Spaziergang zur dicksten Buche im Steigerwald

Ich werde mich zur Aufhebung des Geschützten Landschaftsbestandteils „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ durch die Regierung in Oberfranken zum 1. September 2015 nicht äußern. Ich riskiere sonst gleich mehrere Anzeigen wegen Beleidigung nach § 185 StGB und außerdem ein Disziplinarverfahren wegen Verstoßes gegen die außerdienstliche Wohlverhaltenspflicht nach § 34 Satz 3 BeamtStG. Als Beamter verkneife ich mir jeglichen Kommentar zur Annullierung des Schutzgebietes, denn ich möchte kein Dienstvergehen im Sinne des § 47 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG begehen.

Stattdessen verweise ich auf die von Ulla Reck akribisch gesammelten Zeitungsartikel zum Nationalpark Steigerwald, auf die Webseite des Vereins Nationalpark Nordsteigerwald und dessen Facebook-Seite. Außerdem möchte ich die viel zu wenig bekannte Facebook-Seite Mein Steigerwald empfehlen, die die Holzeinschläge des Ebracher Forstamts dokumentiert.

Ich möchte über etwas Schönes schreiben. Der Bund Naturschutz in Bayern hat 2012 einen sehr empfehlenswerten Naturwanderführer für den Steigerwald herausgegeben. Leider fehlt darin eine Tour zu einer der Hauptattraktionen des Steigerwalds: nämlich zur dicksten Buche im Steigerwald. Diese Lücke möchte ich füllen. Im August 2014 führte Georg Sperber meine Bekannte Silvia Roelcke und mich zu diesem sehenswerten, über 300 Jahre alten Buchengiganten und erzählte uns vieles über die Geschichte des Winkelhofer Forsts, in dem er steht. Lesen Sie hier meinen ausführlichen Bericht mit zahlreichen hochauflösenden Fotos: Spaziergang zur dicksten Buche im Steigerwald.

Georg Sperber und ich an der Buchenmatrone

Wäre es nach seinen Vorgesetzten gegangen – der junge Forstamtsleiter Sperber hätte die Buche Anfang der 70er Jahre eigentlich fällen müssen. Aber Sperber widersetzte sich den dienstlichen Anweisungen und verstieß damit gegen § 35 Satz 2 BeamtStG. Ich hätte ihn fragen sollen, wie er aus der Nummer damals herausgekommen ist.

Dokumentation über den Steigerwald aus dem Jahr 1976

1976 drehte Heinz Ehrenkäufer1 den 45-minütigen Naturfilm „Wo der Wald am grünsten ist – der Buchenwald“. Wissenschaftlicher Berater und Kommentator war Dr. Georg Sperber – damals gerade vier Jahre Leiter des Forstamts Ebrach. Der Film wurde im Steigerwald gedreht.

 

Er wäre damals um ein Haar nicht vom BR gesendet worden, weil der Film den Bayerischen Staatsforsten zu kritisch war. So schwenkt die Kamera gleich in der zweiten Minute über eine künstlich angepflanzte Nadelholzkultur im Winkelhofer Forst des Forstamts Ebrach, wo vor Sperbers Dienstantritt 200 ha eines uralten Buchenbestandes kahlgeschlagen worden waren.2  Weiterlesen

  1. siehe Laudatio zur Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt im Jahr 1993 und 90. Geburtstag Heinz Ehrenkäufer []
  2. siehe Georg Sperber, Forstwirtschaft und Naturschutz in Buchenwäldern, Woher – wohin?, S. 54 []

Exkursionsbericht vom Schattiner Zuschlag in Lübeck

Die Sommerferien in NRW sind zwar vorüber, aber in unserem neuen Haus sieht es immer noch aus wie auf einer Baustelle und im Garten überwuchern die Wildkräuter Zucchini, Gurken und Tomaten. Ich werde also auch in den nächsten Monaten nur wenige Artikel veröffentlichen.

Exkursionsgruppe mit dem Lübecker Stadtförster Jörg Baeskow (2. v. l.)

Am 6. Juni 2015 fand im Rahmen der Lübecker „Aktionstage Artenvielfalt erleben“ eine Exkursion in den Schattiner Zuschlag statt.1 Die Exkursion wurde geleitet von Revierförster Jörg Baeskow. Die Exkursionsteilnehmer erfuhren nicht nur viel über die Geschichte des Zuschlags, sondern auch über die deutschlandweit vorbildliche Waldbewirtschaftung der Stadt Lübeck.2 Hier geht es zu meinem Bericht: Exkursion in den Schattiner Zuschlag mit Revierleiter Baeskow.

  1. siehe meinen Artikel aus dem Jahr 2013 „Totalreservat Schattiner Zuschlag„ []
  2. siehe dazu auch meine Artikelserie über den Lübecker Stadtwald []

Videos zum Stadtwald Lübeck auf YouTube

Es gibt 15 Filme, die die Filmemacherin Tink Diaz über den Stadtwald Lübeck und seine naturnahe Waldwirtschaft gedreht hat.1 Außer einer klitzekleinen Gruppe Eingeweihter kennt diese Filme aber niemand. Leider! Denn sie sind richtig gut. Richtig richtig gut! Aber Hilfe naht: Marc Langentepe, Pressesprecher der Stadt, arbeitet seit drei Monaten mit Hochdruck daran, die Filme hochzuladen. Wer nicht so lange warten möchte, kann die Filme auch auf DVD bei der Sekretärin des Stadtwalds Frau Völker bestellen.

