Breaking News: Der Hambacher Forst im Ausnahmezustand

Im September 2018 waren die Proteste im Hambacher Forst ein Top-Thema in den Medien. Fast jeden Tag berichteten SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und FRANKFURTER ALLGEMEINE, SPIEGEL und STERN über die Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Polizisten. Wann waren wo wie viele Baumhäuser geräumt worden? Wie viele Festnahmen, wie viele Verletzte? Welcher Minister hatte was wo gesagt?

Ich habe den Medienhype um den Hambacher Forst mit Hilfe des Buches Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand – Wie uns die Medien regieren von Michael Meyen analysiert:

„Konflikte, Emotionen und Bilder, immer wieder Bilder. Möglichst auffällig, möglichst groß. Zapp! Nicht! Weg! Bleib hier, denn ich sage dir, was du wirklich wissen musst. In Schlagworten, leicht verständlich, leicht bekömmlich.“1

Der Hambacher Forst lieferte alles: Konflikte, Emotionen und Bilder. Immer wieder Bilder: Aktivisten mit Sturmhauben in Baumhäusern, Polizisten in Kampfanzügen auf Hebebühnen: Das war grell, das war originell! Das brachte Quote und Auflage, Klicks, Likes und Shares.

Im Zentrum meiner Analyse steht ein SPIEGEL-Artikel über ein Facebook-Video, das eine von Polizisten festgenommene Baumbesetzerin zeigt und 3,5 Millionen Klicks brachte. Lesen Sie hier meinen ausführlichen Artikel: Wie Journalisten den Hambacher Forst erschaffen haben.

  1. Meyen, S. 11 []

Der BUND als Lobbyorganisation für die Windkraftindustrie?

Wenn die TAGESSCHAU zur besten Sendezeit über Proteste zum Schutz eines Waldes berichtet, dann kann etwas nicht stimmen.1 Wenn der SPIEGEL seine Sympathie zu antikapitalistischen Aktivisten in Baumhäusern bekundet,2 dann kann etwas nicht stimmen. Und wenn der BUND zu einer Großdemonstration zum Schutz eines Waldes aufruft, dann kann erst recht etwas nicht stimmen. Denn der BUND ruft sonst nie zu einer Großdemonstration zum Schutz eines Waldes auf, der von der Rodung bedroht ist: nicht im Reinhardswald, nicht im Kaufunger Wald, nicht im Hunsrück und nicht im Odenwald.3

Bei meinen Recherchen gibt mir Niko Paech einen Tipp: Ich solle doch mal nach Harry Neumann, dem ehemaligen BUND-Landesvorsitzender von Rheinland-Pfalz googlen. Was ich finde, verschlägt mir den Atem. Der BUND als Lobby-Organisation der Windkraftindustrie? Beweise für Korruption? Ich bin fassungslos. Und je mehr ich recherchiere, umso entsetzter werde ich. Lesen Sie hier meinen Bericht: Der BUND und die Windkraftindustrie.

  1. siehe auch Białowieża – Doppelmoral der EU []
  2. siehe Sie denken, sie haben gewonnen, DER SPIEGEL Nr. 39 /22.9.2018, S. 136 []
  3. siehe Wald roden für die Energiewende []

Wald roden für die Energiewende

Der Reinhardswald ist nicht der Hambacher Forst.1 Hier wird nicht gerodet für die Braunkohle, sondern für die Energiewende:

„Auf sieben Parzellen sollen jeweils bis zu 20 Windkraftanlagen mit einer Höhe von 150 bis 250 Metern aufgestellt werden.“2

Niemand besetzt den Reinhardswald. In diesem Wald wohnen keine Umweltaktivisten. Hier baut niemand Baumhäuser oder gar ganze Baumhaussiedlungen. Niemand errichtet hier Barrikaden. Kein Oberverwaltungsgericht verfügt einen Rodungsstopp. Hier finden keine Sonntagsspaziergänge statt. Waldpädagogen geben hier keine Interviews. Es gibt keine Großdemonstration. Die TAGESSCHAU berichtet nicht zur besten Sendezeit. SPIEGEL-ONLINE schweigt. Der BUND schweigt. Der NABU schweigt. Greenpeace schweigt. Der Rotmilan im Reinhardswald ist nicht die Bechsteinfledermaus im Hambacher Forst. Die GRÜNEN schweigen bis auf ihre Umweltministerin Priska Hinz:

„Windenergie ist sehr wichtig für den Klimaschutz, weil wir die Energiewende schaffen müssen.“

  1. siehe meinen Artikel Der Hambacher Forst als grünes Deckmäntelchen []
  2. Roden für die Energiewende – RT Deutsch vom 23.10.2018 []

