunft nehmen wird. Sie wollen die Natur einfach in Ruhe lassen. Sie wollen nicht, wie Schulze es vermutlich empfehlen würde, Linden, Ahorne, Eschen und natürlich Douglasien künstlich anpflanzen, um den Wald so angeblich klimafest zu machen. Ein Nationalpark würde gerade nicht den jetzigen Zustand des Steigerwaldes wie in einem Museum konservieren, sondern er würde die Prozesse schützen, die dort ohne Eingriff des Menschen ablaufen.

Der Leser vergleiche einmal die Aussagen Schulzes zum Klimawandel im Buchenwald mit denen von Lutz Fähser, dem pensionierten Forstamtsleiter des Lübecker Stadtwalds. Fähser kommt zu völlig anderen Schlussfolgerungen:

  1. Hervorhebungen von mir []
  2. siehe Streit zwischen Steuer, Panek und Mergner []
  3. siehe meine Fotos des Buchengiganten unten auf der Seite []