  1. siehe Der Stadtwald Lübeck []

Ist das Lübecker Modell ein wirtschaftlicher Flop?

Am vergangenen Freitag, den 15. Mai 2015, veröffentlichte das Holz-Zentralblatt  folgende Titelstory:

Holzzentralblatt

Im Mittelpunkt steht ein Prüfbericht des Landesrechnungshofs Schleswig-Holstein, der den Lübecker Stadtwald scharf angreift. Ich stelle Ihnen den Prüfbericht vor. Seine Kritikpunkte sind gegenstandslos. Seine Forderungen sind skandalös: In einer verstörenden Offenheit wird die Entlassung von Waldarbeitern, Revierleitern und Verwaltungsangestellten und eine 50%ige Erhöhung des Holzeinschlags gefordert.

Für Umweltschützer ist der Prüfbericht sehr aufschlussreich: Er bietet tiefe Einblicke in die skurrilen Gedanken, die sich hohe Landesbeamte heutzutage über den Wald machen. Hier geht es zu meinem Aufsatz: Die Kritik des Landesrechnungshofs am Lübecker Stadtwald.

Maiglöckchen in Naturwaldzelle Nammer Berg

Seit dem Wochenende blühen die Maiglöckchen in der Naturwaldzelle Nammer Berg. Sie wachsen dort nur an einer einzigen Stelle und das auch nur auf einer Fläche von höchstens 25 m2. In den umliegenden privaten Wirtschaftswäldern habe ich sie noch nicht entdeckt – und das, obwohl diese teilweise herrlich verwahrlost und ungepflegt sind und schöne alte Buchenbestände aufweisen.

Harrl – Auf der Suche nach der Waldpolizei

Ohne diese zwei Wälder hätte es meinen Internetblog nie gegeben: den Stadtwald in Essen und den Wald im Harrl nahe Bückeburg. Ich las damals gerade das Buch „Wald ohne Hüter“ von Peter Wohlleben und das, was ich in Essen und im Harrl sah, war wie eine perfekte Illustrierung all dessen, was Wohlleben an der deutschen Forstwirtschaft kritisiert.

Es gibt eine neue Hiebsmaßnahme im Harrl. Aus diesem Anlass habe ich mich auf die Suche nach der Waldpolizei gemacht. Ich hatte die naive Hoffnung, dass irgendjemand das Fürstliche Forstamt in Bückeburg kontrolliert und dass irgendjemand aufpasst, dass im Harrl alles sein Recht und seine Ordnung hat. Meine Suche wurde enttäuscht: Ich habe mit dem Naturschutzamt und den Niedersächsischen Landesforsten telefoniert und niemand überwacht in irgendeiner Weise Forstdirektor Christian Weber und Revierleiter Alfred Matthaei. Hier mein mit zahlreichen Fotos illustrierter Bericht: Harrl – Auf der Suche nach der Waldpolizei.

Einspruch abgelehnt

In seinem Buch „Der geplünderte Staat“ behauptet James K. Galbraith, Amerika sei seit George W. Bush „eine Art Unternehmensrepublik, in der die Regierung die gleichen Methoden und Normen, die gleiche Kultur und die gleiche Korruption an den Tag legt wie Wirtschaftskonzerne.“1. Die Unternehmensrepublik höhlt die Gewalt der Justiz aus:

„Sie füllt die Gerichtssäle mit Funktionären, die dem Willen der Regierung den Weg bereiten. Dies ist genau die Aufgabe des Aufsichtsrats eines modernen Unternehmens […]: ein dekoratives Gremium, dem es an relevanter Sachkenntnis mangelt und dem lediglich die Aufgabe zukommt, die Entscheide des Managements abzusegnen.“2

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat meinen Einspruch gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Constantin von Waldthausen und Andreas Brandt abgelehnt. Ich hatte Anzeige wegen des Kahlschlags eines Buchenwalds im FFH-Gebiet Teufelsbad gestellt.

 

Den Wortlaut finden Sie hier: Zurückweisung des Widerspruchs durch Staatsanwältin Wortmann.

  1. James K. Galbraith, Der geplünderte Staat, Zürich 2010, S. 238 []
  2. a. a. O., S. 240 f. []

Zum Internationalen Tag des Waldes

Am 21. März war der Internationale Tag des Waldes. In einer Pressemitteilung von zwölf Nicht-Regierungs-Organisationen heißt es dazu:

In Deutschland gibt es […] nur verschwindend wenige alte, ungestörte artenreiche Wälder. Hierzulande müssen mehr strenge Schutzgebiete und gute Waldgesetze geschaffen werden, um in echten Naturwäldern und in ökologisch bewirtschafteten Wäldern die biologische Vielfalt der Wälder zu erhalten und zu verbessern. Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND): „Deutschland trägt dabei für den Schutz und Erhalt der europäischen Buchenwälder eine besondere globale Verantwortung […].“

Beim Schutz und Erhalt der Buchenwälder im FFH-Gebiet Teufelsbad ist dem Klosterkammerforstbetrieb unter Leitung von Forstdirektor Constantin von Waldthausen ein bedauerliches Missgeschick passiert:

Philosophenhuegel_Pano_800Philosophenhügel im FFH-Gebiet Teufelsbad1

Weitere Auflösungen:

  1. Kahlschlag im November 2013, Aufnahme vom 22. März 2015 (2.818 x 800 Pixel, 2,3 MB) []