Besessen

Am kommenden Donnerstag fahre ich nach München zur Kundgebung wegen des Steigerwalds. Seit meinem schweren Fahrradunfall im August 20161 hatte ich nichts mehr zum Steigerwald geschrieben und deswegen hielt ich es für eine gute Idee, einmal in meinen alten Artikeln zu stöbern. Ich war entsetzt. Nicht über den Inhalt der Artikel, sondern über ihre Häufigkeit. Ich war damals wie besessen vom Steigerwald:

Das geht so weiter bis zum September 2015. Und nebenbei war ich auch noch Lehrer. Buchstäblich herausgerissen aus dieser Arbeitssucht hat mich erst der Unfall. Ich vermute, dass ich kein Einzelfall bin. Workaholism ist eine reale Gefahr für viele, die im ehrenamtlichen Naturschutz tätig sind. Es ist die Regel und nicht die Ausnahme, dass viel zu viel Arbeit auf nur einer Schulter lastet: „Einer muss es ja machen!“, „Wenn ich es nicht tue, dann macht es keiner!“, „Es ist doch so wichtig!“.

Übrig geblieben aus meiner Arbeitssucht war ein langer, unvollendeter Entwurf, den ich erst jetzt fertig geschrieben habe. Es war nur noch wenig zu tun. Trotzdem habe ich mir wochenlang Zeit genommen. Es gibt Wichtigeres: z. B. im Garten sitzen und den Blumen zuschauen. Hier geht es zu meinem Artikel: Meinungsmache gegen den GLB „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“.

  1. siehe Schädel-Hirn-Trauma []

45-minütiger Film zur Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz

Wenn im Kampf gegen den Borkenkäfer wieder einmal mehrere Hektar Fichtenwälder im Nationalpark1 Harz kahlgeschlagen werden, dann löst das kein großes „Schlagzeilengetöse“2 aus. Fernsehen und Tageszeitungen schweigen. Nachrichten über Kahlschläge im NLP Harz steigern nicht die Quote oder die Auflage. Auch die sozialen Netzwerke schweigen: Auf Facebook, Instagram und Twitter bringen Kahlschläge im NLP Harz keine „Klicks, Likes und Shares.3

„Was wir […] über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“4

Wenn der Satz von Luhmann stimmt, wissen wir über die Kahlschläge im NLP Harz nichts.

Fast nichts. Denn manchmal gibt es Ausnahmen. Im Sommerloch erschien in meiner Tageszeitung, dem Mindener Tageblatt, ein großer ganzseitiger Artikel von Sabrina Gorges über die „aufwendige[n] Schlachten gegen den Käfer“ im NLP: Erst die Stürme, jetzt der Käfer. 5 Der Artikel erschien am 22. August – genau einen Tag, nachdem ich im NLP ein ehemaliges Schlachtfeld besucht hatte. Zufälle gibt es.

Der Artikel war der Auslöser für einen langen Film: Im ersten Teil diskutiere ich die 5 Widersprüche, in die sich die NLP-Verwaltung bei der Borkenkäferbekämpfung verwickelt. Im zweiten Teil zeige ich eigene Filmaufnahmen vom Meineckenberg, wo vor 10 Jahren eine große Fläche kahlgeschlagen wurde. Am Schluss stelle ich neue wissenschaftliche Studien vor, die die Bekämpfung des Borkenkäfers in Nationalparks ablehnen.

Eine übersichtliche Gliederung der einzelnen Filmkapitel, die Links zu allen im Film besprochenen Quellen, weitere Hintergrundinformationen und einen Leserbrief von mir finden Sie hier: Kritik der Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Harz.

  1. im Folgenden abgekürzt mit NLP []
  2. Michael Meyen, Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand – Wie uns die Medien regieren, Frankfurt a. M. 2018, S. 8 []
  3. a. a. O., S. 14 []
  4. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, Opladen 21986, S. 8; zit. n. Michael Meyen []
  5. Der Artikel war von der Deutschen Presse Agentur und erschien wortgleich in mehreren Tageszeitungen. Bei der Mitteldeutschen Zeitung kann der Artikel kostenlos gelesen werden. []

Meineckenberg – 10 Jahre nach dem Kahlschlag

Vor 4 Jahren hatte ich zum ersten Mal ausführlich über die Borkenkäferbekämpfung am Meineckenberg im Nationalpark Harz berichtet:

