Winterwanderung zum Rachel

Die Verwaltung des NLP Bayerischer Wald behandelt den Großen Rachel wie ein Stiefkind. Im Sommerführungsprogramm 2016 gibt es nur eine einzige Führung, die hinauf zum Gipfel führt – am 14.7. Sie nennt sich „Auf wilden Pfaden zum Rachel“ und steht unter dem Motto „Nationalpark und Schöpfung“. Vermutlich werden die Teilnehmer viel Besinnliches über Tod und Auferstehung hören von Pastoralreferent Scheuerecker und Religionspädagogin Keilhauer. Da kann ich nicht mithalten.

Mich beschäftigt dagegen die Frage, warum Mark Swanson von der Washington State University meint, dass gerade solche Ökosysteme wie am Großen Rachel besonders schützenswert sind. Ich stelle Ihnen dazu 3 neue Arbeiten von Lukas Lehnert, Simon Thorn und Burkhard Beudert vor und beschäftige mich auch mit der Natural Disturbance Conference, die 2013 im NLP stattfand. Hier geht es zu meinem Bericht: Winterwanderung zum Rachel.

Panoramafoto vom Rachel im Spätwinter

Panoramafoto Rachel

Das Panoramafoto gibt es auch in zwei wesentlich höheren Auflösungen:

Das Foto entstand im April 2015 auf dem Auerhahn-Wanderweg, der vom Wanderparkplatz Gfäll zum Großen Rachel im NLP Bayerischer Wald führt. Der Borkenkäfer hat die „ursprüngliche Waldnatur“ und den „fast unberührten Bergwald“ (Bibelriether)1 dramatisch verändert. Warum die  Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes unrecht hat mit ihrem Vorwurf, hier sei „nichts da, nur Gras und Baumstümpfe“2 und warum die Hochlagen am Rachel gerade in ihrem jetzigen Zustand besonders wertvoll und schützenswert sind, das diskutiere ich in einem Artikel, der in den nächsten Tagen erscheint.

  1. Hans Bibelriether, Hartmut Strunz, Nationalparkführer Bayerischer Wald, München 1975, S. 33 und 34 []
  2. siehe Tote Hose am Rachel []

Panoramafoto am Lieselbrunnen

Panoramafoto Lieslbrunn

Das Panoramafoto gibt es auch in zwei wesentlich höheren Auflösungen:

Das Foto entstand im April 2015 wenige 100 m vor dem Lieselbrunnen. Der Brunnen liegt in 1.100 m Höhe am Auerhahn-Wanderweg, der vom Parkplatz Gfäll zum Großen Rachel im NLP Bayerischer Wald führt. 1975 schrieb Hans Bibelriether noch:

„Der Rundweg ‚Auerhahn‘ führt vom Gfällparkplatz zunächst durch etwas eintönige jüngere Waldbestände aus Fichten und Buchen, die nach einer großen Sturmkatastrophe 1929 entstanden sind.“1

Nur 40 Jahre später ist der Wald hier dank des Borkenkäfers alles andere als „eintönig“: Der „Agent des grünen Empires mit der Lizenz zum Töten“ hat eine abwechslungsreiche Wildnis geschaffen:

„Ja wenn’s nur grad überall so wär‘ auf der schön Welt.“

Lieslbrunn_Holztafel

  1. Hans Bibelriether, Hartmut Strunz, Nationalparkführer Bayerischer Wald, München 1975, S. 33, Hervorhebungen von mir []

Le parc, c’est moi!

Im Oktober 2015 wurden in der Naturzone des Nationalparks Bayerischer Wald hunderte von Douglasien gefällt.

Dazu habe ich dem neuen Pressesprecher Köppl mehrere Fragen gestellt. Nur die wenigsten konnte er beantworten und verwies mich stattdessen an den Chef persönlich: Dr. Franz Leibl. Dieser lässt mir durch seine Sekretärin ausrichten, er stehe für ein Telefoninterview nicht zur Verfügung, lade mich aber jederzeit zu einem persönlichen Gespräch nach Grafenau ein. Dieses Gebaren wäre selbst dann eine Unverschämtheit, wenn ich in Passau wohnen würde. Aber ich wohne in Porta Westfalica. Bis Grafenau sind es 675 km.

Hier geht es zu meinem ausführlichem Bericht mit vielen Fragen und wenigen Antworten: Fällen von Douglasien in der Naturzone am Scheuereckriegel.

Zwei Worte

Manuel Köppl, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im NLP Bayerischer Wald, hat meinen Irrtum korrigiert: Der Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach verstößt nicht gegen den Nationalparkplan. Ich hatte zwei Worte überlesen. Und es sind in der Tat nur diese zwei Worte, die die NLP-Verwaltung zum Großkahlschlag ermächtigen.

Nichtsdestotrotz bin ich weiterhin der Meinung, dass die gesetzliche Grundlage für den Kahlschlag am Vorderscheuereckbach äußerst brüchig ist. Eine mutige NLP-Leitung hätte den Windwurf liegen lassen, ohne gegen die Nationalparkverordnung zu verstoßen. Hier geht es zu meinem vervollständigten und korrigierten Bericht: Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach.

