Massive Schälschäden in der Hohen Schrecke

Die Hohe Schrecke ist ein Naturschutzgroßprojekt in Thüringen. 2.000 ha Wald sollen hier der forstlichen Nutzung entzogen und wieder Wildnis werden. Projektträger ist die Naturstiftung David, die vom BUND gegründet wurde. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 9,4 Mio. €. Eines der Juwelen des Projekts ist das Wiegental, ein großer geschlossener Bestand von bis zu 250jährigen Buchen, wie es ihn nirgendwo sonst in Deutschland gibt. Ich habe im August das Wiegental besucht und war entsetzt: Nahezu alle jungen Bäume – Buche, Ahorn, Esche, ob fingerdick oder armdick – waren von Rothirschen geschält.

geschälte Ahornbäume im Wiegental

Ich dokumentiere die Schälschäden ausführlich mit hochauflösenden Fotos. Im Anschluss daran fasse ich ein Telefoninterview mit Dr. Dierk Conrady, dem Projektleiter vor Ort, zusammen, das ich gestern geführt habe. Weitere Telefoninterviews mit Förstern und Wildtierbiologen werden in den nächsten Tagen folgen. Hier geht es zu meinem Bericht: Massive Schälschäden im Wiegental.

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Irrtümer über den Urwald

Uholka_Windwurf_Panorama_3_800Panoramafoto eines Windwurfs im Buchenurwald Uholka

Weil die allermeisten noch nie einen Urwald gesehen haben, wird damit viel Schindluder getrieben. Ein schönes Beispiel ist der Aufsatz „Spannungsfeld Forstwirtschaft und Naturschutz – Konflikte um eine nachhaltige Entwicklung der Biodiversität“ von Ernst-Detlef Schulze und Christian Ammer.1 Weiterlesen

  1. Biologie in unserer Zeit, 5/2015 (45), S. 304 – 314, siehe dazu die schöne Zusammenstellung auf der Webseite von Silvia Roelke Schulze / Ammer contra Müller / Weisser / Wilhelm; der Artikel ist nicht online, aber gegen ein geringes Entgelt über die Fernleihe der Stadtbibliothek zu beziehen []
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Fast keine Fotos von Uholka bisher im Internet

Sucht man mit Google nach Fotos vom Buchenurwald Uholka, stellt man schnell fest: Es gibt fast keine!1 Die meisten Fotos, die Google findet, stammen vom Profifotograf Thomas Stephan. Er hat 13 Fotos ins Netz gestellt: Sie haben immerhin eine Auflösung von 1.200 x 800 Pixeln, aber 13 Fotos sind nicht wirklich viel und nur 7 der 13 Fotos zeigen Innenansichten des Urwalds.

Ich finde den Befund, dass es fast keine Fotos von Buchenurwäldern im Netz gibt, erstaunlich: Denn es gibt kein Forstamt, das nicht hoch und heilig verspricht, man würde „naturnah“ oder „naturgemäß“ wirtschaften. Wie aber soll das gehen, wenn man nicht weiß, wie natürliche Wälder aussehen? Seit 1950 gibt es sogar eine Arbeitsgemeinschaft, die sich die „naturgemäße Waldwirtschaft“ auf ihre Fahnen geschrieben hat: die ANW. Aber es ist wie verhext! Auch auf deren Webseite – kein einziges Foto eines Buchenurwalds!

Viel scheint die ANW auch nicht erreicht zu haben, denn 2009 ist sie sich eines „Mangels an Naturwaldstrukturen und daran gebunden Naturnähezeigern von Flora und Fauna in bewirtschafteten Buchenwäldern“ bewusst – so zu lesen in der „Templiner Erklärung – Konsenspunkte von Forstwirtschaft und Naturschutz bei der Bewirtschaftung von Buchenwäldern der Tieflagen“. Gefordert wird die „Ausstattung des Wirtschaftswaldes mit Naturwaldelementen“. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg hat sich dieser Forderung gleich angeschlossen. Das Bundesamt für Naturschutz, der BUND und der NABU sind sowieso dafür und sie alle haben die Templiner Erklärung unterschrieben. Solche Erklärungen kann man ja eigentlich nie genug haben.2

Sonderbar nur, dass es keine Fotos über Buchenurwälder im Internet gibt. Und so weiß eigentlich niemand so recht, wie ein „Naturwald“ wirklich aussieht. Ich möchte diese Wissenslücke füllen und viele Fotos vom Urwald in Uholka im Netz veröffentlichen. Deshalb zeige ich ein zweites Panoramafoto von einem Windwurf: Panoramafoto 2.

  1. siehe das Ergebnis einer Google-Suche nach großformatigen Fotos von Uholka []
  2. Der Text könnte übrigens glatt von Ulrich Mergner vom Forstbetrieb Ebrach geschrieben sein. Und die BaySF hätten die Erklärung auch mit unterzeichnen können. []
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Windwürfe in Uholka

Ich könnte jetzt davon erzählen, dass Windwürfe ganz ganz wichtig sind für den Großen Faulholz-Schwarzkäfer (Uloma culinaris) oder für das Untergetauchte Sternlebermoos (Riccia fluitans) oder den Eisvogel (Alcedo attis)1 Das tue ich nicht.

