Ich habe vor Wut laut geschrien

Nationalpark Harz. Da stand ich nun auf dem riesigen Kahlschlag und war fassungslos. Ich schreibe das nicht nur so dahin, sondern ich habe wirklich die Fassung verloren. Ich stand da inmitten der ganzen Zerstörung und habe Sätze gestammelt wie „Das gibt es doch gar nicht!“, „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder einfach nur „Jesusfuckingchrist!“ Und in all dieser Verwüstung habe ich vor Wut laut geschrien.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Großkahlschlag in der Nähe der Plessenburg.

Update Ultraviolence

Der Übersichtsartikel über meine vielen Artikel zu den Großkahlschlägen im Nationalpark Bayerischer Wald heißt Ultraviolence. Den Artikel habe ich nun erweitert mit einem mutigen Zitat von Prof. Dr. Jörg Müller (stellvertretender Leiter des Nationalparks und Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung.im Nationalpark Bayerischer Wald, Professor für Tierökologie und Tropenbiologie an der Universität Würzburg). Offen spricht er von einem schlechteren Beispiel für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet“, von „ökologisch ungebildeten Entscheidungsträgern“ und von negativen Folgen für den Artenreichtum von Totholzbewohnern“. Und sicherlich zum Ärger vieler Entscheidungsträger präsentiert er auch noch ohne Scheu das untere Foto:

Beste und schlechtere Praxis für Sanitärhiebe in einem Schutzgebiet (engl. best and worse practice for salvage logging in a protected area)

Hier geht es zum Update des Übersichtsartikel: Ultraviolence.

Kennen Sie TreMs?

Wissen Sie, was ein TreM ist? Nein? Aber vielleicht wissen Sie, was ein tree-related microhabitat ist? Hilft Ihnen die deutsche Übersetzung Baummikrohabitat? Trösten Sie sich! Auch auf der Webseite der beiden größten Naturschutzorganisationen in Deutschland, dem BUND und dem NABU, werden Sie vergeblich nach Erklärungen suchen. Wenn Sie wissen wollen, was ein TreM ist, dann lesen Sie bitte die Fortsetzung meines Artikels über die 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald, der einen aktuellen Aufsatz von Thibault Lachat und Jörg Müller zusammenfasst.

In den Kapiteln 2 – 7 geht es u. a. um Totholz und Habitatbäume. TreMs werden im Kapitel über Habitatbäume erklärt. Zum Schluss wird der Unterschied zwischen integrativem und segregativem Naturschutz diskutiert und warum Lachat und Müller für letzteren sind.

Lesen Sie hier die Kapitel 2 – 7 meines Aufsatzes: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald

Erst vor 2 Monaten ist der wissenschaftlicher Sammelband über Saproxylic Insects erschienen. Darin enthalten ist folgender Aufsatz:

Es geht in diesem Aufsatz nicht nur um den Schutz der Urwälder. Und auch nicht nur um den Schutz der Totholzinsekten. Wenn man den Aufsatz genauer liest, findet man darin auch viele wertvolle Informationen zum Schutz der Wälder im allgemeinen. Leider sind diese in der Öffentlichkeit und auch in Teilen der Umweltschutzbewegung überhaupt nicht bekannt.

Lesen Sie hier den ersten Teil meiner Inhaltsangabe: 6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald.

Mein total verrückter Urlaub im Urwald

Normalerweise kritisiere ich in meinen Artikeln immer andere Personen: Förster, Professoren, Politiker. In meinem neuen Artikel ist alles ganz anders; in meinem neuen Artikel kritisiere ich mich. Mich und meinen Urlaub im Buchenurwald Uholka in der Ukraine.

Anlass ist ein neues Buch des italienischen Autors Marco d’Eramo: Die Welt im Selfie – Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters. Seine Analysen treffen nicht nur auf die Touristen zu, die hektisch die Sehenswürdigkeiten in Städten abhaken. Sie treffen auch auf mich und meinen Urlaub im Urwald zu: auf meine Wünsche und Sehnsüchte und die verrückten Widersprüche, in die ich mich verwickelt habe. Selten habe ich mich bei einem Buch so ertappt und entlarvt gefühlt.

Lesen Sie hier meinen neuen Artikel: Urwald all inclusive.

Die Stromschnellen im Buchenurwald von Uholka

Ganz in der Nähe des Hotels Silberparadies gibt es im Urwald Stromschnellen des Flusses Welyka Uholka. Sie sind sehr eindrucksvoll und ich kenne in Deutschland nichts vergleichbares. Ich beschreibe den Wanderweg und zeige hochauflösende Fotos.

Zum Schluss meines Artikels entwerfe ich eine Dystopie und überlege, wie man solche Stromschnellen in Deutschland touristisch ausschlachten würde: Die Stromschnellen von Welyka Uholka.

