Über die ökonomische Dummheit von Biologie-Professoren – Teil 1

Nicht nur die Aussage von Prof. Steidle, dass das Insektensterben im Wald „wahrscheinlich nicht ganz so groß“ ist, ist hanebüchen, auch seine Behauptungen zu den wirtschaftlichen Ursachen des Insektensterbens sind haarsträubend: Zwar sei die konventionelle Landwirtschaft „sehr wahrscheinlich“ am Insektensterben schuld. Aber die Landwirte dürften nicht „an den Pranger“ gestellt werden:

„Wenn wir alle gerne billige Lebensmittel kaufen wollen, dann muss der Landwirt die billig produzieren. Und […] das geht eben nicht nachhaltig. Ich denke, wir müssen einfach viel mehr Geld für unsere Produkte ausgeben.“

Und weil wir das nicht tun, sind wir es und nicht die armen Landwirte, die schuld sind am Insektensterben.

Das ist eine beliebte Argumentationsfigur der neoliberalen Propaganda: Der Täter wird zum Opfer. Die Landwirte werden von den geizigen Verbrauchern förmlich dazu gezwungen, die Insekten auszurotten. Und wenn es nicht der Verbraucher und seine Schnäppchenjagd ist, dann ist es die EU oder die Globalisierung, die den Landwirt zum Insektenmord nötigen.

Ähnlich originelle Erklärungen lassen sich nicht nur Professoren für Biologie einfallen, sondern auch Professoren für Forstwissenschaft: Die Forstwirte würden ja liebend gerne ökologisch produzieren, aber die Holzindustrie verlangt billiges Bauholz und die Verbraucher wollen billiges Brennholz!

Lesen Sie hier den ersten Teil meines Artikels: Über die ökonomische Dummheit von Biologie-Professoren.

Prof. Steidle: „wahrscheinlich nicht so ein ganz großes Insektensterben im Wald“

Johannes Steidle ist Professor für Zoologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Am 20.2.2018 hält er einen Vortrag über das Sterben der Insekten.

Darin fällt der skandalöse Satz:

„30% [der Fläche in Deutschland] ist Wald, wo wahrscheinlich nicht so ein ganz großes Insektensterben herrscht.“

Und da ist niemand im Publikum, der sich meldet. Niemand ruft dazwischen. Kein Raunen geht durch den Saal.
Vielleicht liegt es daran, dass Totholzkäfer und Urwaldreliktarten in Deutschland bereits vor Jahrzehnten ausgerottet wurden. Niemand stört sich daran. Siehe Unvollständige Liste der ausgerotteten Urwaldreliktarten im Steigerwald und Warum niemand die Totholzkäfer im Schäferheld kennt.

Stadtwald Lübeck ohne Freizeitakrobaten

Im fünften und letzten Teil der Fragestunde zum Vortrag „Wilde Wälder“ von Knut Sturm und Torsten Welle geht es um sehr unterschiedliche Themen: z. B. das Kalken der Wälder, die Ergebnisse der Koalitionsvereinbarungen und die Betreuung privater Waldbesitzer durch den Lübecker Forstamt. Für mich am interessantesten war, als Knut Sturm darüber erzählte, wie er 2013 die Selbstwerbung („Freizeitakrobaten“) im Stadtwald Lübeck verboten hat und wie die Lübecker Nachrichten damals vergeblich versuchten, gegen ihn Stimmung zu machen.

Hier geht es zum letzten Teil der Fragestunde: Teil 5 – Verbot der Selbstwerber, Kalken von Wäldern, Lübecker Umfrage, Betreuung privater Waldbesitzer

Wer ist Prof. Dr. Jürgen Bauhus?

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik (WBW) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat 15 Mitglieder. Eines der wichtigsten und einflussreichsten Mitglieder scheint Jürgen Bauhus zu sein, Professor für Waldbau an der Universität Freiburg. Er ist z. B. einer der federführenden Autoren des Klimaschutzgutachtens und verteidigt dieses auch gegen die Kritik.

Prof. Dr. Jürgen Bauhus in der Fernsehsendung Faszination Wissen am 11.1.2016

Als ich mich mit dem Streit um das Klimaschutzgutachten des Wissenschaftlichen Beirats beschäftige, kommt mir der Name „Bauhus“ irgendwie bekannt vor. Irgendwann muss ich schon einmal über ihn gestolpert sein. Und dann erinnere ich mich: Bauhus spielte die Hauptrolle in einem Beitrag für die Fernsehsendung Faszination Wissen am 11.1.2016. Der Beitrag ist zum einen sehr ärgerlich, zum anderen aber so unglaublich skurril und grotesk, dass man ihn fast für einen gespielten Witz halten möchte. Er sagt sehr viel über einen der wichtigsten Professoren für Waldbau in Deutschland aus. Hier geht es zu meinem Artikel: Waldbauprofessor Jürgen Bauhus ringelt Fichten.

