Prozessschutz und Verkehrssicherung

Wenn ich früher von einem Förster hörte, er müsse einen Baum wegen der Verkehrssicherung fällen, dann habe ich ihm beinahe schon grundsätzlich nicht geglaubt: siehe zum Beispiel Förster Herber und die Verkehrssicherung. Wenn ich auch nach wie vor glaube, dass im oben genannten Beispiel die Pflicht zur Verkehrssicherung nur vorgeschoben war, so sehe ich die Dinge heute differenzierter: siehe zum Beispiel Verkehrssicherung im Nationalpark Jasmund. Und auch der Leiter des Prozessschutzreviers Quierschied, Herr Wirtz, hat wirklich ein großes Problem: In einem Näherholungswald mit sehr vielen Besuchern sterben reihenweise die alten Buchen und drohen auf den Wanderweg zu fallen.

Lesen Sie hier meinen dritten Aufsatz zum Prozessschutzrevier Quierschied: Prozessschutz und Verkehrssicherung

Hinweis:
Der Aufsatz befindet sich hinter einer Paywall. Wenn Sie dies für unzulässig und anrüchig halten und meinen, Naturschutzarbeit müsse kostenlos und ehrenamtlich sein, dann empfehle ich Ihnen die kostenfreien Seiten des BUND zu diesem Thema. Sie können natürlich auch kostenlos das diesbezügliche Informationsangebot des NABU nutzen. Auch der örtliche Umweltschutzexperte der GRÜNEN wird Ihnen sicherlich umfassend und umsonst Auskunft erteilen.

Die Eiche und das Lübecker Modell

Man stelle sich einmal die folgende Szene vor: Die lokale Bürgerinitiative, die den Stadtwald schützen möchte, hat zu einer Diskussionsveranstaltung mit dem Stadtförster eingeladen. Es kommt zu folgendem Wortwechsel:

Förster: „Wie soll ich denn Ihrer Ansicht nach den Stadtwald bewirtschaften?“
Bürgerinitiative: „Wir finden das Lübecker Modell ganz hervorragend! Sie sollen die natürlichen Prozesse im Wald schützen! Wir sind für Prozessschutz!“1siehe Bundesbürgerinitiative Waldschutz – Unsere Positionen
Förster: „Wenn ich die natürlichen Prozesse im Stadtwald schütze, dann ist das das Todesurteil für die Eichen.“
Bürgerinitiative: „Todesurteil für die Eichen? Wieso das denn?“
Förster: „Es werden keine jungen Eichen mehr nachwachsen. Die Buchen haben im Stadtwald optimale Bedingungen und die jungen Buchen wachsen schneller als die Eichen und rauben ihnen das Licht. Die jungen Eichen werden aus Lichtmangel eingehen!“
Bürgerinitiative: „Das kann nicht sein! Im Lübecker Stadtwald wachsen auch Eichen! Und Knut Sturm verdient viel Geld damit!“
Förster: „Die alten Eichen hat Sturm alle von seinen Vorgängern übernommen. Im Lübecker Stadtwald gibt es keine Eichenverjüngung.“
Bürgerinitiative: „Das kann nicht sein! Sie lügen! Sie erzählen mal wieder Ihre typischen Förstermärchen!“

Nein! Der Förster hat recht. Es ist kein Förstermärchen, dass die Buche Eichenverjüngung nicht zulässt. Eichen und Prozessschutz vertragen sich schlecht. Oder geht das doch? Im Prozessschutzrevier Quierschied nahe Saarbrücken hat mir Revierleiter Wirtz erklärt, wie er erfolgreich Eichen verjüngt.

Lesen Sie hier den zweiten Teil aus meiner Serie zum Prozessschutzrevier Quierschied: Wie verjüngt man Eichen im Buchenwald?

Darf man Spechtbäume fällen?

Ich starte heute mit einer Serie von Artikeln zum Prozessschutzrevier Quierschied in der Nähe von Saarbrücken. Revierleiter Wirtz und sein Kollege Backes haben sich viel Zeit genommen und mir diesen Wirtschaftswald im Mai 2019 einen ganzen Tag lang gezeigt.