Jetzt habe ich den Meineckenberg erneut besucht und ich war erschüttert. Aus dem Kahlschlag ist eine Grassteppe geworden, auf der vereinzelt Birken wachsen. Alle gepflanzten Buchen sind von Hirschen verbissen und verkrüppelt. Ich habe ein 12-minütiges Video produziert, in dem ich auch selbst auftrete. Ich kommentiere das dort aufgestellte Informationsschild und zeige den Wildverbiss:

Ich habe vor Wut laut geschrien

Nationalpark Harz. Da stand ich nun auf dem riesigen Kahlschlag und war fassungslos. Ich schreibe das nicht nur so dahin, sondern ich habe wirklich die Fassung verloren. Ich stand da inmitten der ganzen Zerstörung und habe Sätze gestammelt wie „Das gibt es doch gar nicht!“, „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder einfach nur „Jesusfuckingchrist!“ Und in all dieser Verwüstung habe ich vor Wut laut geschrien.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Großkahlschlag in der Nähe der Plessenburg.

Update Ultraviolence

Der Übersichtsartikel über meine vielen Artikel zu den Großkahlschlägen im Nationalpark Bayerischer Wald heißt Ultraviolence. Den Artikel habe ich nun erweitert mit einem mutigen Zitat von Prof. Dr. Jörg Müller (stellvertretender Leiter des Nationalparks und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung.im Nationalpark Bayerischer Wald, Professor für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg). Offen spricht er von einem schlechteren Beispiel für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet“, von „ökologisch ungebildeten Entscheidungsträgern“ und von negativen Folgen für den Artenreichtum von Totholzbewohnern“. Und sicherlich zum Ärger vieler Entscheidungsträger präsentiert er auch noch ohne Scheu das untere Foto:

Beste und schlechtere Praxis für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet (engl. best and worse practice for salvage logging in a protected area)

Hier geht es zum Update des Übersichtsartikel: Ultraviolence.

Kennen Sie TreMs?

Wissen Sie, was ein TreM ist? Nein? Aber vielleicht wissen Sie, was ein tree-related microhabitat ist? Hilft Ihnen die deutsche Übersetzung Baummikrohabitat? Trösten Sie sich! Auch auf der Webseite der beiden größten Naturschutzorganisationen in Deutschland, dem BUND und dem NABU, werden Sie vergeblich nach Erklärungen suchen. Wenn Sie wissen wollen, was ein TreM ist, dann lesen Sie bitte die Fortsetzung meines Artikels über die 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald, der einen aktuellen Aufsatz von Thibault Lachat und Jörg Müller zusammenfasst.

In den Kapiteln 2 – 7 geht es u. a. um Totholz und Habitatbäume. TreMs werden im Kapitel über Habitatbäume erklärt. Zum Schluss wird der Unterschied zwischen integrativem und segregativem Naturschutz diskutiert und warum Lachat und Müller für letzteren sind.

Lesen Sie hier die Kapitel 2 – 7 meines Aufsatzes: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald

Erst vor 2 Monaten ist der wissenschaftlicher Sammelband über Saproxylic Insects erschienen. Darin enthalten ist folgender Aufsatz:

Es geht in diesem Aufsatz nicht nur um den Schutz der Urwälder. Und auch nicht nur um den Schutz der Totholzinsekten. Wenn man den Aufsatz genauer liest, findet man darin auch viele wertvolle Informationen zum Schutz der Wälder im allgemeinen. Leider sind diese in der Öffentlichkeit und auch in Teilen der Umweltschutzbewegung überhaupt nicht bekannt.

Lesen Sie hier den ersten Teil meiner Inhaltsangabe: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

Mein total verrückter Urlaub im Urwald

Normalerweise kritisiere ich in meinen Artikeln immer andere Personen: Förster, Professoren, Politiker. In meinem neuen Artikel ist alles ganz anders; in meinem neuen Artikel kritisiere ich mich. Mich und meinen Urlaub im Buchenurwald Uholka in der Ukraine.

Anlass ist ein neues Buch des italienischen Autors Marco d’Eramo: Die Welt im Selfie – Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters. Seine Analysen treffen nicht nur auf die Touristen zu, die hektisch die Sehenswürdigkeiten in Städten abhaken. Sie treffen auch auf mich und meinen Urlaub im Urwald zu: auf meine Wünsche und Sehnsüchte und die verrückten Widersprüche, in die ich mich verwickelt habe. Selten habe ich mich bei einem Buch so ertappt und entlarvt gefühlt.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Urwald all inclusive.