Alternativer Waldzustandsbericht

Pünktlich zum Tag des Baumes hat die Naturwald-Akademie den Alternativen Waldzustandsbericht veröffentlicht. Den Bericht von Torsten Welle, Knut Sturm und Yvonne Bohr finden Sie hier: Alternativer Waldzustandsbericht – Deutschlands Wäldern geht es schlecht. Auf die Reaktion des Forstwirtschaftlichen Denkkollektivs1 bin ich jetzt schon gespannt: Spellmann und Bauhus vom Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik (WBW) beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) werden kochen vor Wut!2

  1. zum Begriff des Forstwirtschaftlichen Denkkollektivs siehe Frede und die Buchen und das Forstwirtschaftliche Denkkollektiv []
  2. siehe die Reaktion des WBW auf die Studie Waldvision []

NWE nützt Naturliebhabern nichts

Vor drei Tagen veröffentlichte ich den Beitrag Ausverkauf im Rumbecker Wald, in dem ich mich über das Umsägen der letzten dicken Buchen im Rumbecker Wald beklagte und sehr drastische Schimpfworte für den Wald verwendete: Drecksloch und Scheißeimer.

Vielleicht werden Förster der Niedersächsischen Landesforsten des zuständigen Forstamts Oldendorf oder der Revierförsterei Dobbelstein einwenden:

„Alles dummer Quatsch! Unsinn! Natürlich gibt es dicke und alte Buchen im Rumbecker Wald. Es gibt doch die NWE-Flächen!“

NWE steht für „Natürliche Waldentwicklung“. Auf NWE-Flächen ist die Holznutzung nicht erlaubt.1 Weiterlesen

  1. siehe NWE5-NI-Info-Portal []

Gefährdet das Lübecker Modell Arbeitsplätze?

Die Fragestunde zum Vortrag „Wilde Wälder“ von Torsten Welle und Knut Sturm plätschert so vor sich hin, aber dann wird es richtig spannend. Ein Förster aus Würzburg meldet sich zu Wort und fährt schweres Geschütz auf:

„Die großen Forstverwaltungen, die Landesforstverwaltungen, die haben ein anderes Konzept. Da stecken Arbeitsplätze dahinter. Da steckt das Cluster Holz dahinter. Es gibt da eine Reihe von Sachzwängen, wo man dann fragen muss: Naja, wir wägen ab, wollen wir jetzt die Arbeitsplätze erhalten oder wollen wir Vorrat aufbauen? Letztlich wird es immer so sein, dass dann die Politik […] für den Menschen entscheidet und gegen ein Konzept wie dieses, das Sie gerade uns erklärt haben.“

Die Antwort von Knut Sturm finden Sie hier: Teil 4 der Fragestunde – Landesforsten und Arbeitsplätze.

Ausverkauf im Rumbecker Wald

Im März 2018 kauften die beste Ehefrau von allen und ich den Wanderführer Unser Sonntagsausflug von Ingeborg Müller. Das war ein Fehler. Wir übersahen, dass das Buch 10 Jahre alt war. Vermutlich war er schon 2008, im Jahr der 2. Auflage, überholt. 2018 aber stimmte nichts mehr: Der Rumbecker Berg bei Hessisch Oldendorf gilt bei Wanderern sicherlich nicht mehr als „Geheimtipp“.1 Vermutlich war er das auch nie wegen des Waldes, sondern einzig und allein wegen des Ludwigsturms, früher angeblich „einer der lohnendsten Aussichtstürme der Region“.2 Jetzt war er geschlossen. Und das Wandern wurde nicht „zur Lust“,3 sondern zu einer nicht enden wollenden Qual.

Es gibt nichts Schönes im Rumbecker Wald. Caspar David Friedrich wäre schreiend davon gelaufen. Für derart hässliche Wälder gibt es in der deutschen Sprache kein Schimpfwort: Holzacker? Holzplantage? Holzfabrik? Kunstforst? Försterwald? Das passt alles nicht. Drecksloch? Das kommt der Sache schon näher.

Am besten passt vielleicht ein Schimpfwort aus Ostwestfalen, das eigentlich nicht zitierfähig ist: Scheißeimer. Weiterlesen

  1. Ingeborg Müller, Unser Sonntagsausflug, Hameln 22008, S. 198 []
  2. a. a. O., S. 195 []
  3. ebd. []

Torsten Welle und Knut Sturm zu Holzvorräten

Einer der zentralen Kritikpunkte des Wissenschaftlichen Beirats Waldpolitik (WBW) an der Studie Waldvision sind die hohen Holzvorräte, die das Szenario Waldvision anstrebt.

Deshalb hatte ich Dr. Torsten Welle und Knut Sturm von der Naturwald-Akademie eine E-Mail geschrieben und gefragt, was sie zu dieser Kritik sagen. Die sehr freundliche und sehr informative Antwort finden Sie hier: E-Mail an die Naturwald-Akademie.

Nicht minder interessant ist der Streit um das Klimaschutzgutachten des WBW aus dem Jahr 2016. Hingewiesen wurde ich auf den öffentlich ausgetragenen Konflikt von einem der Beteiligten: Dr. Lutz Fähser. Deutlich wird, dass die Positionen des WBW auch innerhalb der Forstwissenschaft selbst keinesfalls unumstritten sind: Streit um das Klimaschutzgutachten des Wissenschaftlichen Beirats.