Kritik am Heimatgefühl des Waldlers

Zufällig bin ich über einen Aufsatz von Martin Müller gestolpert, der sich mit dem Konflikt zwischen NLP-Befürwortern und -Gegnern im Bayerischen Wald auseinandersetzt.1 Ich habe mich über den Aufsatz sehr geärgert, denn Müller läßt die NLP-Gegner und ihre sehr spezielle Vorstellung von Heimat viel zu gut wegkommen. Eine kritische Analyse der Waldler ist nicht sein Ding. Ich dagegen halte das Heimatbild der Waldler für verlogenen Gefühlskitsch. Hier geht es zu meiner ausführlichen Analyse: Da Woid is‘ unser Hoamatland – Zur Kritik am Heimatgefühl des Waldlers.

Johann Christian Kröner Rotwildrudel auf einer Waldlichtung 1899

  1. How natural disturbance triggers political conflict: Bark beetles and the meaning of landscape in the Bavarian forest. []

Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach im Nationalpark Bayerischer Wald

Im Erweiterungsgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald stolpert man eigentlich an jeder Ecke über einen Kahlschlag. Über den im Tal des Vorderscheuereckbachs stieß ich zufällig, als ich den Harvester suchte, der die Douglasien in der Naturzone gefällt hatte. Ich hatte gerade den Harvester entdeckt und fotografiert und drehte mich um, als ich merkte, dass der hübsche buchenreiche Bergmischwald hier lichter und lichter wurde. Ich ging ein paar Schritte weiter und stand vor dem Großkahlschlag:

Spiegelhuette_Kahlschlag_800

Es muss damals, als dieser und andere große Windwürfe nach dem Sommersturm Meikel am 13. Juli 2011 geräumt wurden, zu heftigen Protesten von Besuchern gekommen sein. In einer Mitteilung der NLP-Verwaltung steht:

„Die Aufarbeitung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für Besucher waren an vielen Orten spürbar. […] Durch den enormen Holzanfall kam es insbesondere im Falkenstein-Rachel-Gebiet zeitweise zu erheblichen Beeinträchtigungen von Besucherwegen. Zum Teil mussten aus Sicherheitsgründen Besucherwege auch gesperrt werden. Wanderer und Radfahrer wurden durch Seilkräne, Harvester, Rückefahrzeuge, Holztransporter und den Lärm zahlreicher Motorsägen gestört. Dies führte zu zahlreichen Beschwerden bei der Nationalparkverwaltung und in den Informationszentren.“1

Diese Pressemitteilung will nicht so ganz passen zu den sonstigen Jubelmeldungen der Verwaltung, dass alle Besucher sich wegen der tollen Waldwildnis ein zweites Loch in den Bauch freuen. Selbst die Anwohner des NLP, die ja angeblich die ganze Borkenkäferbekämpfung fordern, scheinen sich aufgeregt zu haben:

„Aber auch die Bewohner der Nationalparkgemeinden wurden besonders durch den Abtransport des angefallenen Holzes stark beeinträchtigt2

Der NLP verkommt zu einer Holzfabrik, in der den Förstern alles und der Natur nichts erlaubt ist.

In der Pressemitteilung steht aber noch ein Satz, der aufhorchen lässt:

„Im Falkenstein-Rachel-Gebiet werden die Windwürfe im Randbereich und außerhalb der Naturzonen (Wildnisbereiche) aufgearbeitet.“

Und genau das geht laut Nationalparkplan nicht. Der Kahlschlag liegt nach meinen Recherchen in Entwicklungszone 2 c und diese gehört nicht zur Borkenkäferbekämpfungszone. Das Räumen am Vorderscheuereckbach verstößt nach meiner Meinung gegen den Nationalparkplan. Hier geht es zu meiner umfangreichen Recherche und zu meiner Bitte um eine offizielle Stellungnahme: Großkahlschlag am Vorderscheuereckbach.

  1. Orkan am 13. Juli 2011, Hervorhebungen von mir []
  2. ebd., Hervorhebung von mir []

Fällen von Douglasien in der Naturzone des Nationalparks Bayerischer Wald

Der Nationalparkplan für den Nationalpark Bayerischer Wald schreibt klipp und klar vor:

„Die Zone 1 [= Naturzone] beinhaltet sämtliche Flächen des Nationalparks, auf denen grundsätzlich keine menschlichen Maßnahmen vorgesehen sind. Hier sollen sich die Wälder wieder zu Naturwäldern, zur Waldwildnis entwickeln. In der Naturzone hat der Ablauf natürlicher Prozesse Vorrang.“1

Ausnahmen gelten nur für die Hochlagen beim Ausbleiben natürlicher Walderneuerung und bei Bedenken wegen der Verkehrssicherung.2

Vor genau einem Jahr, am 1.11.2014, wurde die Naturzone um „316 ha Bergmischwald nordöstlich der beiden Ortschaften Buchenau und Spiegelhütte3 vergrößert. Und genau in dieser Naturzone wurden nun im Oktober 2015 Douglasien gefällt:

Ich habe deswegen Manuel Köppl, den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im NLP, um eine offizielle Stellungnahme gebeten. Hier geht es zu meinem Brief: Weiterlesen

  1. Walderhaltungs- und Waldpflegemaßnahmen, S. 6, Hervorhebungen von mir []
  2. ebd. []
  3. Jahresbericht 2014, S. 10 []