Förstermärchen

Vor 10 Jahren erschien in der Zeitschrift Nationalpark ein Aufsatz, der in Naturschutzkreisen berühmt geworden ist. Der Aufsatz hieß „Forst- und Holzmärchen heute“ und sein Autor war Hans Bibelriether, der ehemalige Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Bibelriether greift die Interessenvertreter der Forst- und Holzindustrie scharf an: den Deutschen Forstwirtschaftsrat,  den Deutschen Forstverein, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und auch den damaligen bayerischen Forstminister Josef Miller. Er wirft ihnen „Schönfärberei“, „kaum zu überbietende Falschaussagen“, „professionelle Falschinformationen“, „reine Erfindungen“, „bewusste Unwahrheiten“ und „unglaubliche Volksverdummung“ vor.

Leider hat der Aufsatz nichts von seiner Aktualität verloren. Auch heute werden „Förstermärchen“ erzählt. Für die Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS) habe ich drei Förstermärchen kritisiert. Sie können meine Kritiken entweder hier auf der Homepage der BBIWS lesen oder hier auf meiner Seite: Förstermärchen.

Kennen Sie TreMs?

Wissen Sie, was ein TreM ist? Nein? Aber vielleicht wissen Sie, was ein tree-related microhabitat ist? Hilft Ihnen die deutsche Übersetzung Baummikrohabitat? Trösten Sie sich! Auch auf der Webseite der beiden größten Naturschutzorganisationen in Deutschland, dem BUND und dem NABU, werden Sie vergeblich nach Erklärungen suchen. Wenn Sie wissen wollen, was ein TreM ist, dann lesen Sie bitte die Fortsetzung meines Artikels über die 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald, der einen aktuellen Aufsatz von Thibault Lachat und Jörg Müller zusammenfasst.

In den Kapiteln 2 – 7 geht es u. a. um Totholz und Habitatbäume. TreMs werden im Kapitel über Habitatbäume erklärt. Zum Schluss wird der Unterschied zwischen integrativem und segregativem Naturschutz diskutiert und warum Lachat und Müller für letzteren sind.

Lesen Sie hier die Kapitel 2 – 7 meines Aufsatzes: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald

Erst vor 2 Monaten ist der wissenschaftlicher Sammelband über Saproxylic Insects erschienen. Darin enthalten ist folgender Aufsatz:

Es geht in diesem Aufsatz nicht nur um den Schutz der Urwälder. Und auch nicht nur um den Schutz der Totholzinsekten. Wenn man den Aufsatz genauer liest, findet man darin auch viele wertvolle Informationen zum Schutz der Wälder im allgemeinen. Leider sind diese in der Öffentlichkeit und auch in Teilen der Umweltschutzbewegung überhaupt nicht bekannt.

Lesen Sie hier den ersten Teil meiner Inhaltsangabe: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

Wie schützt man Urwaldrelikt-Arten?

Von den 20 Urwaldrelikt-Arten des Buchenurwalds von Uholka-Schyrokyj Luh in der Ukraine sind schon 7 in Deutschland ausgestorben. Die übrigen 13 stehen alle auf der Roten Liste. In der Fortsetzung meines Artikels über die Totholzkäfer in Uholka-Schyrokyj Luh widme ich mich ausführlich der Frage, wie man diese 13 vor dem Aussterben bewahren und schützen könnte.Ungleicher Furchenwalzkäfer
Ungleicher Furchenwalzkäfer (Rhysodes sulcatus) – eine der in Deutschland und fast allen europäischen Ländern ausgestorbenen Urwaldrelikt-Arten, die es in Uholka-Schyrokyj Luh noch gibt (Von SigaEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link)

Dabei stoße ich auf viele Wissenschaftler, die sehr nachdenklich sind und klipp und klar sagen, dass Urwaldrelikt-Arten in bewirtschafteten Wäldern nicht geschützt werden können und Schutzgebiete brauchen: u. v. a. Thibault Lachat, Martin M. Gossner und Jörg Müller. Das wirft ein düsteres Licht darauf, dass in Bayern gerade die Einrichtung eines dritten Nationalparks im Spessart, in dem es noch 13 Urwaldrelikt-Arten1 gibt, gescheitert ist.

Lesen Sie hier: Wie schützt man Urwaldrelikt-Arten?

  1. siehe Heinz Bußler, Hotspot-Gebiete xylobionter Urwaldreliktarten aus dem Reich der Käfer, LWF aktuell 76/210, S. 11 []

Stadtwald Lübeck ohne Freizeitakrobaten

Im fünften und letzten Teil der Fragestunde zum Vortrag „Wilde Wälder“ von Knut Sturm und Torsten Welle geht es um sehr unterschiedliche Themen: z. B. das Kalken der Wälder, die Ergebnisse der Koalitionsvereinbarungen und die Betreuung privater Waldbesitzer durch den Lübecker Forstamt. Für mich am interessantesten war, als Knut Sturm darüber erzählte, wie er 2013 die Selbstwerbung („Freizeitakrobaten“) im Stadtwald Lübeck verboten hat und wie die Lübecker Nachrichten damals vergeblich versuchten, gegen ihn Stimmung zu machen.

