2 Artikel im Monat sind genug – Wider die Informationsflut im Internet

„Wir stumpfen schlicht und einfach ab, wenn man uns stündlich die Katastrophe ankündigt.“
Heiner Flassbeck1

Einleitung

Ich werde in Zukunft nur noch zwei Artikel pro Monat veröffentlichen. Höchstens. Das liegt nicht nur daran, dass gute Artikel viel Zeit brauchen. Es liegt auch daran, dass im Internet eine Flut von belanglosen Informationen herrscht. Zu dieser Flut an unwichtigen und überflüssigen Informationen will ich nicht beitragen.

Ich werde in diesem Artikel auch die Informationsflut von drei Webseiten kritisieren, die sich mit dem Wald und seinem Schutz beschäftigen: Karl-Friedrich Weber und Peter Wohlleben auf Facebook und die Naturwaldakademie auf Twitter. Diese Seiten tragen leider auch dazu bei, dass die Leser mit oberflächlichen und geschwätzigen Artikeln überschwemmt werden. Dabei nehme ich mich von der Kritik ausdrücklich nicht aus: Auch ich habe in der Vergangenheit manchmal viel zu viele Artikel in viel zu kurzer Zeit geschrieben.

Gliederung

Ich gliedere diesen Aufsatz in folgende Abschnitte:

Buchladen ohne freundliche Buchhändlerin

Das Internet ist wie ein Buchladen ohne freundliche Buchhändlerin. Hunderte von Angeboten. Was soll ich lesen? In dem Buchladen meiner Heimatstadt wäre ich völlig ratlos, gäbe es nicht die freundliche Buchhändlerin. Ich habe ihr von meiner Ratlosigkeit erzählt, sie hat sich lange mit mir unterhalten und dann hat sie mir ganz gezielt ein Buch empfohlen. Die Empfehlung war hervorragend.

Viele Webseiten im Internet sind wie ein Buchladen mit einer schlechten Buchhändlerin. Sie empfiehlt einem jeden Tag ein neues Buch. Lesen Sie dies! Lesen Sie das! Das ist gut! Und das ist auch gut! Und das hier ist noch viel besser! Diese schlechte Buchhändlerin hat natürlich Unrecht. So viele gute Bücher gibt es gar nicht. Gute Bücher sind selten.

Nehmen wir als Beispiel einige Webseiten, die sich mit linker Politik beschäftigen: Nachdenkseiten, Rubikon, KenFM, RT Deutsch, Makroskop u. v. a. m. Auf jeder dieser Seiten finde ich täglich neue Artikel. Um sie alle zu lesen, bräuchte man Stunden, wenn nicht Tage. Was soll ich lesen? Welcher Artikel ist wichtig? Welcher Artikel liefert wirklich neue Informationen? Brauche ich überhaupt jeden Tag neue Informationen? Das Problem wird nicht dadurch gelöst, dass man nur einmal in der Woche die Seiten besucht. Denn dadurch wird die Anzahl an Artikeln, aus denen ich auswählen muss, nur noch größer. Und die wirklich wichtigen Artikel gehen in der Informationsflut unter.

Leider gibt es bei den Webseiten, die sich mit dem Thema Waldschutz beschäftigen genau dasselbe Problem: als Leser werde ich von einer Flut von Artikeln überschwemmt. Als prominente Beispiele nenne ich Karl-Friedrich Weber alias Waldwahrheit und Peter Wohlleben auf Facebook und die Naturwaldakademie auf Twitter. Hinzu kommen die Facebook-Seiten des BUND, des NABU und von Greenpeace. Auf jeder Seite erscheint fast jeden Tag ein neuer Artikel, an manchen Tagen sogar mehrere Artikel innerhalb weniger Stunden.

Kritik an Webseiten zum Thema Waldschutz

Die überwältigende Mehrheit der oben genannten Artikel überflutet den Leser mit Nichtigkeiten: Sie bauschen Belanglosigkeiten und Überflüssiges auf. Sie langweilen mit Nacherzählungen und Wiederholungen. Oder sie erschöpfen sich in unbegründeten Meinungsäußerungen.

Meinungsäußerungen

Karl-Friedrich Weber beschäftigt sich am 6. Januar 2019 mit dem SPIEGEL-Artikel „Auf dem Holzweg“ und zitiert daraus Aussagen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Aber sonst macht er nichts anderes, als diese Aussagen pauschal abzuwerten: „Plattitüden“, „Erkenntnislosigkeit“, „in einen unwissenschaftlichen Kontext gestellte Unsinnsbehauptungen“ usw.  Weber liefert nicht ein einziges Argument für seine Behauptungen. Sein Artikel ist eine unbegründete Meinungsäußerung. Warum soll ich das lesen? Wird Weber so seinem selbst gesteckten Anspruch gerecht, „ein kritisches Forum für einen offenen Diskurs über Anspruch und Wirklichkeit deutscher Waldpolitik“2 zu sein?