Veröffentlicht unter Uholka

Der Buchenurwald Uholka, die Totholzkäfer und ich

Ende Mai ist ein neuer wissenschaftlicher Sammelband über Totholzkäfer erschienen: Saproxylic Insects. Führende Experten aus aller Welt haben Aufsätze beigesteuert. Das 17. Kapitel schreiben Thibault Lachat und Jörg Müller: Die Bedeutung von Urwäldern für die Erhaltung der Totholzinsekten.1 In diesem vorzüglichen Kapitel lesen wir:

„Die verbliebenen Urwälder dienen [..] als Zuflucht für diejenigen Totholzarten, die in bewirtschafteten Wäldern wegen ihrer hohen ökologischen Bedürfnisse nicht überleben können. In diesem Kapitel beschreiben wir sechs Eigenschaften von Urwäldern, die wichtig für Totholzinsekten sind und die diese Wälder wesentlich von Wirtschaftswäldern unterscheiden; nämlich die Abwesenheit von Habitatfragmentierung, Habitatkontinuität, natürliche Störungen, Totholzmenge und -qualität, Baumartenzusammensetzung und Habitatbäume.“2

An einer Stelle möchte ich Lachat und Müller widersprechen. Es sind keine „hohen“ Bedürfnisse, die die Insekten haben. Es sind normale Bedürfnisse. Und ich habe ganz ähnliche Bedürfnisse, wenn ich in einen Wald gehe, um mich zu entspannen und zu erholen und mich an seiner Schönheit zu erfreuen. Auch für mich war der Urwald von Uholka eine „Zuflucht“.

Lesen Sie hier das letzte Kapitel meiner Wanderung durch den Buchenurwald von Uholka: Vom Riesenfelsen zurück zur Weggabelung.

  1. Übersetzung von F.-J. A.; Das Kapitel wurde mir freundlicherweise von Prof. Dr. Müller als PDF-Datei kostenlos zur Verfügung gestellt. []
  2. S. 581, Übersetzung von F.-J. A. []
Veröffentlicht unter Uholka

Wie schützt man Urwaldrelikt-Arten?

Von den 20 Urwaldrelikt-Arten des Buchenurwalds von Uholka-Schyrokyj Luh in der Ukraine sind schon 7 in Deutschland ausgestorben. Die übrigen 13 stehen alle auf der Roten Liste. In der Fortsetzung meines Artikels über die Totholzkäfer in Uholka-Schyrokyj Luh widme ich mich ausführlich der Frage, wie man diese 13 vor dem Aussterben bewahren und schützen könnte.Ungleicher Furchenwalzkäfer
Ungleicher Furchenwalzkäfer (Rhysodes sulcatus) – eine der in Deutschland und fast allen europäischen Ländern ausgestorbenen Urwaldrelikt-Arten, die es in Uholka-Schyrokyj Luh noch gibt (Von SigaEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link)

Dabei stoße ich auf viele Wissenschaftler, die sehr nachdenklich sind und klipp und klar sagen, dass Urwaldrelikt-Arten in bewirtschafteten Wäldern nicht geschützt werden können und Schutzgebiete brauchen: u. v. a. Thibault Lachat, Martin M. Gossner und Jörg Müller. Das wirft ein düsteres Licht darauf, dass in Bayern gerade die Einrichtung eines dritten Nationalparks im Spessart, in dem es noch 13 Urwaldrelikt-Arten1 gibt, gescheitert ist.

Lesen Sie hier: Wie schützt man Urwaldrelikt-Arten?

  1. siehe Heinz Bußler, Hotspot-Gebiete xylobionter Urwaldreliktarten aus dem Reich der Käfer, LWF aktuell 76/210, S. 11 []

Antwort von Albrecht Müller

Der Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, hat mir gestern sofort geantwortet. Seine Antwort hat mich sehr beeindruckt.

Albrecht Müller beim Pleisweiler Gespräch über Reichtum und Eliten am 30.7.2017

Offen und ehrlich gibt er zu, dass es „keine großen Differenzen“ zwischen ihm und mir gibt.

„Aber ich kann auch nicht ständig schreiben, wie erfolglos unsere Aufklärungsarbeit ist. Dann wäre die eigentlich richtige Konsequenz aufzuhören.“

Lesen Sie hier seine E-Mail: Antwort von Albrecht Müller.

Offener Brief an die NachDenkSeiten

Ich habe heute einen offenen Brief an die NachDenkSeiten geschrieben. Auslöser war die Berichterstattung über die Demonstration vor der Air Base Ramstein am 30.6.2018. In meinen Augen waren die Proteste ein deprimierender Misserfolg. Die Fotos täuschen eine hohe Teilnehmerzahl nur vor. Die Polizei spricht von nur 1.500 Demonstranten.

In meinem Blog geht es normalerweise um Wald und Forstwirtschaft und nicht um NATO und Drohnenkrieg. Aber meine Überlegungen zur Erfolglosigkeit der Friedensbewegung sind übertragbar auf die der Naturschutzbewegung. Zum Nationalparktag in Bamberg am 9.6.2018 kamen auch nur wenige Leute. Die Bilder gleichen sich. Lesen Sie hier meinen Leserbrief an die NachDenkSeiten:

Liebes NachDenkSeiten-Team!
Ich habe am Samstag den ganzen Tag die Berichterstattung über die Protestaktionen in Ramstein sehr aufmerksam und wie gebannt verfolgt. Persönlich teilnehmen konnte ich wegen meiner Schwerbehinderung nicht. RT-Deutsch, Sputnik und der SWR berichteten schon am Samstag mit Videos – und ich war zutiefst erschüttert und deprimiert über die geringe Teilnehmerzahl: 2.500 laut Veranstalter, sogar nur 1.500 laut Polizeiangaben. Ich nenne das einen Misserfolg. Weiterlesen