Die GRÜNEN und der Hambacher Forst

Die GRÜNEN sind nach der Bayern- und vor der Hessen-Wahl in aller Munde. Ich schließe mich teilweise der Kritik von Albrecht Müller an den GRÜNEN an: Wer Grün wählt, wählt die Anpassung an die Etablierten plus Ökologie. Beim „plus Ökologie“ habe ich allerdings erhebliche Zweifel. Viele Grüne haben auch bei der Großdemonstration am Hambacher Forst teilgenommen:

In meinem neuen Artikel begründe ich am Beispiel einer Umfrage zu Flugreisen, dass der individuelle Lebensstil des typischen GRÜNEN-Wählers extrem klimaschädlich ist. GRÜNEN-Wähler heizen dem Klima mächtig ein:

Nie wurden Nachhaltigkeitsziele lauter bekundet, während sich die Lebenspraktiken immer weiter davon entfernen.“1

Deswegen haben grüne Wähler ein schlechtes Gewissen. Ein Motiv zur Teilnahme an der Großdemonstration war, dieses schlechte Gewissen zu beruhigen:

„Ich fahre zwar einen SUV und bewohne ein viel zu großes Haus, aber dafür bin ich Mitglied einer Bürgerenergiegenossenschaft, trinke nur ökofairen Kaffee und habe für den Kohle-Ausstieg am Hambacher Forst demonstriert.“2

Lesen Sie hier das fünfte und letzte Kapitel meines Artikels über Motive der Teilnehmer an der Großdemonstration am Hambacher Forst: Der GRÜNEN-Wähler.

  1. Rettet die Welt vor den Weltrettern, SZ vom 8.11.2011 []
  2. Abwandlung eines Zitats von Niko Paech, Mythos Energiewende: Der geplatzte Traum vom grünen Wachstum; in: Etscheit, G. (Hrsg.): Geopferte Landschaften – Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört, München, 2016, S. 205-228. []

Białowieża – Doppelmoral der EU

Wenn die Tagesschau zur besten Sendezeit über Proteste gegen die Bekämpfung des Borkenkäfers berichtet,1 dann kann etwas nicht stimmen: Die Tagesschau berichtet sonst nie über Proteste gegen die Borkenkäferbekämpfung. Aber das „Flaggschiff der ARD“ (siehe Die Macht um Acht) berichtete auch nicht über Deutschland, sondern über Polen: über den Urwald von Białowieża. Das Vorgehen der EU-Kommission und des Europäischen Gerichtshofs gegen Polen war immer wieder „eine der wichtigsten Nachrichten des Tages“ in der Tagesschau.


wPolityce.pl (= In der Politik) vom 16. August 2018

Worüber sie und auch die anderen deutschen Medien nie berichtet haben, war die große Empörung in Polen, als durch einen Zeitungsartikel in der WELT bekannt wurde, wie das Bundesland Bayern den Borkenkäfer bekämpft. Der EU wurden „doppelte Standards“ und „Doppelmoral“ vorgeworfen.

In meinem neuen Artikel habe ich vier Artikel aus den polnischen Medien übersetzt. Ich halte die Vorwürfe für berechtigt: Die Borkenkäferbekämpfung in deutschen Natura 2000-Gebieten unterscheidet sich nicht von der in polnischen Natura 2000-Gebieten. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Białowieża – Doppelmoral der EU.

  1. siehe z. B. #reportage – Polens Urwald in Gefahr []

Der Hambacher Forst als grünes Deckmäntelchen

In meinem neuen Artikel vertrete ich die Auffassung, dass es bei den Protesten im Hambacher Forst überhaupt nicht um den Wald ging. Es ging um Braunkohle, Kohle-Ausstieg, Klima-Schutz und Energiewende. Der Schutz des Hambacher Forsts war immer nur vorgeschoben, er war ein Vorwand, ein grünes Deckmäntelchen.

Mein dritter Artikel zu den Protesten im Hambacher Forst ist sehr ausführlich. Diesmal geht es um „brutale“ Zahlen zu allen Eichenwäldern in Deutschland – und nicht nur zum Eichenwald Hambacher Forst. Es geht um Zahlen, bei denen es einem „eiskalt den Rücken herunter läuft“ (Knut Sturm). Es geht um Fake News zum Hambacher Forst (siehe oben die Falschinformation von Katja Kipping). Es geht um die Rolle der Massenmedien. Es geht um Anne Will, Ken Jebsen und Peter Wohlleben. Zum Schluss stelle ich die Frage, wie der BUND oder die GRÜNEN reagieren würden, wenn Aktivisten den Ebracher Forst besetzen und Baumhäuser in den Methusalem-Buchen des Steigerwalds bauen würden.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Der Hambacher Forst als grünes Deckmäntelchen.