Windwurf im Buchenurwald Uholka (HD-Qualität, 1.920 x 1.280 Pixel, 3,2 MB)2

Für mich sind Windwürfe in allererster Linie eines: Sie sind schön. Von dem oben fotografierten Windwurf war ich so fasziniert, dass ich ihn gleich dreimal besucht habe. Jedes Mal zog er mich erneut in seinen Bann. Wäre ich ein Maler wie beispielsweise der von mir sehr verehrte Frederic Edwin Church, ich hätte meine Staffelei ausgepackt und die umgeworfenen Buchen gemalt.3 Aber ich bin leider kein Maler – dafür aber bin ich Fotograf. Und deswegen eröffne ich heute eine Serie von Fotos, die Windwürfe im Urwald Uholka in sehr hoher Auflösung und sehr hoher jpg-Qualität zeigen. Hier geht es zum Artikel: Windwürfe im Buchenurwald Uholka.

  1. siehe Praxishandbuch – Naturschutz im Buchenwald. Naturschutzziele und Bewirtschaftungsempfehlungen für reife Buchenwälder Nordostdeutschlands. Hrsg. Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg, 2015, S. 136 f. []
  2. Hier geht es zum Download desselben Fotos in Ultra-HD-Qualität (3.840 x 2.560 Pixel, 9,7 MB) []
  3. siehe z. B. sein Bild Storm in the Mountains von 1847 []
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Hotel „Silberparadies“

Es gibt in der Nähe des Buchen-Urwalds von Uholka keine Hotels, keine Ferienhäuser, keine Pensionen, keine Campingplätze. Und natürlich auch keine Restaurants, Imbisse, Cafés oder Eisdielen. Nichts! Nicht einmal eine Straße führt dorthin – nur eine Schlaglochpiste, die nur ganz ganz langsam und sehr sehr vorsichtig befahren werden kann. Seit kurzem gibt es allerdings eine Ausnahme. Hier geht es zu meinem Artikel über meine Unterkunft am Ende der Welt: Hotel „Silberparadies“.

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Buchenurwald Uholka in der Ukraine

Blick vom Tschur (850 m)1 in das Tal Mala Uholka (Мала Уголька); die Wälder im Vordergrund gehören zum Urwald2

Es ist „der größte zusammenhängende Buchen-Urwald Europas“.3 8.500 ha umfasst das Reservat „Uholka-Schyrokyj Luh“ und es liegt in der Ukraine. Ich war eine Woche dort und es war einfach sensationell.

Nichts, aber auch wirklich gar nichts, was ich in Deutschland an Buchenwäldern gesehen habe – und ich habe weiß Gott viel gesehen -, kommt auch entfernt an die Schönheit von Uholka heran. Nicht der Kellerwald, nicht Serrahn, nicht Grumsin, nicht der Faule Ort, nicht die Heiligen Hallen, nicht die Insel Vilm, nicht die Brunnstube – alles das verblasst gegenüber Uholka.

In den kommenden Wochen und Monaten werde ich nur noch über diesen Urwald schreiben.

  1. Der Felsen Tschur liegt nur wenige Meter entfernt von der Karstbrücke (Карстовий міст). Diese ist auf Google-Maps eingezeichnet. []
  2. die auf dem Felsen rechts wachsende Kronwickenart Securigera elegans steht auf der Roten Liste der Ukraine; siehe Brändli, U.-B.; Dowhanytsch, J. (Red.) 2003: Urwälder im Zentrum Europas. Ein Naturführer durch das Karpaten-Biosphärenreservat in der Ukraine. Birmensdorf, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL; Rachiw, Karpaten-Biosphärenreservat. Bern, Stuttgart, Wien, Haupt, S. 96 []
  3. a. a. O., S. 76 []
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Kahlschlag im Nationalpark Kellerwald

Im NLP Kellerwald-Edersee gibt es viele Baumarten, die dort natürlicherweise nicht vorkommen würden: Fichte, Kiefer, Roteiche, Kastanie – sie alle wurden dort früher künstlich angepflanzt. Wandert man beispielsweise von Frebershausen zur Quernstkapelle, durchquernt man große, geschlossene Fichtenbestände1 Auch rund um die Quernstkapelle wachsen nur Fichten.2 Viele davon sind noch ganz jung und sehr vital. Es wird noch Jahrhunderte dauern, bis dort wieder ein alter Bilderbuch-Buchenwald stehen wird mit alten Methusalembäumen, wie er sich südöstlich der Quernstkapelle erhalten hat.3 Die NLP-Verwaltung hat sich entschieden, die Fichten stehen zu lassen und nicht einzugreifen. Sie lässt Natur Natur sein. Und das ist auch gut so!

Nur bei einer Baumart kennt die NLP-Verwaltung keine Gnade: der Douglasie. Douglasienbestände werden rigoros kahlgeschlagen. Lesen Sie hier meinen Bericht: Kahlschlag bei Bringhausen.

  1. siehe Waldinventur (Forstwirtschaftskarte) – Nationalpark Kellerwald-Edersee, Waldabteilung 26 A []
  2. a. a. O., Waldabteilung 422 []
  3. a. a. O., Waldabteilungen 23 und 24 []