Revierleiter Roland Wirtz

Wirtz wirtschaftet nach dem Lübecker Modell. Das Lübecker Modell ist der Favorit nahezu aller Waldschützer.1 Viele kennen den Lübecker Stadtwald, dessen aktuellen Revierleiter Sturm und den ehemaligen Revierleiter Fähser. Das Revier Quierschied dagegen kennt sonderbarerweise kaum jemand. Das möchte ich ändern. Denn Wirtz und auch sein Kollege Backes haben mir vieles beigebracht, was ich noch nicht wusste, obwohl ich – fälschlicherweise – glaubte, das Lübecker Modell gut zu kennen.2 Außerdem entwickelt Wirtz auch neue Ideen und weicht in einigen Punkten von Knut Sturm ab. Und er tauscht sich mit dem vielleicht besten und kreativsten Waldbau-Professor in Deutschland aus: mit Prof. Jörg Müller.

Heute fange ich an mit dem folgenden Artikel: Darf man Spechtbäume fällen?

Hinweis:

1.
Dr. Georg Meister feiert heute seinen 90. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Der Forstamtsleiter a. D. zählt zu den wichtigsten Kritikern der völlig unzureichenden Jagd in Deutschland. Einen aktuellen Aufsatz von ihm finden Sie in der Ausgabe 1 – 2019 des Ökojagd-Magazins, der Zeitschrift des Ökologischen Jagdverbands (OJV). Der Titel des Aufsatzes lautet: Das Reh – eine Wildart wird zum Zuchtobjekt und schädigt seine Umwelt.

2.
Mein nächster Artikel aus der Serie zum Prozessschutzrevier Quierschied erscheint am 15. Juli. Das Thema lautet dann: Wie verjüngt man Eichen im Buchenwald?

  1. siehe zum Beispiel die BBIWS []
  2. siehe der Lübecker Stadtwald []

Naturschutzdefizite des Fürstlichen Forstamts

In meinem letzten Beitrag hatte ich eine Stellungnahme von Herrn Matthaei angekündigt. Ich habe keine bekommen. Nicht von ihm und auch nicht vom Leiter des Forstamts, Herrn Weber. Beide verweigerten ein Gespräch. Dabei hätte ich sehr gerne mit ihnen darüber gesprochen, ob und wie sie Naturschutzziele in die Bewirtschaftung ihrer Buchenwälder integrieren.

Buchenwaldwirtschaft im Harrl

Statt einer Stellungnahme des Forstamts veröffentliche ich nun eine Auflistung seiner Naturschutzdefizite. Dabei berufe ich mich auf eine Veröffentlichung, die in Naturschutzkreisen leider viel zu wenig bekannt ist: die Templiner Erklärung des Jahres 2009. Sie wurde u. a. vom NABU und der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) erarbeitet und zeigt auf, wie Naturschutzziele in die Bewirtschaftung von Buchenwäldern integriert werden können. Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Keine Stellungnahme des Forstamts zum Naturschutz im Harrl.

Fällen der letzten Altbuchen

Vor vier Jahren hatte ich meinen letzten Artikel über den Bückeburger Wald geschrieben und den Wald damals als hoffnungslosen Fall abgeschrieben. Um den durch Schirmschlag ruinierten Buchenwald hatte ich seitdem einen großen Bogen gemacht. Ein kurzer Besuch im April 2019 zeigte mir, dass es nicht besser geworden ist.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel mit vielen Fotos und einem Video: Räumungshieb im Harrl.

Hinweis: Im Verlauf der ersten Juniwoche werde ich eine Stellungnahme des zuständigen Revierleiters Herrn Matthaei veröffentlichen. Am 15. Juni starte ich dann eine Artikelserie über das Revier Prozessschutz bei Quierschied. Ich habe das Revier besucht und war von Revierleiter Roland Wirtz und seinem Kollegen Urban Backes sehr beeindruckt.

Der Urwald vor den Toren der Stadt Saarbrücken

Besuchen wollte ich den Saarbrücker Urwald schon im Jahr 2014. Ich arbeitete damals in der Bürgerinitiative „Waldschutz Essen“ und wir stritten uns wie die Kesselflicker mit dem Essener Forstamt u. a. über Fragen der Verkehrssicherung.1 Ich telefonierte mit dem damaligen Urwaldförster Martin Müller und staunte, wie anders und wie gut SaarForst die Verkehrssicherung handhabte.2 Ich hätte noch mehr gestaunt, wenn ich schon damals den Urwald besucht und den Wilden Netzbachpfad gegangen wäre. Das habe ich jetzt nachgeholt und ich war sehr beeindruckt: So einen Wanderweg habe ich selbst in deutschen Nationalparks nie gesehen!