Hier geht es zum letzten Teil der Fragestunde: Teil 5 – Verbot der Selbstwerber, Kalken von Wäldern, Lübecker Umfrage, Betreuung privater Waldbesitzer

NWE nützt Naturliebhabern nichts

Vor drei Tagen veröffentlichte ich den Beitrag Ausverkauf im Rumbecker Wald, in dem ich mich über das Umsägen der letzten dicken Buchen im Rumbecker Wald beklagte und sehr drastische Schimpfworte für den Wald verwendete: Drecksloch und Scheißeimer.

Vielleicht werden Förster der Niedersächsischen Landesforsten des zuständigen Forstamts Oldendorf oder der Revierförsterei Dobbelstein einwenden:

„Alles dummer Quatsch! Unsinn! Natürlich gibt es dicke und alte Buchen im Rumbecker Wald. Es gibt doch die NWE-Flächen!“

NWE steht für „Natürliche Waldentwicklung“. Auf NWE-Flächen ist die Holznutzung nicht erlaubt.1 Weiterlesen

  1. siehe NWE5-NI-Info-Portal []

Gefährdet das Lübecker Modell Arbeitsplätze?

Die Fragestunde zum Vortrag „Wilde Wälder“ von Torsten Welle und Knut Sturm plätschert so vor sich hin, aber dann wird es richtig spannend. Ein Förster aus Würzburg meldet sich zu Wort und fährt schweres Geschütz auf:

„Die großen Forstverwaltungen, die Landesforstverwaltungen, die haben ein anderes Konzept. Da stecken Arbeitsplätze dahinter. Da steckt das Cluster Holz dahinter. Es gibt da eine Reihe von Sachzwängen, wo man dann fragen muss: Naja, wir wägen ab, wollen wir jetzt die Arbeitsplätze erhalten oder wollen wir Vorrat aufbauen? Letztlich wird es immer so sein, dass dann die Politik […] für den Menschen entscheidet und gegen ein Konzept wie dieses, das Sie gerade uns erklärt haben.“

Die Antwort von Knut Sturm finden Sie hier: Teil 4 der Fragestunde – Landesforsten und Arbeitsplätze.

Ausverkauf im Rumbecker Wald

Im März 2018 kauften die beste Ehefrau von allen und ich den Wanderführer Unser Sonntagsausflug von Ingeborg Müller. Das war ein Fehler. Wir übersahen, dass das Buch 10 Jahre alt war. Vermutlich war er schon 2008, im Jahr der 2. Auflage, überholt. 2018 aber stimmte nichts mehr: Der Rumbecker Berg bei Hessisch Oldendorf gilt bei Wanderern sicherlich nicht mehr als „Geheimtipp“.1 Vermutlich war er das auch nie wegen des Waldes, sondern einzig und allein wegen des Ludwigsturms, früher angeblich „einer der lohnendsten Aussichtstürme der Region“.2 Jetzt war er geschlossen. Und das Wandern wurde nicht „zur Lust“,3 sondern zu einer nicht enden wollenden Qual.

Es gibt nichts Schönes im Rumbecker Wald. Caspar David Friedrich wäre schreiend davon gelaufen. Für derart hässliche Wälder gibt es in der deutschen Sprache kein Schimpfwort: Holzacker? Holzplantage? Holzfabrik? Kunstforst? Försterwald? Das passt alles nicht. Drecksloch? Das kommt der Sache schon näher.

Am besten passt vielleicht ein Schimpfwort aus Ostwestfalen, das eigentlich nicht zitierfähig ist: Scheißeimer. Weiterlesen

  1. Ingeborg Müller, Unser Sonntagsausflug, Hameln 22008, S. 198 []
  2. a. a. O., S. 195 []
  3. ebd. []

Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht

In der Fragestunde zum Vortrag über „Wilde Wälder“ nimmt Knut Sturm kein Blatt vor den Mund:

Alle Eichenwälder in Deutschland sind bedroht. Als ich die Daten für den acidophilen Eichenmischwald gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken herunter gelaufen. […] Alle dicken Bäume werden abgeräumt, und es wächst nichts nach. Wenn man mir so etwas vor 10 Jahren vorgelegt hätte, als ich häufig in Entwicklungsländern gewesen bin, dann hätte ich gesagt, ich bin im Kongo oder in Brasilien, aber ich hätte nie gedacht, dass ich in Deutschland bin. […] Es gibt eine systematische Ausrottung von deutschen Waldgesellschaften.“

Hier geht es zu meinem Artikel: Teil 1 der Fragestunde – Nadelholzmangel, Eichenwälder, Nutzungsverzicht, Vorratsaufbau.