Warum ich nicht an der Großdemonstration am Hambacher Forst teilgenommen habe

Noch vor vier Wochen war ich ein glühender Befürworter von Protestaktionen am Hambacher Forst: Ich wollte das Klima schützen! Ich wollte den Wald retten! In meinem neuen Artikel beschreibe ich diese beiden Motive ausführlich. Vermutlich hatten viele Demonstranten am Samstag ganz ähnliche Motive.

Hambacher Forst, Demonstration 6. Oktober 2018 01

Mittlerweile habe ich entdeckt, dass mein eigener Lebensstil extrem klimaschädlich ist, obwohl ich selbst schon vor 15 Jahren meinen privaten Kohleausstieg vollzogen habe und auf Ökostrom umgestiegen bin. Ich belege dies mit Zahlen, die mein Bild von mir als Klimaschützer erheblich erschüttert haben. Ich befürchte, dass auch viele Demonstranten am Samstag trotz bester Absichten eine ähnlich verheerende persönliche Klimabilanz haben. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Motive der Teilnehmer an der Großdemonstration am Hambacher Forst.

Kritik an der Großdemonstration am Hambacher Forst

Noch vor vier Wochen habe ich der Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS) vorgeschlagen, sich mit möglichst vielen Mitgliedern an den Protestaktionen im Hambacher Forst zu beteiligen. Die Zeiten sind vorbei. Heute nehme ich ganz bewusst nicht an der Großdemonstration teil. Ich habe mich in den vergangenen vier Wochen von einem Befürworter des Protests zu einem Gegner gewandelt. Denn am Hambacher Forst passieren sehr merkwürdige Dinge:

  • Hohe Funktionäre der SPD und der GRÜNEN, die noch im Jahr 2016 als Mitglieder der rot-grünen Koalition der Abholzung des Hambacher Forsts zugestimmt haben1, solidarisieren sich nur zwei Jahre später mit dem bunten Treiben von Baumbesetzern.
  • Das neoliberale Kampfblatt SPIEGEL2 sympathisiert offen mit einer Baumhausbesetzerin und ihren antikapitalistischen und anarchistischen Ansichten.3
  • Das Verständnis der Mainstream-Medien für die Baumbesetzer ist geradezu auffällig; nicht einmal das Bewerfen von Polizisten mit Kot und Urin ändert daran etwas.4 Nur TAGESSPIEGEL und CICERO äußern Kritik: Die Aufgabe der Medien ist Information, nicht Erziehung und Hambacher Forst und Chemnitz – Linke Gute und rechte Böse.  
  • Der BUND hatte in den Jahren 2015 bis 2017 für den Erhalt eines Waldschutzgebietes in Ebrach im Steigerwald geklagt und zwei krachende Niederlagen erlitten – sowohl vor dem Verwaltungsgerichtshof als auch vor dem Bundesverwaltungsgericht.5 Jetzt gewinnt er eine Klage gegen einen DAX-Konzern.6
  • Der DAX-Konzern RWE mit einem Jahresumsatz von 44,59 Mrd. €, einem Jahresgewinn von 1,9 Mrd. € und 59.333 Mitarbeitern7 betreibt eine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die amateurhaft und dilettantisch zu nennen noch eine Untertreibung ist. Über die Rekultivierung des Tagebaus und Umsiedlungsprogramme z. B. für die Bechsteinfledermaus erfahre ich erst zufällig durch eine Internetrecherche.

Die Demonstranten fordern den Ausstieg aus der Kohle und loben die Erfolge der Energiewende. Aber die Energiewende ist komplett gescheitert. Lesen Sie hier meinen ersten ausführlichen Artikel: Kritik an den Protesten im Hambacher Forst – die Postwachstumsökonomie von Niko Paech.

  1. 6. Juli 2016 – Kabinett beschließt neuen Landesentwicklungsplan und Garzweiler-Leitentscheidung []
  2. siehe die beinahe tägliche Kritik am SPIEGEL auf den NachDenkSeiten []
  3. siehe Sie denken, sie haben gewonnen, DER SPIEGEL 39 / 22.9.2018 []
  4. siehe Mit Fäkalien beworfen: Polizisten brechen Einsatz ab, NRZ vom 21.9.2018 []
  5. siehe Geschichte des Waldschutzgebietes bei Ebrach []
  6. siehe Rodung im Hambacher Forst gestoppt []
  7. Zahlen von 2017 []

Antwort von Albrecht Müller

Der Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, hat mir gestern sofort geantwortet. Seine Antwort hat mich sehr beeindruckt.

Albrecht Müller beim Pleisweiler Gespräch über Reichtum und Eliten am 30.7.2017

Offen und ehrlich gibt er zu, dass es „keine großen Differenzen“ zwischen ihm und mir gibt.

„Aber ich kann auch nicht ständig schreiben, wie erfolglos unsere Aufklärungsarbeit ist. Dann wäre die eigentlich richtige Konsequenz aufzuhören.“

Lesen Sie hier seine E-Mail: Antwort von Albrecht Müller.