Belanglosigkeiten

Am 11. Dezember 2018 präsentiert die Naturwaldakademie einen australischen Comic über alte Bäume. Muss ich das gucken? Am 17. Dezember informiert sie darüber, dass Wald unser Trinkwasser reinigt. Das lernen Kinder im Biologieunterricht der Klasse 7. Am 18. Dezember erfahre ich, dass irgendein „survey on ForestEcosystemServices, forest values and trade-off perception“ online ist. Ich soll an einem „survey on citizens‘ forest values and attitudes“ teilnehmen. Was soll das?

Peter Wohlleben kritisiert am 9. Januar 2019 in einem Video Architekten, „die nicht so schrecklich viel Ahnung haben“, weil sie in einem Neubaugebiet Birken und Eiben anpflanzen. Birken lösen Allergien aus, Eiben sind giftig. Ist das wichtig? Muss ich das wissen? Sollen Birken und Eiben nun aus den Städten verbannt werden? Wie viele Familienväter werden nach Anschauen des Videos nun die Birken und Eiben in ihren Gärten fällen? Und wie viele Birken und Eiben werden nun in Stadtparks gefällt werden? Was Peter Wohlleben dann wieder kritisieren kann. Was soll dieser Unfug?

Überflüssiges

Im ersten „Beitrag zum forstwissenschaftlichen Diskurs“ zitiert Karl-Friedrich Weber am 10. Januar 2019 zunächst Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Ist der Mann wichtig? Muss ich den ernst nehmen? Dann nennt Weber die Aussage von Bolte einen „Unsinnssatz“. Dies wird von ihm nur behauptet, aber nicht mit Argumenten begründet. Wie viele „Unsinnssätze“ produziert das Thünen-Institut wohl pro Jahr? Muss ich die kennen? Muss ich die kritisieren? Artikel ohne Argumente sind überflüssig.

Zwei Tage später beginnt auch der dritte „Beitrag zum forstwissenschaftlichen Diskurs“  wieder mit einem Bolte-Zitat. Dann folgt eine Zusammenfassung zweier Ergebnisse aus einer Publikation von Norbert Panek. Auch diese Gegenüberstellung ist überflüssig. Panek kommt schon im SPIEGEL-Artikel zu Wort. Wenn der SPIEGEL-Leser sich für Panek interessiert, wird er seine Publikation auch ohne die Hilfe von Weber im Internet finden. Weber hätte auch schreiben können: „Lieber Leser! Lesen Sie bitte Panek!“ Das wäre zumindest kürzer.

Nacherzählungen

Im „zweiten Beitrag zum forstwissenschaftlichen Diskurs“ , der nur 14 Minuten nach dem ersten veröffentlicht wird, fasst Karl-Friedrich Weber einen Artikel aus der Allgemeinen Forstzeitschrift (AFZ) zusammen. Er präsentiert eine fürchterlich lange Liste von 43 „Kernaussagen“. Sonst nichts. Weber kommentiert nicht, er bewertet nicht, er widerlegt nicht, er lobt nicht, er zitiert auch nicht, er fasst nur zusammen. Ob diese Zusammenfassung gut oder schlecht oder vielleicht sogar fehlerhaft ist, kann der Leser nicht entscheiden; der nacherzählte Artikel ist nicht online. Vielleicht waren es 44 statt 43 „Kernaussagen“. Muss ich die alle kennen? Sind die wichtig? Wofür? Im Grunde genommen hätte Weber genauso gut schreiben können: „Lieber Leser! Bitte bestellen Sie sich in Ihrer Stadtbibliothek den folgenden Artikel … und lesen Sie ihn!“ Fertig!

Wiederholungen

Am 10. und 11. Januar 2019 veröffentlicht Peter Wohlleben zwei Videos zum Thema Bodenverdichtung durch Rückegassen und Harvester. Dieses Thema hat er in seinen Büchern, im Radio und im Fernsehen immer und immer wieder wiederholt. Jetzt wiederholt er es auf Facebook. So wichtig dieses Thema auch ist: Die Videos liefern nicht eine einzige neue Information. Wohlleben könnte auch schreiben: „Liebe Leute! Liebe Privatwaldbesitzer! Kauft Euch mein Buch … und lest Seite ….!“

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Antwort auf Kritik an meinen Vorwürfen

  1. Wenn alles Klimawandel ist, ist Klimawandel nichts mehr []
  2. siehe Waldwahrheit – Info []