Bankrotterklärung Nr. 2 – Rainer Mausfeld

Einer der klügsten Kritiker des Neoliberalismus in Deutschland ist Rainer Mausfeld. Er ist nicht nur sehr klug, er ist auch sehr erfolgreich. Zumindest dann, wenn man den Erfolg an Klickzahlen auf YouTube misst. Sein Vortrag „Warum schweigen die Lämmer?“ wurde über eine halbe Million Mal angeklickt, sein Vortrag „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ fast eine Million Mal.

Rainer Mausfeld am 22. Oktober 2017 beim 28. Pleisweiler Gespräch in Landau

Trotzdem ist auch der politische Erfolg von Mausfeld genauso wie der der NachDenkSeiten gleich Null. Wie Albrecht Müller hat auch er nicht den geringsten Einfluss auf die Politik. Und was noch viel schlimmer ist: Auch Mausfeld hat nicht die geringste Idee, was die Bürger tun sollen. Auch bei ihm spreche ich deshalb von einer Bankrotterklärung.

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Auf die Frage „Was sollen die Bürger tun?“ weiß Mausfeld keine Antwort. Aber er weiß um seine eigene Ratlosigkeit. Man muss ihm nur genau zuhören. In einem Interview antwortet er auf die Frage „Welche Möglichkeiten haben denn die Bürger, um die Demokratie zu stärken?“ folgendes:

„Eine konkrete Antwort auf diese Frage zu geben, ist schwierig und banal zugleich. Denn natürlich hat jeder von uns in seinem sozialen Lebensbereich eine Vielzahl von Möglichkeiten, einen Beitrag hierzu zu leisten.“1

Der Leser ist gespannt und wartet auf konkrete Beispiele: Es kommt kein einziges. Denn:

„Und es kann dafür keine allgemeinen einfachen Rezepte geben. Zwar könnte man hier auf Antonio Gramscis Bemerkung verweisen, dass uns auch bei einem Pessimismus des Intellekts der Optimismus des Willens bleibt. Leider hilft das jedoch auch nicht sonderlich, eine konkrete Antwort auf Ihre Frage zu geben.“

Immer dann, wenn Politikern nichts mehr einfällt, reden sie so wie Mausfeld: Es gibt „keine allgemeinen einfachen Rezepte.“ Mausfeld hat nicht eine einzige „konkrete Antwort“. Das ist sonderbar, wo es doch angeblich eine „Vielzahl von Möglichkeiten“ gibt. Genauso sonderbar ist, dass diese „Vielzahl von Möglichkeiten“ überhaupt nicht zu Mausfelds politischer Analyse passt:

„Faktisch haben also die Bürger, das war ja gerade die Leitidee einer Elitendemokratie, keinen Einfluss, sie sind politisch entmachtet.“

Auf die Nachfrage „Ihre Ausführungen lassen wohl keinen optimistischen Ausblick zu, oder?“ fallen Mausfeld am Ende tatsächlich nur Banalitäten ein:

„Möglichkeiten zum politischen Handeln gibt es genug. Wir müssen uns nur entschließen, sie zu ergreifen.“

Die Antwort darauf, welche Möglichkeiten das sind, die die einflusslosen, entmachteten Bürger in der Elitendemokratie nur „ergreifen“ müssen, verweigert Mausfeld konsequent. Er nennt keine einzige. Ich nenne das eine Bankrotterklärung.

Schluss

Es ist nicht so, dass ich klüger bin als Mausfeld und dass mir irgendeine „Möglichkeit zum politischen Handeln“ einfallen würde: In die SPD eintreten? Oder in die Linkspartei? Vielleicht bei Aufstehen mitmachen und „Teil der Bewegung“ werden? Soll ich als Betreiber dieser Webseite jemandem, der mich nach Möglichkeiten fragt, den Wald zu schützen, raten, beim BUND oder NABU mitzuarbeiten? Ernsthaft? Dazu sagt Mausfeld völlig zu Recht:

„Ein realitätsleerer Optimismus mag sich gut anfühlen, kann uns hier jedoch nicht helfen.“

Aber anders als Mausfeld sage ich ganz offen, dass ich bankrott bin.

  1. Hervorhebungen von F.-J. A. []