Über den Urwald und seine Entstehung habe ich mich lange mit Gangolf Rammo vom saarländischen Umweltministerium unterhalten. Rammo war auch so freundlich, meiner Frau und mir den Urwald zu zeigen. Wegen der vielen Informationen veröffentliche ich deshalb gleich zwei neue Artikel:

Hinweis: Der nächste Artikel erscheint am 30. Mai. Dann zeige ich mit erschütternden Fotos und schaurigen Videos, wie das Fürstliche Forstamt vor den Toren der Stadt Bückeburg die Altbuchen abräumt.

  1. siehe Der Essener Stadtwald []
  2. siehe Betriebsanweisung Verkehrssicherung – Stand Februar 2013 []

Plattgemachte Märzenbecher

Es gibt Forstarbeiten, die Spaziergänger in helle Empörung versetzen. So geschehen im Hamelner Stadtwald im Januar 2018, als Forstarbeiter im Naturschutzgebiet Schweineberg beim Holzrücken schwere Bodenschäden anrichteten – und zwar genau dort, wo zwei Monate später die berühmte Märzenbecherblüte stattfinden und wieder hunderte Schaulustige anlocken sollte. Im Januar 2018 lösten die Forstarbeiter eine Kaskade von Ereignissen aus: Spaziergänger informierten den lokalen BUND-Vorsitzenden, der wiederum das Forstamt, die Stadtverwaltung und die Untere Naturschutzbehörde. Das Lokalradio und die Zeitung berichten, der Umweltausschuss setzt die Bodenschäden auf die Tagesordnung.

Ich dokumentiere ausführlich den damaligen Skandal, dessen Ablauf und Ergebnis mir typisch scheint für Umweltskandale: Erst sind alle ganz fürchterlich „betroffen“ und fordern dringend „Maßnahmen“ und am Ende verläuft alles im Sand. Außerdem beleuchte ich die sonderbare Rolle der BUND-Kreisgruppe und auch die irrwitzige Rolle, die Facebook damals spielte. Ein Schwerpunkt des Artikels sind dann die Fotos, die ich ein Jahr nach dem Skandal gemacht habe: Ich erwartete verwüstete Rückegassen mit katastrophalen Bodenschäden, wo kein Märzenbecher mehr wächst. Nie mehr! Aber so war es nicht.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Märzenbecher plattgemacht – Der Streit um die Rückegassen im Naturschutzgebiet Schweineberg im Januar 2018.

Hinweis: Mein nächster Artikel erscheint am 15. Mai. Thema wird dann sein eine wunderschöne Wanderung, die ich im Urwald von Saarbrücken gemacht habe.

Wir müssen reden!

„Ich würde mir sehr wünschen, dass die Bevölkerung einfach mal hinguckt und dann zwar kritische Fragen stellt, aber nicht schon mit einer Vorverurteilung kommt und einen mit Google-Halbwissen konfrontiert und unterstellt, dass man nur die Unwahrheit sagt.“

Das sagt Urban Backes, Revierförster bei SaarForst. Ich habe mich daran gehalten. Am Schweineberg, wo gerade der Märzenbecher blüht, habe ich bei zwei Hiebsmaßnahmen hingeguckt und fotografiert. Dann habe ich den zuständigen Stadtförster angerufen und kritische Fragen gestellt. Und wir haben geredet. Lange. Und beim nächsten Mal reden wir bei einer Tasse Kaffee über Lübeck.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Gespräch über die Holzernte am Schweineberg.

Wandervorschlag – Zur Märzenbecherblüte nach Hameln

Wenn Sie in der Nähe von Hameln wohnen, habe ich einen Wandervorschlag für Sie: Besuchen Sie einmal in den nächsten Wochen die Märzenbecherblüte am Schweineberg! Sie gilt als die größte in Norddeutschland und das dazugehörige Naturschutzgebiet ist das älteste in Niedersachsen. In meinem neuen Artikel beschreibe ich u. a., wie Sie dort am besten hinkommen. Und es gibt eine Premiere: Zum ersten Mal empfehle ich Ihnen auch ein Restaurant in unmittelbarer Nähe.

Lesen Sie hier meine neue Wanderempfehlung: Märzenbecherblüte am Schweineberg.